Tötungsdelikt in Chemnitz Gericht erlässt Haftbefehl gegen zwei Tatverdächtige

Zwei junge Männer sind dringend tatverdächtig, einen 35-Jährigen in Chemnitz getötet zu haben. Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen. Unterdessen werden erste Informationen zu dem Opfer bekannt.

Tatort in Chemnitz
DPA

Tatort in Chemnitz


Einen Tag nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in Chemnitz hat das Amtsgericht in der sächsischen Stadt zwei Haftbefehle erlassen. Ein 23 Jahre alter Mann aus Syrien und ein 22-Jähriger Iraker seien dringend tatverdächtig, teilte die Staatsanwaltschaft Chemnitz mit.

Den Männern wird gemeinschaftlicher Totschlag vorgeworfen. Sie sollen am frühen Sonntagmorgen nach einer vorangegangenen verbalen Auseinandersetzung in der Innenstadt mehrfach auf einen 35-jährigen Mann eingestochen haben. Das Opfer starb kurz darauf im Krankenhaus. Zwei weitere Männer wurden schwer verletzt.

Die Ermittlungen zum Tatmotiv, zum genauen Ablauf der Tat und zur Tatwaffe dauern an, hieß es.

Bei dem getöteten 35-jährigen Daniel H. handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen um einen Deutschen mit kubanischen Wurzeln. Ansonsten ist über ihn bisher wenig bekannt. Laut seinem Facebook-Profil war H. ausgebildeter Tischler. Sein ehemaliger Ausbildungsbetrieb hatte sich in dem sozialen Netzwerk bestürzt über den Tod des Mannes geäußert.

Große Anteilnahme bei Facebook

Politisch stand er seinem Profil zufolge eher dem linken Spektrum nahe. H. hatte Seiten der Partei "Die Linke" und verschiedener Antifa-Gruppierungen mit "gefällt mir" markiert, erinnerte sich in einem Kommentar an seine erste Punkrock-CD oder äußerte sich positiv zur Anti-Nazi-Modemarke "Storch Heinar". Zu einem Post über "Nazis-einen-Vogel-zeigen"-Shirts schrieb er: "Ich hätte auch gern eins,… in Chemnitz gibt's noch zu viele von den Spinnern."

Die Anteilnahme an H.s Tod auf Facebook ist groß. Zahlreiche seiner Freunde und Bekannte bekunden in Kommentaren ihre Trauer, manche haben ihr Profilbild in ein Foto mit zwei Kerzen geändert.

Die Demonstrationen und Ausschreitungen werden von seinen Facebook-Freunden ganz unterschiedlich aufgenommen. So ruft etwa ein Freund zur Teilnahme auf und spricht davon, Chemnitz "aufräumen" zu wollen. Ein anderer wiederum schreibt: "Daniel wäre entsetzt, wenn er wüsste, wer da alles versucht, seinen Tod zu instrumentalisieren."

Am Sonntag war es nach H.s Tod in Chemnitz zu Ausschreitungen gekommen. Rund 800 Rechtsextreme marschierten durch die Stadt und skandierten Parolen. Die Polizei wirkte überfordert. Auf Videos ist zu sehen, wie ausländisch aussehende Menschen von Personen aus der Masse heraus attackiert werden. (Einen Überblick zu dem Fall lesen Sie hier.)

Die Bundesregierung verurteilte die Hetzjagden scharf. Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer nannte es "widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen".

Für den Abend sind in Chemnitz erneut Demonstrationen angekündigt. Die sächsische Polizei bereitet sich nach eigener Aussage "auf Hochtouren" darauf vor.

bbr/sep/dpa/AFP



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