Razzia bei der Kirche in Chile 14 Priester sollen Kinder missbraucht haben

Wegen des Missbrauchsskandals wurden Archive der katholischen Kirche in Chile durchsucht - laut Staatsanwaltschaft ein "Meilenstein". Zeitgleich haben zwei Sonderermittler des Papstes ihre Arbeit aufgenommen.

Chilenische Polizisten bei der Razzia
REUTERS

Chilenische Polizisten bei der Razzia


Die chilenische Polizei hat wegen Vorwürfen des Kindesmissbrauchs Archive der katholischen Kirche durchsucht. Staatsanwalt Emiliano Arias bestätigte zwei Razzien in Santiago und Rancagua. Er sprach von einem "Meilenstein", da zivile Behörden bislang nicht gegen Kirchenvertreter vorgegangen seien.

Ermittelt werde im Zusammenhang mit Berichten über sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Kirchenvertreter. In der betroffenen Region stehen 14 Priester unter Verdach. Die Razzien erfolgten zeitgleich mit einem Besuch zweier Sonderermittler des Papstes in Chile.

Die Männer waren am Dienstag in Santiago eingetroffen. Es handelt sich um den maltesischen Erzbischof Charles Scicluna und den Papstgesandten Jordi Bertomeu. Sie wollen Missbrauchsopfer befragen und die chilenischen Diözesen im Umgang mit neuen Missbrauchsklagen anleiten. "Wir sind gekommen, weil wir um Vergebung zu bitten wollen", sagte Bertomeu bei der Ankunft.

Vatikan-Ermittler Charles Scicluna und Priester Jordi Bertomeu in Chile
REUTERS

Vatikan-Ermittler Charles Scicluna und Priester Jordi Bertomeu in Chile

Seit dem Jahr 2000 wurden den chilenischen Behörden rund 80 katholische Priester wegen mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs gemeldet. Zahlreichen ranghohen Vertretern der katholischen Kirche wird zudem vorgeworfen, den Kindesmissbrauch durch den ehemaligen Priesterausbilder Fernando Karadima in den Achtziger- und Neunzigerjahren ignoriert oder vertuscht zu haben. Darunter ist auch der ehemalige Bischof Juan Barros, dessen Rücktritt Papst Franziskus Anfang der Woche angenommen hatte.

Der Papst hatte Barros 2015 trotz der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zum Bischof von Osorno ernannt. Anfang des Jahres nahm er den 61-jährigen Barros außerdem bei einem Chile-Besuch öffentlich in Schutz. Davon rückte er später wieder ab.

Im April räumte der Papst "schwere Fehler" im Umgang mit dem Missbrauchsskandal ein. Er äußerte Mit Blick auf das Leiden der Missbrauchsopfer äußerte er "Scham" und "Schmerz".

Video: Katholische Kirche unter - Missbrauchsskandal

SPIEGEL TV

jpz/AFP/AP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.