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Bundeswehr: Hauptmann wegen "Dörrobst-Affäre"verurteilt

Bizarrer Rechtstreit: Auf einer Bundeswehr-Feier war einem Unteroffizier Dörrobst ins Gesäß gesteckt und dieses dann mit einem Paddel traktiert worden. Duldete der Hauptmann der Kompanie das "entwürdigende Verhalten" seiner Untergebenen? Jetzt fiel das Urteil.

Zweibrücken - Das Amtsgericht Zweibrücken hat im Prozess zur "Dörrobst-Affäre" um obszöne Aufnahmerituale in einer Kaserne den angeklagten Hauptmann zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt.

Der Richter sah es als erwiesen an, dass der ehemalige Kompaniechef das "entwürdigende Verhalten" seiner Untergebenen auf einer Feier geduldet habe. Der Offizier bestreitet die Vorwürfe. Er habe nichts vom dem Vorfall mitbekommen, sagte der 35-Jährige in seinem Schlusswort. Er und sein Verteidiger wollten nach dem Urteil nicht sagen, ob sie Rechtsmittel einlegen werden. Dem Hauptmann drohen nun auch disziplinarische Maßnahmen der Bundeswehr.

Im September 2005 hatten Unteroffiziere in der Niederauerbach- Kaserne in Zweibrücken die Aufnahme neuer Kollegen gefeiert. Dabei war ein Mann über ein Podest gelegt worden. Dann wurde ihm eine Dattel zwischen die entblößten Gesäßbacken gesteckt. Anschließend hatte zunächst eine Soldatin mit einem Paddel mindestens zweimal zugeschlagen. Das Opfer sagte am Mittwoch aus, er habe die Aktion als "Spaß" betrachtet und bereits damals über die ganze Sache gelacht.

Das einzige, was ihn gestört habe, sei ein "klebriges Gefühl" am Gesäß gewesen. Der Mann war für die Verhandlung eigens von den Malediven, wo er mittlerweile als Tauchlehrer arbeitet, nach Zweibrücken gereist.

Die Anklage warf dem Hauptmann dagegen vor, er habe seine Dienstpflicht verletzt, weil er die Taten nicht verhindert oder verfolgt habe. Der Staatsanwalt hatte eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro gefordert, der Verteidiger hatte einen Freispruch beantragt. Der Richter stützte sich vor allem auf die Aussage der Soldatin, die an den Schlägen beteiligt war. Sie hatte ausgesagt, der Hauptmann habe während des Zwischenfalls direkt am Schauplatz gestanden.

Der Offizier hatte beteuert, er habe nichts von dem Vorfall mitbekommen. Es sei in der Tat eine "entwürdigende Behandlung gewesen. "Hätte ich es selbst gesehen, hätte es sofort unterbunden", sagte er vor dem Urteil. Deswegen habe er auch einem Strafbefehl und der damit verbundenen Einstellung des Verfahrens nicht zugestimmt.

Das Verfahren gegen einen weiteren Unteroffizier, der ebenfalls an den Schlägen beteiligt gewesen sein soll, war gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden.

pad/dpa

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