Chicago: Unbekannter erschießt sechs Monate altes Baby

Der gewaltsame Tod der kleinen Jonylah Watkins sorgt in den USA für Empörung. Das sechs Monate alte Mädchen wurde erschossen, als ihr Vater ihr auf einer Straße von Chicago die Windeln wechselte. Die Mutter war schon in der Schwangerschaft angeschossen worden.

Gewalt in Chicago: Baby am helllichten Tag auf Straße erschossen Fotos
AFP

Chicago - "Stoppt die Gewalt!" ist auf einem Handzettel zu lesen, der zurzeit in der US-Metropole Chicago kursiert. Hintergrund ist der skandalöse Tod der kleinen Jonylah Watkins. Das sechs Monate alte Mädchen wurde gerade von ihrem Vater in einem Minivan gewickelt, als ein Unbekannter das Feuer eröffnete. Jonylah wurde mehrfach getroffen und starb am Dienstag in einem Kinderkrankenhaus. Ihr Vater erlitt schwere Verletzungen, sein Zustand ist inzwischen stabil.

"Ich habe versucht zu helfen", wiederholte der vollkommen verstörte Mann laut CNN immer wieder gegenüber einem Reporter. "Dann haben sie mir gesagt, dass sie es nicht geschafft hat."

Der Schütze habe "auf den Vater geschossen, und nur auf den Vater", sagte Superintendent Garry McCarthy von der Polizei Chicago. Die Ermittler suchen nach dem Täter, der in einem blauen Van flüchtete. Sie haben jedoch bisher keine Anhaltspunkte, weil offenbar niemand bereit ist, auszusagen. "Wir haben keine Zeugen, die kooperieren", so McCarthy.

Es war nicht das erste Mal, dass die Familie mit Gewalt konfrontiert wurde. Lokalzeitungen berichteten, dass die 20-jährige Mutter des kleinen Mädchens bereits während ihrer Schwangerschaft angeschossen wurde. Vor etwa einem Jahr sei sie am Bein verletzt worden. Das Elternpaar hatte erst vor einigen Wochen geheiratet.

Eine Anwohnerin sagte dem Sender NBC Chicago: "Es gibt ständig Schießereien und Verbrechen in der Nachbarschaft, überall wird mit Drogen gehandelt … es ist herzzerreißend."

Jonylahs Tod ist nur ein vorläufiger Schlusspunkt in einer nicht abreißenden Serie von Gewalt in Chicago. 2012 wurden hier 513 Menschen getötet, eine Steigerung von 15 Prozent zum Vorjahr. Im laufenden Jahr sind bereits 60 Morde und 250 Schießereien aktenkundig.

Erst im Januar hatte der Tod der 15-jährigen Hadiya Pendleton für Aufruhr gesorgt. Sie starb, als ein Bewaffneter auf der South Side das Feuer auf eine Gruppe von Jugendlichen eröffnete. Nur wenige Tage zuvor hatte Pendleton einen Auftritt bei einer Veranstaltung zum Amtsantritt von Präsident Barack Obama gehabt. Der hatte erst im Februar seine langjährige Heimatstadt besucht und die "sinnlose" Waffengewalt angeprangert.

ala

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite