Mutmaßlicher Attentäter festgenommen Die Hintergründe des Anschlags auf den BVB

Nach dem Sprengstoffanschlag auf den BVB hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst. Der Fall dürfte beispiellos in der deutschen Kriminalgeschichte sein. Die Fakten.

OSKAR EYB/ EPA/ REX/ Shutterstock

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Spezialkräfte der GSG 9 haben am Freitagmorgen in der Nähe von Tübingen den Mann festgenommen, der am 11. April den Sprengstoffanschlag auf Borussia Dortmund verübt haben soll. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen vor, er habe Spieler des Vereins töten wollen, um damit einen Gewinn an der Börse zu erzielen. Ihm wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Am Nachmittag soll über einen Haftbefehl entschieden werden.

Wer ist der mutmaßliche Täter?

Der Tatverdächtige Sergej W. hat laut Bundesanwaltschaft die deutsche und russische Staatsangehörigkeit. Der 28-Jährige kommt Behördenangaben zufolge aus Freudenstadt im Schwarzwald. W. machte eine Ausbildung als Elektroniker, gewann einen Preis seiner Berufsschule und arbeitete zuletzt in einem Tübinger Heizwerk. Seine Familie stammt demnach aus dem Ural.

Unklar ist, wo er den Umgang mit Sprengstoff lernte. W. war nach SPIEGEL-Informationen von April bis Dezember 2008 Wehrdienstleistender im Lazarettregiment Dornstadt. Dort wurde er in einer Unterstützungseinheit für Sanitäter eingesetzt, die sich um Instandsetzung und Elektrotechnik kümmerte.

Welches Motiv vermuten die Ermittler?

Sergej W. soll aus Habgier gehandelt haben. Laut Bundesanwaltschaft nahm er einen Verbraucherkredit auf und erwarb für einen Teil des Geldes am 11. April Verkaufsoptionen in Bezug auf die Aktie des BVB, insgesamt drei unterschiedliche Derivate. Nach SPIEGEL-Informationen betrug die Kreditsumme 40.000 Euro. Durch den Bombenanschlag soll er versucht haben, möglichst viele Teammitglieder von Borussia Dortmund zu töten oder zu verletzen. Er wollte nach Erkenntnissen der Ermittler auf diese Weise einen Kurssturz der BVB-Aktie erzwingen und mit den Verkaufsoptionen, sogenannten Put-Optionen, ein Vermögen verdienen.

Was sind Put-Optionen?

Mit Optionsscheinen können Anleger auf steigende oder fallende Kurse von Aktien oder anderen Wertpapieren wetten und dabei mit vergleichsweise kleinen Einsätzen hohe Gewinne erzielen. Möglich wird das durch die sogenannte Hebelwirkung. Er muss nur einen vergleichsweise niedrigen Preis für den Optionsschein zahlen, kann im besten Fall aber immens hohe Gewinne machen, wenn sich der Aktienkurs so entwickelt wie von ihm erhofft. Je tiefer die Aktie des Fußballvereins gefallen wäre, desto höher wäre der Gewinn für den Verdächtigen ausgefallen.

Im Video: Stellungnahme der Bundesanwaltschaft

Wie kamen die Ermittler Sergej W. auf die Spur?

Der Festnahme vorausgegangen waren Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei. Die Behörden observierten den Verdächtigen seit einer Woche. Auf die Spur hatten sie SPIEGEL-Informationen zufolge ein Hinweisgeber aus dem Finanzsektor sowie die Geldwäscheverdachtsanzeige der Comdirect-Bank gebracht, die am 13. April verdächtige Transaktionen gemeldet hatte - also zwei Tage nach dem Anschlag. Im Zuge der Festnahme gab es laut Innenministerium Durchsuchungen in vier baden-württembergischen Städten: Freudenstadt, Rottenburg, Tübingen und Haiterbach. Dabei wurden der Bundesanwaltschaft zufolge Kommunikationsmittel sichergestellt.

Polizeieinsatz in Rottenburg (Baden-Württemberg)
DPA

Polizeieinsatz in Rottenburg (Baden-Württemberg)

Wie soll der mutmaßliche Täter vorgegangen sein?

Nach Erkenntnissen der Ermittler bezog Sergej W. bereits am 9. April im BVB-Mannschaftshotel L'Arrivée ein Zimmer im Dachgeschoss. Der Kauf der Optionen erfolgte demnach über die IP-Adresse des Hotels. Kurz vor dem Anschlag hielt sich W. laut den Ermittlern noch im L'Arrivée auf. Bei der Buchung des Zimmers im März soll der Beschuldigte einen Raum mit Blick auf den späteren Anschlagsort verlangt haben, womöglich löste er von dort auch die Detonation der drei Sprengsätze über Funk aus. Nach derzeitigem Ermittlungsstand sieht die Bundesanwaltschaft keine Hinweise auf mögliche Komplizen.

Welche Sprengsätze verwendete der mutmaßliche Täter?

Die drei Sprengsätze waren den Ermittlern zufolge über eine Länge von zwölf Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke angebracht. Die Sprengkörper waren auf den Bus ausgerichtet und wurden gezündet, als der Bus die Hecke passierte. In den Sprengsätzen befanden sich Metallstifte - etwa 70 Millimeter lang, mit einem Durchmesser von sechs Millimetern und einem Gewicht von etwa 15 Gramm. Die Zündung erfolgte nach derzeitigem Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung. Zur Art des verwendeten Sprengstoffs liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Welche Wirkung hatten die Sprengsätze?

Die Sprengkraft der Bomben war laut Bundesanwaltschaft verheerend. Einer der Metallstifte wurde noch in einer Entfernung von 250 Metern aufgefunden. Der Mannschaftsbus war nicht mit Panzer-, sondern mit Sicherheitsglas ausgestattet. Das Fahrzeug wurde im vorderen und hinteren Bereich beschädigt, mehrere Fensterscheiben zerbarsten. Einer der Splitter verfehlte die Businsassen und bohrte sich in die Kopfstütze eines Sitzes. Der BVB-Abwehrspieler Marc Bartra wurde schwer verletzt, ein Polizist erlitt ein Knalltrauma. Die anderen Mannschaftsmitglieder kamen mit dem Schrecken davon.

Warum ging der Anschlag glimpflicher aus als geplant?

Während die erste und dritte Bombe wohl planmäßig detonierten, war der zweite und wichtigste Sprengsatz zu hoch platziert worden, sodass die Ladung ihr Ziel verfehlte und über den Bus hinwegschoss.

Wie schätzen die Ermittler die Bekennerschreiben ein?

Am Tatort wurden drei textgleiche Bekennerschreiben gefunden. In ihnen wird ein radikal-islamistisches Motiv für den Anschlag genannt. Nach einer islamwissenschaftlichen Prüfung hegen die Ermittler erhebliche Zweifel an den Schreiben. Noch größere Zweifel an der Echtheit des Dokuments bestehen im Fall eines anderen Bekennerschreibens, das auf der Internetseite Indymedia veröffentlicht worden war. Der Eintrag hatte einen linksextremistischen Hintergrund der Tat behauptet

Zwei Tage nach dem Anschlag ging zudem bei mehreren Medien ein rechtsextremistisches Bekennerschreiben ein. Auch dieses Schreiben weist den Ermittlern zufolge Widersprüche auf. Es wird nicht mit dem Täter in Verbindung gebracht.

Mit Material von dpa und AFP

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Reinhold Schramm 21.04.2017
1. Karl Marx zu
Ein Zitat von P.J. Dunning (1860), das Karl Marx in einer Fußnote im „Kapital“ bekannt machte: „Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinen Profit, wie die Natur von der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv und waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“
Braveheart Jr. 21.04.2017
2. Eigentlich wollte ich ...
... durch den Kauf von BvB Aktien meine Solidarität mit dem Klub signalisieren. Das sollte ich nach Lektüre dieses Artikels vielleicht besser nicht tun ...!
sojetztja 21.04.2017
3.
Verrückte Welt - mehr fällt mir dazu nicht ein.
Ichbines2 21.04.2017
4. Unvorstellbar
das so ein perfide Plan aus dem schwachen Hirn eines Einzelnen entsprungen ist. Es sind doch 60000 Puts gekauft worden, aber nur 15000 hatte der mutmaßliche Täter. Wer besaß denn die anderen? Zunächst fiel ja die Aktie etwas, hat der Täter sofort seinen Gewinn realisiert? Wieso stieg die Aktie sofort wieder? Nach dem Rückspiel fiel die Aktie abermals, wer hat dabei gewonnen? Inzwischen sind alle vier Puts relativ wertlos - die Bank hat gewonnen. Das hätte der Täter doch wissen müssen! Offenbar war er mit Börsenhandel nicht besonders vertraut. Auch kauft man nicht so große Mengen OS auf einen kaum volatilen Nebenwert - die Dummheit des mutmaßlichen Täters fängt also schon weit vorher an.
Watschn 21.04.2017
5. Einfach nur Wahnsinn...
Da wurde defacto die Vorlage des Bond-Movies "Casino Royal" von Daniel Craig als Blaupause benutzt. (Le Chiffre mit seiner Put-Wette auf eine Airline-Insolvenz infolge eines Flugzeug-Bombenanschlags)
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