NS-Sabotagepläne Chile gibt Geheimakten über Nazi-Spione frei

Jahrelang waren deutsche Nationalsozialisten in Südamerika aktiv. Dann flogen mehrere Spionageringe auf - womöglich gerade noch rechtzeitig, wie aus jetzt veröffentlichen Geheimakten hervorgeht.

Polizei-Geheimakten im Nationalarchiv in Santiago de Chile
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Polizei-Geheimakten im Nationalarchiv in Santiago de Chile


Chilenische Sicherheitsbehörden haben im Zweiten Weltkrieg unter anderem die Zerstörung des Panama-Kanals durch deutsche Spione verhindert. Das geht aus Geheimakten hervor, die nun die Polizei in dem südamerikanischen Land freigegeben hat.

Demnach sprengten Ermittler zwischen 1943 und 1944 zwei deutsche Spionageringe, die seit dem Ende der Dreißigerjahre vor allem im Süden Chiles aktiv gewesen sein sollen. Insgesamt seien damals 20 Nazis festgenommen worden, sagte der chilenische Polizeichef Héctor Espinosa. Die Organisation sei bis in andere lateinamerikanische Länder verzweigt gewesen. Die Festnahmen hätten schwere Sabotageakte verhindert, sagte Espinosa.

So hörten die Spione demnach etwa den Funkverkehr der chilenischen Kriegsmarine ab und beobachteten den Schiffsverkehr in der Magellanstraße. Unter anderem beschlagnahmten die Behörden damals 174.000 Dollar - das entspräche heute umgerechnet etwa 2,2 Millionen Euro. Die zehn Hefte mit der Ermittlungsdokumentation wurden dem National-Archiv überreicht und digitalisiert veröffentlicht.

Erst vor wenigen Tagen hatten Nazi-Funde in Südamerika weltweites Aufsehen erregt. Im Norden der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires fanden Ermittler eine große Sammlung offenbar authentischer NS-Relikte bei einem Antiquitätenhändler. Die Stücke waren anscheinend im Deutschen Reich hergestellt worden, von einem während des Nationalsozialismus bekannten Waffenunternehmen aus Solingen im Rheinland.

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Die meisten Objekte soll das auf Militärmesser spezialisierte Unternehmen Carl Eickhorn produziert haben, das im Nationalsozialismus unter anderem Blankwaffen für SA und SS lieferte. Er könne nicht ausschließen, dass es sich um Sonderanfertigungen für Nazi-Größen handele, sagte der heutige Eickhorn-Betriebsleiter Martin Bardelle. Es habe wohl auch Sonderanfertigungen für Adolf Hitler gegeben. Unklar ist bislang, wie und wann die Relikte nach Argentinien kamen.

mxw/dpa



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