Nach Hinrichtung eines Unschuldigen China verhängt in Mordfall erneut Todesstrafe

Ein Gericht in China hat einen 42-Jährigen zum Tod verurteilt, weil er 1996 eine Textilarbeiterin vergewaltigt und getötet haben soll. Für dasselbe Verbrechen war bereits ein vermeintlicher Täter hingerichtet worden - zu Unrecht.


Peking - Fast zwei Jahrzehnte nach der Hinrichtung eines Unschuldigen ist in China der eigentliche Täter zum Tode verurteilt wurde. Ein Gericht in Hohhot in der Inneren Mongolei sprach den 42-jährigen Zhao Zhihong wegen der Vergewaltigung und Erdrosselung einer jungen Frau im Jahr 1996 schuldig. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Kurz nach der Ermordung der Arbeiterin in der Toilette einer Textilfabrik war der 18-jährige Hugjiltu festgenommen worden. Nach einem 48-stündigen Verhör räumte er die Tat ein, knapp zwei Monate später wurde er hingerichtet. Hugjiltus Eltern protestierten von Beginn an gegen die Verurteilung und Hinrichtung ihres Sohnes.

Dass es sich um einen dramatischen Justizirrtum handelte, räumten die Behörden erst kürzlich offiziell ein. Das Gericht in Hohhot sprach Hugjiltu im Dezember posthum von allen Vorwürfen frei. Seinen Eltern wurde eine Entschädigung von umgerechnet 265.000 Euro zugesagt.

Es ist einer der seltenen Fälle, in denen die von der Kommunistischen Partei kontrollierten Gerichte in China Fehler eingestehen. Die Justiz reagierte allerdings erst nach langem Zögern, obwohl der nun Verurteilte die Tat bereits vor zehn Jahren gestanden hatte.

Zhao Zhihong war 2005 verhaftet worden. Er gab an, mehr als ein Dutzend Frauen vergewaltigt und ermordet zu haben, darunter auch die Textilarbeiterin. Als ihm ein Jahr später der Prozess gemacht wurde, blieb ihr Fall jedoch unberücksichtigt.

In China gibt es nur selten Freisprüche, im Jahr 2013 wurden fast hundert Prozent der Angeklagten verurteilt. Falsche, erzwungene Geständnisse sind an der Tagesordnung. Das Land richtet zudem mehr Menschen hin als alle anderen Staaten zusammen, auch wenn die Zahl insgesamt zurückgeht. Nach Angaben der in den USA ansässigen Menschenrechtsgruppe Dui Hua wurden 2013 in der Volksrepublik etwa 2400 Menschen hingerichtet.

wit/AFP



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