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08. Oktober 2016, 16:27 Uhr

Drei Festnahmen in Chemnitz

Polizei findet "hochbrisanten" Sprengstoff  

Auf der Suche nach einem mutmaßlichen Sprengstoffattentäter hat die Polizei in Chemnitz drei Personen festgenommen. Die Beamten fanden explosives Material, das weit gefährlicher war als TNT. Es musste in einer Grube gesprengt werden.

Das Landeskriminalamt in Sachsen sucht nach einem mutmaßlichen Sprengstoff-Attentäter. Jetzt haben Polizeibeamte am Hauptbahnhof Chemnitz und in der zentral gelegenen Mozartstraße drei Personen festgenommen, die mutmaßlich Kontakte zu dem gesuchten 22-jährigen Syrer Jaber Albakr hatten. "Diese Personen werden derzeit vernommen", sagte LKA-Sprecher Tom Bernhard SPIEGEL ONLINE.

Der Gesuchte selbst sei nicht unter den Festgenommenen. Rund um den Hauptbahnhof kam es zu Sperrungen. Ein Spezialroboter untersuchte auf einem Gleis einen roten Koffer, den die Festgenommenen bei sich hatten.

Am Sonnabend hatte die Polizei in der Plattenbausiedlung Fritz Heckert in Chemnitz eine Wohnung gestürmt, in der sie den tatverdächtigen Jaber Albakr vermutete. Dem 22-jährigen Syrer wird vorgeworfen, einen Sprengstoffanschlag geplant zu haben. Die Beamten sprengten die Eingangstür, fanden den Gesuchten aber nicht in der Wohnung vor. Jetzt läuft die Fahndung nach dem Flüchtigen.

In der Wohnung fanden die Polizisten mehrere Hundert Gramm "hochbrisanten Sprengstoffs", der anschließend von der Polizei entschärft und vernichtet wurde. Das hochexplosive Material wurde in einer eigens dafür ausgehobenen Erdgrube von Spezialisten gesprengt und verbrannt. Laut Polizei war eine heftige Druckwelle noch in größerer Entfernung zu spüren. "Es gab keine Verletzten und keine Schäden", sagte ein Sprecher des LKA.

Anwohner waren bereits im Vorfeld des Einsatzes in Sicherheit gebracht worden. Am Samstagabend wurden weitere sechs Wohnungen evakuiert. Seit dem Morgen hatten bereits etwa 80 Personen ihr Zuhause verlassen müssen. Die meisten kamen bei Freunden und Verwandten unter, einige im Hotel.

Beamte hoben am Abend mehrere Löcher an dem Haus aus, in denen der Sprengstoff kontrolliert vernichtet werden sollte. Dabei handelt es sich laut LKA um ein Gemisch verschiedener Substanzen, gefährlicher als der bekannte TNT.

Hier informiert LKA-Sprecher Bernhard über die drei Festnahmen:

Der Verfassungsschutz hatte die Polizei auf die Spur des Syrers gebracht. Medienberichte, wonach Jaber Albakr geplant habe, einen Sprengstoffanschlag auf einem Flughafen zu verüben, bestätigte das LKA nicht. Informationen zu konkreten Anschlagsvorbereitungen lägen bisher nicht vor.

Auf besorgte Nachfragen von Bürgern antwortete die Polizei Sachsen, dass nicht klar sei, ob der flüchtige Jaber Albakr Sprengstoff oder Waffen bei sich trage. Sie mahnte via Twitter zur Vorsicht.

Nach dem Terroralarm in Chemnitz wurden die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen Berlin-Schönefeld erhöht. Man habe die Einsatzkräfte dort verstärkt, sagte ein Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums. Ein Einsatzzug der Bereitschaftspolizei bestehend aus 30 Beamten führe am Terminal Sichtkontrollen durch, Autos und Busse würden angehalten und kontrolliert, ob sich der gesuchte 22-jährige syrische Verdächtige aus Chemnitz darin befinde.

Busse fahren laut Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe nicht mehr bis zum Terminal. Der Flugbetrieb sei aber nicht eingeschränkt, sagte ein Flughafensprecher.

Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, betonte Herbst. Es gebe keinen konkreten Hinweis, dass der Mann in Schönefeld sei. Auch der Lagedienst im Potsdamer Innenministerium sprach von "präventiven Maßnahmen".

ala/dpa

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