Vorwürfe sexueller Belästigung US-Sender CBS feuert TV-Legende Charlie Rose

Charlie Rose galt als Inbegriff des seriösen TV-Journalismus. Jetzt hat der Sender CBS den 75-Jährigen gefeuert. Er soll mehrere Frauen sexuell belästigt haben.

Charlie Rose
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Charlie Rose


CBS News hat auf die Vorwürfe gegen TV-Moderator Charlie Rose reagiert. Der US-Sender hat sich von dem Moderator getrennt, nachdem der 75-Jährige zunächst suspendiert worden war. Acht Frauen hatten Rose vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben. Er soll die Frauen mehrfach begrapscht und vor einigen nackt posiert haben.

Der CBS-News-Präsident David Rhodes sagte zur Begründung für die Entlassung, es gebe nichts Wichtigeres, als einen sicheren und professionellen Arbeitsplatz für die Angestellte zu gewährleisten.

Rose moderierte politische Talkshows und gilt als eines der bekanntesten TV-Gesichter Amerikas: Er interviewte unter anderem Baschar al-Assad, die Obamas, Wladimir Putin, aber auch Christoph Waltz, Quentin Tarantino, Tom Hanks und Leonardo DiCaprio.

Die Vorwürfe, die die "Washington Post" zuerst veröffentlicht hatte, wurden allesamt von Frauen erhoben, die Teil seiner Late-Night-Show waren. Rose war zudem Co-Moderator der CBS-"Morning Show".

Schritt war nötig, um Glaubwürdigkeit des Senders zu wahren

Es würde jetzt oft als Entschuldigung für Verhalten wie das von Rose angeführt, dass die Zeiten früher anders gewesen seien, sagte Sender-Chef Rhodes und führte fort: "Niemand wird in der Lage sein, die Vergangenheit ungeschehen zu machen. Aber was einmal akzeptiert worden ist, sollte niemals akzeptabel sein."

Rhodes wies darauf hin, dass CBS in den vergangenen zwei Jahren viel über sexuelles Fehlverhalten in anderen Medienhäusern berichtet hatte. Um die Glaubwürdigkeit seines Senders wahren zu können, sei dieser konsequente Schritt nötig gewesen.

Rose ist ein weiterer in einer ganzen Reihe sehr prominenter Männer, die wegen möglicher sexueller Übergriffe in Verruf geraten sind. Zuletzt waren Vorwürfe gegen den demokratischen Senator und früheren Entertainer Al Franken sowie gegen den republikanischen Senatskandidaten in Alabama, Roy Moore, laut geworden. Seit die "New York Times" über den Fall Harvey Weinstein berichtet hatte, gab es eine Flut von Anschuldigungen gegen Männer in allen möglichen Branchen. Auch die Fernsehmacher Roger Ailes und Bill O'Reilly von Fox News hatten ihre Jobs nach Vorwürfen verloren.

Rose hatte nach den Vorwürfen ein Fehlverhalten eingestanden. "Ich habe mich zeitweise taktlos verhalten und übernehme dafür die Verantwortung." Er glaube jedoch nicht, dass alle Vorwürfe korrekt seien. Er verstehe aber den "Schmerz", den betroffene Frauen empfunden hätten und empfinde deshalb vor Frauen einen "neuen Respekt" - eine Äußerung, für die er bereits scharf kritisiert wurde.

bam

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insgesamt 6 Beiträge
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Indigo76 21.11.2017
1.
Irgenwo vermisse ich ein in zivilisierten Ländern gängiges Rechtsprinzip: unschuldig bis zum Beweis der Schuld. Bitte nicht missverstehen - wenn dieser Mann schuldig ist, das getan zu haben, was ihm vorgeworfen wird, dann ist seine Kündigung noch das beste, das ihm geschehen sollte. Aber in der letzten Zeit reicht scheinbar ein Vorwurf, um alle ausrasten zu lassen. Ein Arbeitgeber sollte bei Anschuldigungen zu seinem Mitarbeiter stehen. Und zwar egal, ob Mann oder Frau. Er hat die Schuld nicht zu entscheiden. Dafür gibt es Gerichte.
molli55 21.11.2017
2. unglaublich
was für ein Dreck gerade hochkommt...und es ist sicher nur der Anfang. bin Mal gespannt, wann der erste deutsche Promi dran ist!
held_der_arbeit! 21.11.2017
3. Jahrzehntelange Karrieren
Mit einer einzigen Anschuldigung zerstört. Ob Nobelpreisträger, Schauspieler oder Journalist, egal. Nun will ich nicht sagen, dass die Taten, so sie denn überhaupt stattgefunden haben in Ordnung waren, aber die Geschwindigkeit mit der grade am Fließband Lebenswerke zerschmettert werden ohne das es je einen Prozess oder auch nur eine Untersuchung gab finde ich verdammt bedenklich... Es ist gut das wir nicht mehr in einer Kultur Leben in denen Mißbrauchsopfern per se nicht geglaubt wird, aber mittlerweile scheint das Pendel so weit umgeschlagen das wir an einem Punkt sind, wo Anklage und Verurteilung dasselbe sind. Bezeichnend fand ich den Fall von Lena Dunham, deren befreundeter Regisseur offenbar Opfer einer falschen Anschuldigung ist. Das musste sie sogar als Extrem-Feministin zugeben, da die Situation wohl eindeutig ist. Dennoch ruderte Sie wenig später zurück und sagte sinngemäß als Feministin sei es ihre Pflicht(!) immer(!) der Frau zu glauben. Was ist denn das für ein Rechtsverständnis...
GünterLichtner 22.11.2017
4. Der letzte, der geht, macht das Licht aus
Ich frage mich, wieviele kulturschaffende Männer in nächster Zeit noch "gefeuert" werden. Jetzt lesen wir ja fast täglich davon. Irgendwann, so könnte es scheinen, ist der Saal leer und das Licht aus. Oder ist das vielleicht ein - als solcher nicht deklarierter - Weg zur Durchsetzung einer Geschlechter-Quote?
zeloft 22.11.2017
5. wie kommen
60- bis 70-jährige Männer auf die Idee, ihr nackter Körper würde 20- bis 30-jährige Frauen erregen? Ist das ein amerikanischer Brauch oder auch bei uns anzutreffen? Geschieht das nur in wärmeren Regionen oder hat diese Verhalten einen spezifischen kulturellen Bezug?
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