Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Bericht zu Mordraten: Caracas ist die gefährlichste Stadt der Welt

Selbstverteidigungskurs in Caracas (Archivfoto): Schutz verzweifelt gesucht Zur Großansicht
AP

Selbstverteidigungskurs in Caracas (Archivfoto): Schutz verzweifelt gesucht

In Venezuelas Hauptstadt werden 120 Morde pro 100.000 Einwohner gezählt. Ab einem Wert von 10 spricht die Weltgesundheitsorganisation von einer Gewaltepidemie.

Die venezolanische Hauptstadt Caracas ist laut einer neuen Statistik der gefährlichste Ort der Welt. Mit fast 120 Tötungsdelikten pro 100.000 Einwohner weist die südamerikanische Metropole die höchste Mordrate außerhalb von Kriegsgebieten auf, wie die mexikanische Nichtregierungsorganisation "Bürgerrat für öffentliche Sicherheit und Strafrecht" am Montag (Ortszeit) mitteilte. Die Ergebnisse decken sich mit einer Uno-Studie zum Thema Mord.

"Die überwältigende Mehrheit der 50 gefährlichsten Städte der Welt liegt in Lateinamerika", heißt es in dem Bericht. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Mordrate bei 0,8 Tötungsdelikten pro 100.000 Einwohner. Bei einem Wert über 10 spricht die Weltgesundheitsorganisation WHO von einer "Gewaltepidemie".

Auf dem zweiten Platz folgt San Pedro Sula in Honduras, das zuvor vier Jahre in Folge an der Spitze lag. Den dritten Platz belegt San Salvador. In der Hauptstadt El Salvadors wurden 108 Morde pro 100.000 Einwohner gezählt, im Landesdurchschnitt 105. Das Nationale Institut für Forensik in El Salvador gibt als Mordrate für das Land einen Wert von über 90 an.

In jedem Fall ist El Salvador damit das gefährlichste Land der Welt außerhalb von Kriegsgebieten. Zwei Beispiele: Allein im vergangenen August wurden 911 Morde verzeichnet, ein trauriger Rekord - und schon am Neujahrstag 2016 wurden 35 Menschen umgebracht.

Für den Großteil der Gewalt in dem mittelamerikanischen Land werden Jugendbanden - die sogenannten Maras - verantwortlich gemacht. Die Gangs kontrollieren ganze Stadtviertel, sind in Drogenhandel und Schutzgelderpressung verwickelt.

Zuletzt gab es allerdings auch Hinweise auf die Todesschwadronen, die willkürlich Jugendliche töten, die sie für Bandenmitglieder halten. Die paramilitärischen Gruppen werden von konservativen Unternehmerkreisen finanziert.

Die Maras wiederum machen gezielt Jagd auf Polizisten und Soldaten. Die Beamten dürfen jetzt auch in ihrer Freizeit Waffen zur Selbstverteidigung tragen, weil Bandenmitglieder sie meist nach Dienstschluss abpassen.

"Ob Gangmitglieder, Polizisten oder Soldaten - dieser Strudel der Morde erinnert mich an den berühmten Satz: 'Auge um Auge und die ganze Welt wird blind sein.' Das ist es, wohin die Reise geht", sagt der Leiter der salvadorianischen Gerichtsmedizin, Miguel Fortín Magaña.

Positiv bewertetet der Bericht die Entwicklung in Ciudad Juárez in Mexiko und Medellín in Kolumbien. Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA führte die Rangliste von 2008 bis 2010 an. Medellín galt in den Neunzigerjahren als die gefährlichste Stadt der Welt. In der Liste für 2015 tauchen beide Städte nicht mehr unter den 50 gefährlichsten Orten auf.

ulz/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: