Schmuck-Coup in Cannes: Raubzug der Rekorde

Raub in Cannes: 103 Millionen in Juwelen Fotos
REUTERS

Mit einer automatischen Waffe und einem Aktenkoffer in der Hand spazierte ein Mann ins Carlton Hotel in Cannes und stahl Juwelen im Wert von 40 Millionen Euro - hieß es zunächst. Jetzt korrigierte der Aussteller die Schadenschätzung nach "einer eingehenden Inventur" drastisch nach oben.

Cannes - Der Raub war dreist - und offenbar um einiges lukrativer, als zunächst vermutet. Am helllichten Tag, gegen 11.30 Uhr am Sonntag, hatte ein bewaffneter Mann das berühmte Carlton Hotel in Cannes betreten. In der Hand hatte er einen Aktenkoffer, vor der Tür vermutlich einen Komplizen, berichtete "Le Parisien" unter Berufung auf Ermittler. Bei sich trug der Täter demnach eine automatische Waffe. Sein Gesicht hatte er zum Teil mit einem Tuch verhüllt.

Warum eine Person in diesem Aufzug nicht sofort Verdacht erzeugte, ist ebenso wenig geklärt wie die Frage, wie es ihm gelingen konnte, in Seelenruhe mit Diamanten besetzte Uhren und andere Preziosen in seinen Koffer zu stopfen und damit unbehelligt wieder nach draußen zu gelangen.

Zunächst war der Wert des gestohlenen Schmucks auf etwa 40 Millionen Euro geschätzt worden. Jetzt beziffert die zuständige Staatsanwaltschaft der Stadt Grasse den Wert auf 136 Millionen Dollar (rund 103 Millionen Euro). Der stellvertretende Staatsanwalt Philippe Vique berief sich auf Angaben des Veranstalters der Juwelenausstellung, die den Betrag "nach einer kompletten Inventur" um ein Vielfaches erhöht hatten. "Leviev" ist ein Unternehmen, das Diamanten vertreibt und Niederlassungen in London, New York, Dubai und Singapur unterhält.

Besitzer ist Lev Leviev, ein in London lebender russisch-israelischer Milliardär, der gute Verbindungen hat zu Präsident Wladimir Putin und in der Vergangenheit unter anderem in Diamantenminen in Angola investiert hat. Er ist außerdem tätig in der Immobilien- und Chemieindustrie.

Für die Stadt Cannes bedeutet der Raub einen weiteren veritablen Imageschaden - wird sie doch zunehmend zur Hauptstadt der Juwelendiebstähle. Erst im Mai stahlen Unbekannte Chopard-Juwelen im Wert von mehr als 750.000 Euro aus einem Hotelsafe. Nur kurz darauf verschwand eine 1,8 Millionen Euro teure Halskette während einer Prominenten-Party im Hotel du Cap-Eden-Roc im Nachbarort Cap d'Antibes - trotz verschärfter Sicherheitsmaßnahmen und einem Aufgebot von 80 Sicherheitsleuten. Immer häufiger nehmen organisierte Diebesbanden Boutiquen und Hotels an der Côte d'Azur ins Visier.

Das Carlton Hotel wird bevorzugt von Hollywood-Größen gebucht und gilt während des Filmfestivals als "Hauptquartier" der Prominenten. Im Jahr 1955 drehte Alfred Hitcock im Carlton seinen Streifen "Über den Dächern von Nizza" mit Cary Grant and Grace Kelly. Der Film erzählt von einem berüchtigten Juwelendieb.

ala

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