Bundesweite Razzia in Bordellen Rotlicht-Täter lockten Opfer nach Deutschland

Es war die größte Razzia in der Geschichte der Bundespolizei: 1500 Beamte durchsuchten 62 Bordelle, sieben Personen wurden verhaftet. Jetzt werden Details über den beschuldigten Menschenhändlerring bekannt.


Der von der Bundespolizei zerschlagene mutmaßliche Menschenhändlerring soll seine Opfer von Siegen aus in ein bundesweites Bordell-Netzwerk geschickt haben. Zu den Opfern zählten vor allem thailändische Transsexuelle. Die Kriminellen hätten sie nach Erkenntnissen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit hohen Verdienstmöglichkeiten als Prostituierte nach Deutschland gelockt.

Bei den bislang "größten Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahmen seit Bestehen der Bundespolizei" durchsuchten 1500 Beamte 62 Bordelle in zwölf Bundesländern. Sieben Beschuldigte wurden verhaftet, darunter eine 59-jährige Hauptverdächtige in Siegen. Laut Alexander Badle, der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, hat es dabei keinen größeren Widerstand gegeben.

Die mehreren Hundert Betroffenen hätten dann zumeist in Wohnungsbordellen gearbeitet, beispielsweise in Gewerbegebieten oder auch im ländlichen Raum, sagte ein Sprecher der Behörde. Es habe sich nicht um klassische Laufhäuser gehandelt, sondern die mutmaßlichen Täter hätten mit den Transsexuellen ein spezielles Segment im Rotlichtmilieu besetzen wollen, sagte Badle.

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Bundespolizei-Razzien: Hunderte Beamte, Dutzende Festnahmen

Die Ermittler gehen davon aus, dass die 59-jährige Hauptbeschuldigte mit Helfern in Thailand Prostituierte angeworben und mit erschlichenen Touristen-Visa ausgestattet hat. In Deutschland angekommen, sollen die Angeworbenen zunächst überwiegend in drei Bordellen in Siegen der Prostitution nachgegangen sein. Die 59-Jährige und ihr deutscher Lebensgefährte betrieben demnach die Bordelle.

Die Einnahmen sollen die Hauptbeschuldigten zunächst vollständig einbehalten haben - zur Begleichung der angeblichen Schleusungskosten von bis zu 36.000 Euro sowie für Miete und Verpflegung. "Nach einer gewissen Verweildauer in den Siegener Bordellbetrieben sollen die Prostituierten in einer Art Rotationsprinzip in andere Bordellbetriebe des Netzwerks im gesamten Bundesgebiet verbracht worden sein", hieß es weiter.

Auch später soll die Hauptbeschuldigte dann einen Großteil der Einnahmen der Prostituierten über die örtlichen Bordellbetreiber erhalten haben. Den Prostituierten seien bei einer Tätigkeit in Deutschland Gewinnversprechen gemacht worden, profitiert hätten dann aber vor allem die Drahtzieher. "Den Zweck hat man nicht verheimlicht, sie sind aber über die Konditionen getäuscht worden." Dabei habe man sich auch die fehlenden Sprachkenntnisse zunutze gemacht.

bbr/dpa



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