Chronologie Die Flucht der Aachener Ausbrecher

Von Aachen mit dem Taxi nach Köln, mit einer Geisel weiter nach Essen, eine erneute Geiselnahme, am Sonntagvormittag wird Schwerverbrecher Michael Heckhoff gefasst - SPIEGEL ONLINE zeichnet die Flucht von ihm und seinem Komplizen Peter Paul Michalski nach.

AP/ Polizei Aachen

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+++ Der Ausbruch - Aachen - Donnerstag, 26. November - zwischen 19.30 und 20.30 Uhr +++

Den beiden Schwerverbrechern gelingt die Flucht aus dem Hochsicherheitstrakt der Aachener Justizvollzugsanstalt. Der wegen Mordes verurteilte Peter Paul Michalski, 46, und der wegen Mordversuchs und Geiselnahme inhaftierte Michael Heckhoff, 50, überwinden auf dem Weg zur Gefängnispforte fünf verschlossene Türen. Wie ihnen das gelingt, bleibt zunächst unklar. An der Außenschleuse des Gefängnisses überwältigen sie einen Wachmann, der gerade von einer Kontrollfahrt zurückkommt. Sie fesseln den Mann mit Handschellen und knebeln ihn.

Mit zwei Pistolen und je acht Schuss Munition entkommen sie per Taxi in Richtung Köln. Die Polizei errichtet Straßensperren, Hubschrauber sind im Einsatz. "Wir haben einen riesigen Apparat in Gang gesetzt, aber leider bislang keine konkreten Hinweise auf den Aufenthaltsort", sagt Karl Völkel, Sprecher der Polizei in Aachen.

+++ Erste Geiselnahme - Kerpen und Köln - Donnerstag, 26. November - zwischen 20.30 und 22.30 Uhr +++

Die flüchtigen Verbrecher lassen sich nach Kerpen-Buir chauffieren, es liegt etwa 50 Kilometer von Aachen entfernt. In Kerpen zwingen sie einen weiteren Taxifahrer, sie nach Köln zu fahren. Den Fahrer des ersten Taxis nehmen sie als Geisel. In Köln lassen sie beide Fahrer in der Nähe des Hauptbahnhofs frei, es ist 22.19 Uhr. Michalski und Heckhoff verschwinden zu Fuß in Richtung Innenstadt. Ihre Spur verliert sich.

+++ Großangelegte Fahndung - Köln - Nacht von Donnerstag, 26. November, auf Freitag, 27. November +++

Die Polizei fahndet mit einer Spezialeinheit. Die Kölner Innenstadt wird teilweise abgesperrt, Fahrzeuge im gesamten Stadtgebiet werden kontrolliert. Die Bundespolizei verstärkt die Überwachung der Bahnhöfe und des Flughafens. Hubschrauber kreisen über den Dächern der Stadt. "Die Großfahndung läuft bis ins benachbarte Ausland auf Hochtouren", sagt eine Sprecherin der Polizei Aachen. Die Bevölkerung wird gewarnt: Die flüchtigen Verbrecher seien bei Taten in der Vergangenheit immer "äußerst brutal und rücksichtslos" vorgegangen. "Es handelt sich um hochgefährliche Männer, die im Zweifelsfall gewaltbereit, gewalttätig und bewaffnet sind", betont Klaus Oelze, Polizeipräsident von Aachen.

+++ Zweite Geiselnahme - Essen - Freitag, 27. November - am Morgen +++

Die beiden Schwerverbrecher zwingen eine 19-jährige Schülerin in Köln, sie nach Essen zu fahren. An einer Brücke im Ortsteil Kettwig bleibt der Wagen liegen - das Benzin ist alle. Zu Fuß flüchten die beiden weiter, lassen ihre Geisel unverletzt zurück. Ihr zufolge haben die beiden Gangster ihr Aussehen verändert. Demnach hat Heckhoff offenbar seinen Schnurrbart abgenommen, mit dem ihn Fahndungsbilder zeigen. Und beide Männer sollen ähnliche graue Regenmäntel getragen haben. Ihre Spur verliert sich erneut. Die Polizei setzt Hubschrauber mit Wärmebildkameras ein.

+++ Festnahme eines möglichen Fluchthelfers - Aachen - Freitag, 27. November - gegen 13 Uhr +++

Die Polizei nimmt einen 40-jährigen Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Aachen fest. Zunächst bleibt unklar, ob er im Verdacht steht, Michalski und Heckhoff bei der Flucht geholfen zu haben. Später, am Samstag, wird dann doch Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die Vorwürfe: Gefangenenbefreiung im Amt und Verstoß gegen das Waffengesetz. Der Mann soll die Flüchtigen nicht nur vorsätzlich aus dem Gefängnis herausgeschleust, sondern sie auch mit schussbereiten Dienstwaffen und Munition versorgt haben.

+++ Dritte Geiselnahme - Essen-Werden - Nacht von Freitag, 27. November, auf Samstag, 28. November +++

Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung überfallen die Flüchtigen ein Paar in Essen-Werden und nehmen sie als Geiseln. Die Polizei bestätigt nur, dass sich die beiden ein Auto beschafft haben: einen dunklen 5er BMW mit dem Essener Kennzeichen E - PS 1010.

+++ Unterwegs im BMW - Ruhrtal - Samstag, 28. November - tagsüber +++

Laut "Bild"-Zeitung lassen sich die Ausbrecher von ihren Geiseln im BMW stundenlang herum fahren. Polizeieinheiten durchsuchen derweil das unübersichtliche Gebiet im Ruhrtal zwischen den Essener Stadtteilen Kettwig und Werden. Irgendwo in den Wäldern hier vermuten die Behörden die flüchtigen Schwerverbrecher. Doch trotz zahlreicher Hinweise aus der Bevölkerung gibt es noch keine heiße Spur zu den beiden.

+++ Flucht mit Niederländischer Straßenkarte - Mülheim-Saarn - Samstag, 28. November - gegen 19 Uhr +++

Die beiden Verbrecher lassen ihre Geiseln in Mülheim-Saarn frei und flüchten der "Bild"-Zeitung zufolge mit einer Straßenkarte für die Niederlande und 200 Euro in bar. Die Polizei bestätigte diese Informationen nicht.

+++ Fluchtwagen gefunden - Mühlheim - Sonntag, 29. November - gegen 11 Uhr +++

Gegen 11 Uhr wird der BMW in Mülheim an der Ruhr gefunden. An welchem Ort wollte die Polizei nicht bekannt geben, um zu verhindern, dass die Bevölkerung den Fundort aufsuche. "Es besteht Gefahr für Leib und Leben", sagte ein Sprecher. "Mehr können wir nicht sagen, weil wir die Fahndung nicht gefährden wollen."

+++ Heckhoff gefasst - Mühlheim - Sonntag, 29. November - gegen 11 Uhr +++

Kurz danach endet die Flucht für den 50-jährigen Heckhoff in Mülheim an der Ruhr. Um 11.03 Uhr wird er festgenommen. "Wo der konkrete Zugriff erfolgte können wir aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht sagen", sagt eine Polizeisprecherin zu SPIEGEL ONLINE. "Wir möchten das Risiko eines zweiten Geiseldramas von Gladbeck mit allen Mitteln verhindern. "Heckhoffs Komplize, der wegen Mordes verurteilte Michalski, ist weiterhin auf der Flucht.

+++ Fahndungspanne - Sonntag, 29. November - am Nachmittag +++

Am Nachmittag kommt es bei der Fahndung zu einer Panne: Ein Mann wird mit dem noch flüchtigen Michalski verwechselt. Wegen seiner großen Ähnlichkeit mit dem entflohenen Mörder nimmt die Polizei ihn kurzzeitig fest. Die Suche nach Michalski gestalt sich schwierig, sagt ein Polizist, weil unklar sei, wie er sich fortbewege: "Wir wissen einfach nicht, wie er unterwegs ist."

+++ Polizei-Appell an Michalski - Köln - Sonntag, 29. November - gegen 23 Uhr +++

Die Polizei richtet einen Appell an Michalski: "Beenden Sie Ihre Flucht, bevor Menschen zu Schaden kommen." Die letzten Tage hätten gezeigt, so ein Polizei-Sprecher, dass es dem Gesuchten nicht darum gehe, Menschen zu schaden. Die Fahnder fordern Michalski auf, seine Flucht gewaltfrei zu beenden und sich zu stellen.



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