Fall Mirco Handy-Daten führten laut Chefermittler zum Mörder

Das Verschwinden von Mirco aus Grefrath bewegte monatelang viele Menschen in Deutschland. Nun hat der Chefermittler ein Buch über den Fall geschrieben: Demnach haben die Handy-Daten den Mörder verraten. Diese Erkenntnis könnte sich auf die Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung auswirken.

Ermittler Thiel: "Spur eines Handys, das sich genau an die Route des Entführers schmiegt"
DPA

Ermittler Thiel: "Spur eines Handys, das sich genau an die Route des Entführers schmiegt"


Grefrath - Die Handy-Daten des Täters sollen zum Durchbruch im Fall Mirco geführt haben. Das berichtet der Chefermittler in dem Fall, Ingo Thiel, in einem Buch, das am kommenden Montag erscheint. Ein Abgleich der rekonstruierten Fahrtroute des Kindermörders mit den zur Tatzeit an den Funkmasten eingeloggten Handys habe die Ermittler zum inzwischen rechtskräftig verurteilten Täter geführt, heißt es darin laut der Nachrichtenagentur dpa.

240.000 Mobilfunkdaten hätten die Fahnder dafür ausgewertet, bis sie nach 133 Tagen fündig geworden seien: "Die Spur eines Handys, das sich genau an die Route des Entführers schmiegt." Dessen Auto, ein VW Passat, habe die Ermittler auf die Spur des Täters gebracht, hatte es während der Ermittlungen geheißen. Später hatten auch DNA- und Faserspuren den Verdacht bestätigt. Der Mörder hatte die Tat schließlich gestanden und die Ermittler zur Leiche geführt.

Die Schilderung in dem Buch ist politisch brisant, weil das Bundesverfassungsgericht das Gesetz zur Speicherung dieser Daten ein halbes Jahr vor dem Verschwinden des zehnjährigen Jungen für verfassungswidrig erklärt hatte. Seitdem ist die Vorratsdatenspeicherung politisch blockiert, obwohl die Verfassungsrichter keine grundsätzlichen Bedenken haben. Die Telekom löscht die Daten seither deutlich schneller.

Ein Telekom-Sprecher erklärte am Donnerstag, die Datenanfrage der Polizei sei noch vor Ablauf der 30-Tage-Frist erfolgt, bis zu der die Funkmast-Daten damals zu Rechnungszwecken legal gespeichert worden seien. Vor dem Einfrieren der sogenannten Vorratsdatenspeicherung seien die Daten noch 180 Tage lang gespeichert worden. Inzwischen seien es aber nur noch sieben Tage.

Die Datenauswertung sei völlig legal gewesen, betonte ein Polizeisprecher. Durch die Blockade der Vorratsdatenspeicherung sei es aber mehr oder minder Glücksache, ob die Ermittler noch Daten erhalten.

Von Mircos Handy hatten die Ermittler gar keine Funkmastdaten erhalten. Er hatte einen Vertrag bei einer anderen Mobilfunkgesellschaft. Bei einem Abgleich des Bewegungsprofils seines Handys wären die Ermittler vermutlich deutlich schneller auf die Spur des Täters gekommen. Ermittler hatten immer wieder auf die Notwendigkeit dieser Daten hingewiesen.

wit/dpa

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