Bluttat in Kirche Polizei nimmt mutmaßlichen Schützen von Charleston fest

Die US-Polizei hat den flüchtigen Dylann R. gefasst: Der 21-Jährige soll in einer afroamerikanischen Kirche in Charleston neun Menschen erschossen haben - aus rassistischen Motiven.

Fahndungsfoto der Polizei nach tödlichen Schüssen in Kirche: Verdächtiger Dylann R.
AP/ Charleston Police Department

Fahndungsfoto der Polizei nach tödlichen Schüssen in Kirche: Verdächtiger Dylann R.


Nach der Bluttat in einer afroamerikanischen Kirchengemeinde in Charleston haben die Ermittler einen Verdächtigen festgenommen: Dylann R., 21, weiß, aus Columbia im US-Bundesstaat South Carolina. Der junge Mann war vom Tatort geflohen, die Polizei hatte mit einer Großfahndung nach ihm gesucht. Den Behörden zufolge hat er aus rassistischen Motiven das Feuer auf die Gläubigen eröffnet.

In der hauptsächlich von Schwarzen besuchten Kirche wurden sechs Frauen und drei Männer getötet. Den Ermittlungen zufolge hatte R. vor der Tat rund eine Stunde lang mit den Kirchenbesuchern in Charleston zusammengesessen. Gefasst wurde er laut Polizei nun bei einer Verkehrskontrolle in der Kleinstadt Shelby im nördlichen Nachbarstaat North Carolina, mehr als 300 Kilometer vom Tatort entfernt.

Auf Überwachungsbildern der Kirche ist der mutmaßliche Schütze zu sehen. Der jungenhaft wirkende Verdächtige ist schmächtig, er trägt einen grauen Pullover, seine dunkelblonden Haare sind zu einem Pottschnitt frisiert.

"Es ist unfassbar"

Die Polizei veröffentlichte zudem ein Fahndungsfoto des Verdächtigen und seines Fluchtwagens. Das Zuhause des 21-Jährigen wurde durchsucht. Bislang deute alles darauf hin, dass er allein gehandelt habe, sagte Polizeichef Gregory Mullen. Nach seiner Einschätzung ist das Motiv des Mannes Hass. "Es ist unfassbar, dass jemand in unserer heutigen Gesellschaft in eine Kirche geht, wenn Menschen sich zum Beten treffen, und ihnen das Leben nimmt."

Ein Onkel des mutmaßlichen Schützen erkannte seinen Neffen eigenen Angaben zufolge auf den Fahndungsfotos. Der 56-Jährige sagte, vermutlich habe R.s Vater dem Verdächtigen die Waffe zum Geburtstag geschenkt. Laut Gerichtsdokumenten wurde der 21-Jährige in diesem Jahr bereits zweimal festgenommen - wegen eines Drogendelikts und wegen Hausfriedensbruchs.

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Schüsse in Kirche: Entsetzen in Charleston
Offenbar ließ der Täter eine Frau bewusst am Leben, damit diese als Augenzeugin über die Tat berichten könne. Das habe die Frau ihren Angehörigen erzählt, sagte die örtliche Vorsitzende der afroamerikanischen Organisation NAACP dem Sender CNN. Der Schütze habe demnach gesagt: "Ich muss das tun. Ihr vergewaltigt unsere Frauen, und ihr übernehmt unser Land."

"Besondere Bedrohungen für unsere Demokratie"

Unter den Todesopfern ist auch der Pastor der Gemeinde, Clementa Pinckney. Die Gemeindemitglieder standen unter Schock. Die Emanuel African Methodist Episcopal Church ist eine der ältesten und größten schwarzen Gemeinden in der Region um die Südstaatenmetropole Charleston. Ihre Wurzeln reichen bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück. Zu ihren Gründern gehört ein ehemaliger Sklave, der wegen eines Aufstandes später hingerichtet wurde.

Die republikanische Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, sagte, das Verbrechen vom Mittwochabend habe "das Herz und die Seele" ihres Bundesstaates gebrochen. "Das ist ein sehr, sehr trauriger Tag für South Carolina", sagte sie mit Tränen in den Augen.

"Taten wie diese haben keinen Platz in einer zivilisierten Gesellschaft", erklärte Justizministerin Loretta Lynch. Auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich zutiefst bestürzt. "Es ist besonders herzzerreißend, wenn der Tod an einem Ort passiert, in dem wir Trost suchen, in dem wir Frieden suchen." sowie Hass gegen Andersgläubige stellten eine "besondere Bedrohungen für unsere Demokratie und unsere Ideale" dar, sagte Obama.

Er forderte eine Verschärfung der Waffenrechts und beklagte, dass solche Taten in den USA viel regelmäßiger vorkämen als in anderen zivilisierten Staaten. "Ich musste solche Statements viel zu häufig abgeben", sagte Obama. Es sei wieder einmal der Fall gewesen, dass der mutmaßliche Täter es zu leicht gehabt habe, an eine Schusswaffe zu kommen.

wit/Reuters/AP/AFP



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