Bundeswehr am Horn von Afrika Fregatte "Emden" vertreibt Piraten vor Somalia

Wieder haben Piraten vor der somalischen Küste zugeschlagen - gleich zweimal binnen 24 Stunden: Seeräuber haben einen spanischen Fischkutter in ihre Gewalt gebracht und einen japanischen Öltanker attackiert. Die Bundeswehr eilte dem Schiff zur Hilfe.


Potsdam/Madrid - Die vor Somalia kreuzende Fregatte "Emden" hat am Montag einem japanischen Öltanker gegen angreifende Piraten geholfen. Der Einsatz sei auf einen Notruf des attackierten Schiffes hin erfolgt, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam und bestätigte damit eine Meldung der "Kölnischen Rundschau".

Somalische Küste: 50 Prozent mehr Piraten-Übergriffe allein im vergangenen Jahr
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Somalische Küste: 50 Prozent mehr Piraten-Übergriffe allein im vergangenen Jahr

Danach erreichte die "Emden" der Funkspruch "Tanker wird durch Boot mit Waffen beschossen und getroffen", woraufhin die Fregatte Kurs auf den Tanker "Takayama" nahm und einen Hubschrauber vorausschickte. Als der Helikopter am Ort des Geschehens eintraf, waren die Piraten mit ihrem Schnellboot schon geflüchtet.

In diesem Fall habe die bloße "Drohgebärde" schon genügt, sagte der Bundeswehr-Sprecher. Auch wenn sich die deutsche Marine eigentlich nur im Rahmen der Terrorabwehr vor Somalia im Rahmen der Operation "Enduring Freedom" engagiere, sei Nothilfe wie im vorliegenden Fall zulässig. Dabei müsse unmittelbare Lebensgefahr bestehen oder andere Hilfe ausgeschlossen sein.

Die Bundeswehr beteiligt sich seit 2002 an der Operation vor dem Horn von Afrika. Zu ihren Aufgaben gehören die Überwachung des Seeraums und der Schutz der dort verlaufenden Verbindungslinien. Vor allem soll der Transport von Drogen, Waffen und Munition unterbunden werden.

Übergriff auf spanischen Fischkutter

Gegen 13 Uhr Ortszeit brachten vier bewaffnete Piraten am Sonntag zudem einen spanischen Fischkutter vor der Küste Somalias in ihre Gewalt. An Bord der aus dem Baskenland stammenden "Playa de Bakio" befinden sich den spanischen Behörden zufolge 13 Spanier und 13 Afrikaner. Keiner von ihnen sei bei dem Angriff verletzt worden, erklärte ein Sprecher des spanischen Außenministeriums.

Der Kapitän des in internationalen Gewässern entführten Schiffs soll dem staatlichen spanischen Rundfunk RNE gesagt haben: "Es geht uns allen gut, es gibt keine Probleme." Einer der Piraten soll demnach in schlechtem Englisch erklärt haben: "No problem, this is money", sinngemäß übersetzt: "Kein Problem, hier geht es um Geld."

Das Schiff war etwa 450 Kilometer vor der Küste Somalias auf Thunfischfang gewesen, als es von den Piraten mit Granatwerfen attackiert wurde. Die genaue Position zum Zeitpunkt des Übergriffs ist nicht bekannt. Der Fischkutter hat seinen Heimathafen im nordspanischen Bermeo, etwa 25 Kilometer nordöstlich von Bilbao, in der Provinz Biskaya. Er wurde bei dem Überfall leicht beschädigt, sei aber noch fahrtüchtig, hieß es.

Die Piraten nahmen mit dem Kutter Kurs auf das afrikanische Festland. Es wird vermutet, dass sie von dort aus Lösegeldforderungen stellen werden. Die spanische Regierung schickte eine Fregatte der Kriegsmarine in das Seegebiet. Spanische Diplomaten nahmen von Nairobi in Kenia aus Verbindung zu Führern in Somalia auf, um eine Freilassung der gekidnappten Fischer zu erreichen.

han/ala/dpa/AFP/Reuters/AP



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