Charleston-Morde Amerika streitet über die Südstaaten-Flagge

Nach dem rassistischen Anschlag auf eine Kirche in South Carolina entbrennt eine Debatte über die alte Fahne der Konföderierten. Viele fordern die Entfernung der Flagge aus dem öffentlichen Raum.

Die Flagge des Konföderierten vor dem Parlamentsgebäude in Columbia: Umstrittenes Symbol
AFP

Die Flagge des Konföderierten vor dem Parlamentsgebäude in Columbia: Umstrittenes Symbol


Am Tag nach den Morden von Charleston hängen die beiden Flaggen über dem Parlament in South Carolinas Hauptstadt Columbia auf Halbmast. Damit soll der neun Toten gedacht werden. Doch ein paar Meter weiter weht eine Flagge unverändert hoch im Wind: Es ist ausgerechnet die Konföderierten-Flagge der US-Südstaaten zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Auch diese Fahne steht auf staatlichem Gelände.

Mit den Morden ist die Debatte über das Symbol nun neu entfacht.

Die Flagge ist seit Jahrzehnten in den USA heftig umstritten. Gegner kritisieren, sie stehe für Sklaverei und Unterdrückung. Anhänger argumentieren, die Flagge stehe für das prächtige Erbe und die Tradition der Südstaaten. Bei Rassisten und Nationalisten ist sie ein beliebtes Symbol, Anhänger des Ku-Klux-Klans benutzten sie.

Der mutmaßliche Neunfachmörder Dylann R. gehört wohl auch zu den Anhängern der Flagge: Sie zierte das Auto, in dem er nach der Tat festgenommen wurde. Fotos zeigen R., wie er eine US-Fahne bespuckt und verbrennt - die Konföderierten-Flagge bleibt unbeschädigt.

Dass die Flagge nun nicht auf Halbmast gesetzt wurde, ist nur ein Kritikpunkt. Die Debatte um den Umgang South Carolinas mit der umstrittenen Flagge geht viel weiter. Denn obwohl sie vor 15 Jahren nach langer Diskussion vom Parlamentsgebäude abgenommen und versetzt wurde, steht sie nach wie vor auf öffentlichem Gelände des Staats. Der Kompromiss aus dem Jahr 2000 stimmte niemanden wirklich zufrieden, die Flagge ist nach wie vor gut sichtbar.

"Es gibt keinen anderen Staat, in dem es so starke Sympathien für die Konföderierten und so viele Hass-Organisationen gibt und in dem die Flagge so stark öffentlich in Erscheinung tritt", erklärt Heidi Beirich in einem Bericht des "Guardian". Sie arbeitet beim Southern Poverty Law Center, das sogenannte Hass-Gruppen und radikale Organisationen beobachtet.

Nun soll die Flagge endlich ganz verschwinden. Dafür will unter anderem ein Abgeordneter der Republikaner sorgen. Er wolle Ende des Jahres einen Gesetzentwurf vorlegen, kündigte Norman "Doug" Brannon auf MSNBC an. Die Flagge sei kontrovers und verletze die Gefühle vieler. Das Thema könnte es auch in den Wahlkampf schaffen: Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, Lindsey Graham, sprach sich für eine Debatte aus - wollte sich jedoch im "Guardian" nicht positionieren.

Während die Diskussion um die Flagge in vollem Gange ist, will die US-Waffenlobby eine Debatte über schärfere Waffengesetze im Keim ersticken. Für ein leitendes Mitglied der "National Rifle Association" (NRA) steht der Schuldige bereits fest: Charles L. Cotton schiebt dem Pastor der Gemeinde in Charleston die Verantwortung für den Tod der Menschen zu, weil dieser sich gegen das verdeckte Tragen von Waffen ausgesprochen haben soll.

"Acht seiner Kirchenmitglieder sind tot, und sie könnten noch am Leben sein, wenn er ihnen ausdrücklich erlaubt hätte, Handfeuerwaffen in der Kirche zu tragen. Unschuldige Menschen starben wegen seiner politischen Position", schrieb das NRA-Mitglied in einem Forum. Die Diskussion wurde inzwischen gelöscht. In der "Washington Post" sagte Cotton später, er habe die Äußerungen als Privatperson getätigt - nicht im Namen der NRA.

brk



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