Bundessozialgericht Perücke auf Kosten der Krankenkasse auch bei Männern möglich

In bestimmten Fällen können glatzköpfige Männer eine Perücke von der Krankenkasse bezahlt bekommen. Das hat das Bundessozialgericht entschieden. Im konkreten Fall urteilten die Richter jedoch anders.


Muss eine Krankenkasse einem 76 Jahre alten Mann eine Perücke bezahlen? Über diese Frage hat das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel verhandelt. Die Antwort der Richter: Grundsätzlich können auch Männer können in bestimmten Fällen eine Perücke von der Krankenkasse bezahlt bekommen. Allerdings muss eine Krankheit vorliegen. Der unbehaarte Kopf - auch ohne Brauen, Wimpern und Bart - muss eine entstellende Wirkung haben.

In dem vorliegenden Fall wies der 3. Senat die Revision des 76-Jährigen jedoch zurück. Der Mann aus dem rheinland-pfälzischen Contwig leidet seit 1983 an vollständiger Haarlosigkeit. Bis 2006 bezahlte die Krankenkasse die Perücke. Danach wurde der Antrag abgelehnt, weil eine Glatze bei Männern keine störende Auffälligkeit sei.

Dagegen richtete sich die Klage des Mannes. Der Haarverlust verursache bei ihm einen hohen psychischen Leidensdruck, argumentierte er. Weil zudem Frauen in gleicher Lage ohne weiteres mit Perücken ausgestattet würden, fühlt er sich wegen seines Geschlechts benachteiligt.

Die Vorinstanzen hatten die Klage des Mannes abgewiesen: Eine Glatze sei bei Männern allgemein akzeptiert, während dies bei Frauen nur selten vorkomme, lautete die Argumentation - zu Recht wie das BSG nun bestätigte. Seine Haarlosigkeit habe keine entstellende Wirkung. Dass der Betroffene das anders empfinde, sei nicht maßgeblich.

wit/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
troy_mcclure 22.04.2015
1. Wenn schon, denn schon
Konsequentes Urteil. Dass deswegen prozessiert wird, kann ich nicht verstehen.
a.weishaupt 22.04.2015
2. Bekanntes Muster
Solche Urteile erinnern stark an die, die früher zu Ungunsten von Frauen ausgesprochen wurden, grob nach dem Muster: die Gesellschaft sieht es so, also bestätigen wir das auch so. Leider zeigt sich wieder einmal, dass die Gesellschaft bei wirklicher Gleichberechtigung noch nicht angekommen ist.
monolithos 22.04.2015
3. Unterschiedlichkeit von Frau und Mann höchstrichterlich festgestellt
Oh, sollte hier ein Gericht tatsächlich mal lebensnah geurteilt haben, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind? Das könnte natürlich Auswirkungen auf ganz andere Bereiche der Gleichberechtigungs-, Gleichstellungs- und Gleichmachereidebatte haben, die inzwischen ihre berechtigte Grundlage (geschlechtsunabhängige Chancengleichheit) längst verlassen hat. Bin gespannt, wann der erste gealterte Bodybuilder auf Silikonbrüste klagt.
asentreu 22.04.2015
4. Diskriminierung!
Es gibt sehr wohl Frauen die Glatze oder raspelkurze Haare tragen und bei denen das kein Ausdruck einer Krankheit ist. Deswegen finde ich das Urteil als Frau diskriminierend! Es kann doch nicht sein, dass es bei Männern dann heißt: "ist halt so!". Niemand sollte durch eine Krankheit erkennbar entstellt/ verändert werden (im Sinne von "im Vergleich zu VOR der Erkrankung"), wenn dies auch durch so einfache Mittel zu verhindern ist! Streng genommen ist die Haltung des Gerichts (männerfeindlicher Spieß wird hiermit umgedreht) sogar zusätzlich auch noch frauenfeindlich! Frei nach dem Motto "Krebs oder nicht- Frauen müssen immer schön sein, bei Männern reicht scheiße aussehen aber vollkommen".
Gaussen 22.04.2015
5. Glatze wäre billiger
-und modischer...
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