Cleveland Polizei veröffentlicht Video von Todesschuss auf Zwölfjährigen

Ein Junge mit einer Spielzeugpistole, erschossen von einem Polizisten - der Tod des zwölfjährigen Tamir Rice schockierte die USA. Jetzt hat die Polizei ein Überwachungsvideo veröffentlicht, das zeigt: Der Beamte zögerte kaum, bevor er schoss.


Cleveland - So unterschiedlich die Fälle sind, sie beherrschen doch beide die Schlagzeilen in den USA: Da ist zum einen der Tod des Teenagers Michael Brown in Ferguson und die Entscheidung einer Grand Jury, den Todesschützen, einen Polizisten, nicht anzuklagen. Bestürzung, Zorn, Wut - landesweit.

Und da ist der Tod des zwölfjährigen Tamir Rice in Cleveland, ebenfalls erschossen von einem Polizisten, vor wenigen Tagen erst. Rise hatte mit einer Druckluft-Spielzeugpistole hantiert.

Jetzt haben die Behörden Aufnahmen einer Überwachungskamera veröffentlicht, sie zeigen die letzten Momente im Leben des jungen Afroamerikaners Rice. Es ist ein Zusammenschnitt verschwommener Schwarz-Weiß-Aufnahmen, der den Vorfall aus mehreren Metern Höhe zeigt. Die Behörden führten eine Echtzeit- und eine Zeitlupenversion vor.

Zu sehen ist ein Gehweg, auf dem Tamir Rice mit einer schwarzen Druckluft-Pistole herumfuchtelt. Schnitt. Der Zwölfjährige trottet mit der mutmaßlichen Waffe in der Hand zu einem Picknickplatz, ein Streifenwagen rast heran. Rice nähert sich dem Fahrzeug. Die Polizisten ziehen die Waffen. Ein Beamter schießt nach dem Aussteigen sofort auf Rice, aus wenigen Metern Entfernung, so sieht es auf dem Video aus, und geht danach hinter dem Fahrzeug in Deckung.

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Wegen Spielzeugpistole erschossen: Polizei veröffentlicht Video
Eine von der Polizei eingefügte rote Markierung soll unterstreichen, dass der Junge seine Hand bewegte und mutmaßlich nach seiner Druckluft-Pistole griff. Das Video wurde nach Angaben der Polizei mit Zustimmung der Eltern von Tamir Rice veröffentlicht.

Nach Angaben der Polizei aus der Stadt im US-Bundesstaat Ohio ähnelte die Spielzeugpistole von Rice einer halbautomatischen Waffe. Die Polizei leitete eine Untersuchung ein, die beiden Beamten wurden vorläufig vom Dienst suspendiert. Der Todesschütze ist 26 Jahre alt und arbeitet erst seit März für die Polizei in Cleveland.

City of Cleveland
Die Vorgeschichte: Ein Augenzeuge hatte die Polizei nach deren Angaben am Samstag alarmiert und von einer Person berichtet, die auf dem Spielplatz eine Waffe auf andere Menschen richte. Es heißt in mehreren Berichten, der Augenzeuge habe bei seinem Anruf auch darauf hingewiesen, dass die Waffe wahrscheinlich nicht echt und die Person wahrscheinlich ein Jugendlicher sei. Das sei den beiden Polizeibeamten aber nicht übermittelt worden.

daf/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 295 Beiträge
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Seite 1
die_bittere_wahrheit 26.11.2014
1.
Es gibt leider noch einen aehnlich gelagerten Fall in Utah! Ich frage mich wieso hier kein Interesse an einer Berichterstattung besteht ... Schade, es wuerde diesen Faellen eine neue weitere bittere Facette hinzufuegen!
Kiesch 26.11.2014
2.
Schlampige Kommunikation und viel zu nahe rangefahren und sich dadurch selbst in Gefahr gebracht und dann die Nerven verloren. Mal ehrlich: Mit ner ernsthaft gefährlichen Waffe hätte er auf die Distanz die Polizisten erschossen bevor sie überhaupt aus dem Auto wären (wenn er das gewollt hätte). Entsprechend hätte man vorsichtiger vorgehen und den vernünftig "ansprechen" sollen (Waffe runter! Auf den Boden! etc. bla bla) Aber na ja... in Zeiten frei verfügbarer Waffen und School Shootings heist es da wohl einmal mehr: Erst schießen, dann Fragen stellen.
pjklm 26.11.2014
3. Man muss...
Verständnis für die Polizei haben... Ich meine, ich wüsste nicht, wie ich mich verhalten würde, wenn vor mir ein 12-jähriger steht, der mit einer Waffe vor mir steht und nach ihr greift... Wahrscheinlich gehen da die Nerven durch und man will sich selbst schützen. Man sollte die Polizisten nicht vorschnell verurteilen, weil man nie weiß wie man sic selbst verhalten würde. Und nachher führt es dazu, dass Polizisten mit einem ohnehin anspruchsvollen Beruf, total verunsichert sind und nicht wissen wie sie sich im ernstfall verhalten sollen..
phisiker 26.11.2014
4. So was von
Man fährt ihm fast auf die Füsse und damit man Aussteigen kann ohne womöglich eine Waffe im Nacken zu haben muss man sofort einen Volltreffer abgeben. Da musste mal wieder ein Toter her. Diese Polizisten haben nicht ihren Job gemacht sondern komplett verfehlt.
EvenD 26.11.2014
5. Zur Info...
...Ohio ist ein Open-Carry-Staat, was bedeutet, das man sichtbar am Körper geladene Waffen tragen darf...bevor hier wieder irgendwer ankommt mit vonwegen "Selber schuld wenn der ne Waffe(nattrappe) dabei hat!11elf"
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