Berliner Charité: Missbrauchsverfahren gegen Krankenpfleger eingestellt

Das Missbrauchsverfahren gegen einen Mitarbeiter der Berliner Charité ist eingestellt worden. Er soll 2012 ein 16-jähriges Mädchen, das unter Narkose stand, unsittlich berührt haben. Gegen den Pfleger laufen noch zwei ähnliche Verfahren.

Berlin - Die Ermittlungen gegen einen Krankenpfleger der Berliner Charité wegen mutmaßlichen Missbrauchs einer Jugendlichen sind eingestellt worden. Das Verfahren gegen den 58-Jährigen sei beendet worden, weil die betroffene Jugendliche nicht befragt werden konnte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die 16-Jährige habe sich demnach nicht gemeldet.

Auch der Pfleger habe sich nicht zu dem Fall geäußert. Laut Uni-Klinik ist er bei vollen Bezügen suspendiert. Gegen den 58-Jährigen laufen nach Angaben des Sprechers noch zwei weitere Ermittlungsverfahren wegen ähnlicher Vorwürfe.

Das Berliner Krankenhaus hatte im November 2012 ihren langjährigen Mitarbeiter angezeigt. Dem Krankenpfleger wurde vorgeworfen, das Mädchen in der Kinderrettungsstelle im Virchow-Klinikum während sie unter Narkose stand, unsittlich berührt zu haben. Der angebliche Übergriff soll sich ereignet haben, während die 16-Jährige mit dem Pfleger allein war. Die Jugendliche hatte ihren Eltern von dem angeblichen Vorfall berichtet, diese informierten den zuständigen Arzt.

Die Berliner Staatsanwaltschaft leitete daraufhin Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen ein. Rund einen Monat nach dem angeblichen Vorfall kamen jedoch Zweifel an der Geschichte der Jugendlichen auf. Mehrere Versuche der Polizei, Kontakt mit der 16-Jährigen oder ihrer Familie aufzunehmen, waren gescheitert. Berliner Medien berichteten damals, das Mädchen habe in der Vergangenheit einem Mann unbegründet sexuellen Missbrauch vorgeworfen.

Der Fall hatte für Kritik an dem Berliner Klinikum gesorgt. Die Anzeige der Charité war erst eine Woche nach dem angeblichen Übergriff bei der Berliner Staatsanwaltschaft eingegangen. Das hatte die Ermittlungen erschwert. "Beweismittel wie DNA-Spuren gibt es leider nicht mehr. Darum müssen wir vor allem auf Zeugenaussagen zurückgreifen - etwa die der mutmaßlich Geschädigten", hatte ein Sprecher damals erklärt. Über die angeblichen Vorkommnisse und das Krisenmanagement war damals auch im Berliner Abgeordnetenhaus debattiert worden. Die Charité war für ihre Informationspolitik kritisiert worden, hatte aber alle Vorwürfe von sich gewiesen.

gam/dpa

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