Cesare Battisti Früherer italienischer Linksterrorist in Bolivien gefasst

Zuletzt fehlte jede Spur von Cesare Battisti, der in Italien wegen vierfachen Mordes verurteilt ist. Nun wurde der frühere italienische Linksterrorist in Südamerika gefasst.

Cesare Battisti
AFP/ HO / Bolivian Police

Cesare Battisti


Seit Jahrzehnten ist Cesare Battisti auf der Flucht vor der italienischen Justiz, nun ist der frühere Linksterrorist Fahndern in Bolivien ins Netz gegangen. Das bestätigte ein Berater des neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, Filipe G. Martins, am Samstagabend auf Twitter.

Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" berichtete, ein Spezialteam von Interpol und italienische Agenten hätten ihn in der bolivianischen Stadt Santa Cruz aufgespürt. Sie seien Battisti bereits seit einer Woche auf den Fersen gewesen.

Vertreter der italienischen Polizei und der Geheimdienste befinden sich nun auf einem Flug in das südamerikanische Land, um die Auslieferung des 64-jährigen Italieners zu erreichen, wie das Innenministerium in Rom mitteilte.

In Italien war Battisti 1993 in Abwesenheit wegen Mordes verurteilt worden. Er soll als Mitglied der Gruppe "Bewaffnete Proletarier für den Kommunismus" Ende der Siebzigerjahre an vier Morden in seiner Heimat beteiligt gewesen sein. Er bestreitet jede Tatbeteiligung.

"Gerechtigkeit für die Angehörigen"

Endlich könnte es für die Angehörigen der Todesopfer von damals "Gerechtigkeit geben", schrieb Italiens Premierminister Giuseppe Conte auf Facebook. "Unsere Gefängnisse hier warten auf ihn." Der Staat habe den Familien "die Festnahme und Auslieferung von Cesare Battisti" geschuldet. Seit mehr als 40 Jahren habe man auf diesen Tag gewartet.

Italiens rechtsgerichteter Innenminister Matteo Salvini dankte den beteiligten Beamten für die Festnahme "eines Verbrechers, der das angenehme Leben am Strand nicht verdient und der den Rest seiner Tage im Gefängnis verbringen sollte". Der italienische Botschafter in Brasilien, Antonio Bernadini, twitterte: "Battisti ist festgenommen! Die Demokratie ist stärker als der Terrorismus!"

Unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand hatte Battisti in den Neunzigerjahren in Frankreich Zuflucht vor der italienischen Justiz gefunden und sich eine Existenz als Schriftsteller aufgebaut. Als der konservative Präsident Nicolás Sarkozy ihn 2004 an Italien ausliefern wollte, floh Battisti nach Brasilien.

Dort lebte er zunächst im Verborgenen, bis er 2007 in Rio de Janeiro gefasst wurde. Nach jahrelanger Haft erließ der linksgerichtete brasilianische Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ein Dekret, in dem er eine Auslieferung verweigerte. Battisti wurde zum Ärger Italiens freigelassen.

Brasiliens neuer rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro hatte Italien aber bereits vor seiner Wahl Ende Oktober die Auslieferung in Aussicht gestellt. Mitte Dezember wurde dann Haftbefehl gegen Battisti erlassen, seither fehlte von ihm jede Spur.

jus/dpa/AFP

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insgesamt 6 Beiträge
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spmc-12355639674612 13.01.2019
1. Leben am Strand?
An welchem Strand? In Bolivien? Ich glaube, der gute Herr Salvini hat einige eklatante Bildungslücken ... bei ihm wundert mich das allerdings nicht.
icke_floripa 13.01.2019
2. Lula half linken Terrorismus?!
Nur eine kurze Anfrage. Wenn Lula zu seiner Amtszeit ein Dekret zum Schutz von linkem Terrorismus erlassen hat ist er doch zu mindest ein Sympathisant des Linksextremismus, oder sehe ich das falsch? Und hat somit seine Machtposition ziemlich ausgenutzt. Mir fehlt in der Berichterstattung des Spiegels ein bisschen die kritische Auseinandersetzung mit Lula als Machtmensch und seinem Agieren zu seiner Amtszeit, was Brasilien in die jetzige Situation gebracht hat, inklusive eines neuen Präsidenten, welcher als Reaktion auf Lulas, Dilmas und der PT-Politik gewählt wurde. Ich sehe leider keine kritische Auseinandersetzung. Ich hätte gern genauso viele kritische Berichte zu seiner und Dilmas Amtszeit und den Problemen Brasiliens gelesen. Hier ist sehr viel passiert in den letzten Jahren, doch die wenigen Sachen, die hier erschienen waren eher PT-sympathisierende Kommentare. Der Anschein ist, solange ein Präsident sich als links ausgibt kann er doch nur gut sein und die Anderen, die ihn kritisieren nur schlecht. D.h. desto lauter und radikaler man seine linke Position vorbringt umso gerechter ist man?! Zur Klarstellung, ich bin überhaupt kein Fan von Bolsonario, sondern eher im Gegenteil. Aber wenn man die aktuelle Situation und den Verlauf der letzten Jahrzehnte sieht, kann man zumindest verstehen warum Bolsonaro so haushoch die Wahlen gewonnen hat. Die PT konnte in keinster Weise beweisen, dass sie in der Lage ist das Land überlange Zeit zu einem sozial gerechten, und wohlständigen Staat zu machen, trotz guter Voraussetzungen. Sie hat Brasilien mit einer großen Krise übergeben, versetzt von idealistischen Lagerkämpfen, Machtausnutzung und Korruption. Irgendwann hat die Mehrheit keine Geduld mehr und versucht alles, um das zu ändern
TontonTombi 13.01.2019
3.
@ Beitrag Nr.1 - spmc-12355639674612 Wenn Sie den Beitrag noch einmal ganz Lesen, werden Sie feststellen, dass dieser erst bei der Linken Regierung in Frnkeich, und anschliessend bei der linken Regierung von Lula in Brasilien untergekommen ist. Beide Länder besitzen sehr viel Strand und erst kürzlich ist er nach Bolivien weitergezogen. Gerne hätte ich allerdings zu diesem Artikel auch eine Stellungsnahme von Herrn Schulz,, welcher ja erst kürzlich den wegen Korruption verurteilten ex-Präsidenten Lula da Silva im Knast besuchte. Warum respektieren/t-ten diese Politiker und Präsidenten nicht die italienische Justiz ? Sind diese noch im Klassenkampf und ihre Justicia auf einem Auge blind ? Dann sollten wir Bürger sie schnellstens von allen Ämtern entfernen und fernhalten, denn nur in Diktaturen kann sich die Herrschaftsclique derartig aufführen.
archivdoktor 13.01.2019
4. Ojehh.......
Zitat von spmc-12355639674612An welchem Strand? In Bolivien? Ich glaube, der gute Herr Salvini hat einige eklatante Bildungslücken ... bei ihm wundert mich das allerdings nicht.
Salvini hat sich auf die Strände Brasiliens bezogen - nach Bolivien ist Battisti erst geflüchtet als Bolsanaro an die Macht kam!
zeitgenosse99 13.01.2019
5. Der war von 2007 bis 2011 im brasilianischen Knast
Zitat von icke_floripaNur eine kurze Anfrage. Wenn Lula zu seiner Amtszeit ein Dekret zum Schutz von linkem Terrorismus erlassen hat ist er doch zu mindest ein Sympathisant des Linksextremismus, oder sehe ich das falsch? Und hat somit seine Machtposition ziemlich ausgenutzt. Mir fehlt in der Berichterstattung des Spiegels ein bisschen die kritische Auseinandersetzung mit Lula als Machtmensch und seinem Agieren zu seiner Amtszeit, was Brasilien in die jetzige Situation gebracht hat, inklusive eines neuen Präsidenten, welcher als Reaktion auf Lulas, Dilmas und der PT-Politik gewählt wurde. Ich sehe leider keine kritische Auseinandersetzung. Ich hätte gern genauso viele kritische Berichte zu seiner und Dilmas Amtszeit und den Problemen Brasiliens gelesen. Hier ist sehr viel passiert in den letzten Jahren, doch die wenigen Sachen, die hier erschienen waren eher PT-sympathisierende Kommentare. Der Anschein ist, solange ein Präsident sich als links ausgibt kann er doch nur gut sein und die Anderen, die ihn kritisieren nur schlecht. D.h. desto lauter und radikaler man seine linke Position vorbringt umso gerechter ist man?! Zur Klarstellung, ich bin überhaupt kein Fan von Bolsonario, sondern eher im Gegenteil. Aber wenn man die aktuelle Situation und den Verlauf der letzten Jahrzehnte sieht, kann man zumindest verstehen warum Bolsonaro so haushoch die Wahlen gewonnen hat. Die PT konnte in keinster Weise beweisen, dass sie in der Lage ist das Land überlange Zeit zu einem sozial gerechten, und wohlständigen Staat zu machen, trotz guter Voraussetzungen. Sie hat Brasilien mit einer großen Krise übergeben, versetzt von idealistischen Lagerkämpfen, Machtausnutzung und Korruption. Irgendwann hat die Mehrheit keine Geduld mehr und versucht alles, um das zu ändern
Nun wenn Sie das Einsperren von Battisti für 4 Jahre in einen brasilianisches Gefängnis als "Hilfe" empfinden, dann haben Sie eine sehr eigenartige Vorstellung von Hilfe. Und wie viele Präsidenten in vielen Ländern hat Lula am Ende seiner Amtszeit halt eine Amnestie gemacht und davon hat Battisti damals profitiert. Sowas gibt es halt auch...
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