Besondere Gefährdungslagen Neue Direktion der Bundespolizei steuert Spezialeinheiten

Der Einsatz von Spezialeinheiten der Bundespolizei bei großen Terrorlagen soll künftig von einer neuen Stelle in Berlin aus koordiniert werden. Nicht alle halten das für eine gute Idee.

Innenminister Thomas de Maiziere, GSG9-Spezialkräfte
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Innenminister Thomas de Maiziere, GSG9-Spezialkräfte


Als Reaktion auf Terroranschläge in Deutschland und Europa hat die Bundespolizei eine neue Direktion in Berlin eingerichtet, um von dort aus komplexe Einsätze zu steuern. Der Direktion sind Spezialkräfte der Bundespolizei unterstellt - etwa die Elitetruppe GSG 9, die Hubschrauberflotte oder Sprengstoffentschärfer.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte bei der Eröffnung der Dienststelle, Deutschland müsse für neue Bedrohungen und komplizierte Großlagen gewappnet sein. Die Gewerkschaft der Polizei sieht die neue Struktur jedoch sehr skeptisch.

Bei Szenarien wie diesem soll die neue Direktion künftig eingreifen, Hilfe anbieten und das Zusammenspiel diverser Teams koordinieren: An mehreren Orten in mehreren Bundesländern gleichzeitig begehen Islamisten Anschläge. Mit Sprengstoff. Die Täter flüchten. Der Koordinierungsaufwand ist groß. Die Polizei in den Ländern braucht Unterstützung, die GSG 9 und Bombenentschärfer müssen zum Einsatzort geflogen werden, andere Trupps zur Fahndung ausrücken.

Bundespolizei hat mehrere Spezialeinheiten

Neben der GSG 9, die auf den Antiterrorkampf und Geiselbefreiungen spezialisiert ist, gibt es etwa den Flugdienst mit rund tausend Mitarbeitern und 84 Hubschraubern. Es gibt Expertentrupps, die Sprengstoff entschärfen, "Sky Marshals", die in Flugzeugen für Sicherheit sorgen sollen, oder Beamte, die die deutschen Auslandsvertretungen beschützen. Diese Spezialkräfte unterstehen nun der neuen Direktion. Sie bleiben an ihren bisherigen Standorten - die GSG 9 etwa in Sankt Augustin bei Bonn -, aber sie entsenden Vertreter in die Berliner Dienststelle.

Für die Bundespolizei ist es die elfte Direktion bundesweit. Leiter ist der frühere Chef der GSG 9 , Olaf Lindner. 60 Mitarbeiter hat die neue Dienststelle, rund 270 sollen es werden. Geplant seien auch gemeinsame Übungen mit anderen Einheiten der Bundespolizei, mit der Polizei in den Ländern und mit ausländischen Partnern, sagte Lindner.

"Das reißt anderswo Lücken"

De Maizière betonte, die Sicherheitslage in Deutschland und Europa habe sich verändert. Anschläge - wie etwa in Paris - hätten neue Muster bei Attentaten aufgezeigt: parallele Attacken an verschiedenen Orten und länger andauernde Lagen mit flüchtigen Tätern. "Dafür muss man sich wappnen." Die neue Direktion sei ein Angebot an die Länder, bei komplexen Einsatzlagen koordinierte Unterstützung von der Bundespolizei zu bekommen.

Der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, hat dagegen große Zweifel an der Struktur. Bundespolizisten aus anderen Einheiten würden in die neue Direktion abgezogen, sagte Radek. "Das reißt anderswo Lücken." In der Aufbauphase sei die neue Dienststelle eine reine Mehrbelastung für die Bundespolizei. Auch ihr Nutzen müsse sich erst noch erweisen.

Es habe bislang keine Kritik an der Arbeit der Spezialkräfte und ihrer Kooperation mit anderen Einheiten gegeben, sagte Radek. Warum sie nun eine neue Stabstelle bräuchten, erschließe sich ihm nicht. Noch dazu habe die neue Direktion keine Tagesaufgaben, während anderswo das Personal für das Tagesgeschäft fehle. "Deshalb kommt das Ganze mit sehr gemischten Gefühlen bei den Kollegen an."

wit/dpa/AFP



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