Mutmaßliche Drogenhändler vor Gericht "Der wirkliche Feind des Hanfbauern ist die gemeine Blattlaus"

580 Kilo Cannabis soll eine mutmaßliche Drogenbande in Österreich angebaut haben. Vor Gericht zweifelte ein Verteidiger diese Menge an: Hanfbauern hätten schließlich mächtige Feinde.

Cannabis-Plantage in Wien (Archivbild)
REUTERS

Cannabis-Plantage in Wien (Archivbild)


In Wien und Niederösterreich soll eine Bande mehrere Indoor-Cannabis-Plantagen aufgebaut und dort in großem Stil Cannabis angebaut haben. Mehr als eine halbe Tonne Marihuana soll so in Umlauf gebracht worden sein. Tatverdächtig sind 19 Männer und eine Frau, die sich seit Montag vor dem Landgericht Wien verantworten müssen. Eine zweite angeklagte Frau liegt im Krankenhaus und ist nicht verhandlungsfähig.

Die Verteidigung zog zu Beginn des Prozesses die auf Hochrechnungen beruhende Erntemenge der mutmaßlichen Drogenhändler in Zweifel. "Der wirkliche Feind des Hanfbauern ist die gemeine Blattlaus", sagte Rechtsanwalt Christian Werner dem österreichischen "Standard" zufolge vor dem Schöffengericht. Er betonte, dass es immer wieder schädlingsbedingte Ernteausfälle gegeben habe.

Werner vertritt den Hauptangeklagten Nemanja R., 32, der mit einem flüchtigen Komplizen für serbische Hintermänner gearbeitet haben soll. Ende Februar 2018 waren die Ermittler des österreichischen Bundeskriminalamtes durch einen Hinweis serbischer Kollegen auf die organisierte Gruppe aufmerksam gemacht worden. Ende Mai war es dann zu den Festnahmen gekommen.

Laut Anklage soll die Bande mindestens elf Plantagen betrieben haben. Dazu wurden angemietete Häuser in großem Stil umgebaut - Zwischenwände eingerissen, Stromleitungen verlegt, Bewässerungssysteme installiert. Eigens angeheuerte Gärtner bekamen bis zu 3000 Euro im Monat für ihre Dienste. Der Prozess ist bis Mitte Februar anberaumt.

ala/dpa



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