Colonia Dignidad Sektenarzt Hopp soll in Deutschland in Haft

Der Ex-Arzt der Sekte Colonia Dignidad wurde in Chile wegen Beihilfe zu sexuellem Kindesmissbrauch verurteilt, setzte sich aber nach Deutschland ab. Nun soll er hier seine Strafe verbüßen.

Blick auf die Villa Bavaria, die ehemalige Sektensiedlung Colonia Dignidad
AFP

Blick auf die Villa Bavaria, die ehemalige Sektensiedlung Colonia Dignidad


Der ehemalige Arzt der deutschen Sekte Colonia Dignidad, Hartmut Hopp, soll in Deutschland ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft Krefeld beantragte beim Landgericht, die gegen Hopp in Chile verhängte Freiheitsstrafe von fünf Jahren in Deutschland zu vollstrecken.

Der SPIEGEL hatte bereits Mitte Februar berichtet, dass die Staatsanwaltschaft dies vorhabe.

Hopp war 2011 in Chile wegen Beihilfe zu sexuellem Kindesmissbrauch in 16 Fällen verurteilt worden. Er hatte sich aber nach Deutschland abgesetzt. Weil er als Deutscher nicht an Chile ausgeliefert werden darf, beantragte Chile die Vollstreckung der Strafe in Deutschland.

Hopp soll die rechte Hand des 2010 gestorbenen Sektenführers Paul Schäfer gewesen sein, der 2006 wegen Kindesmissbrauchs in Chile zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war. Die Sekte war Anfang der Sechzigerjahre aus Siegburg bei Bonn nach Südamerika ausgewandert. In der streng von der Außenwelt abgeschotteten landwirtschaftlichen Siedlung Colonia Dignidad (Kolonie der Würde) etwa 350 Kilometer südlich von Chiles Hauptstadt Santiago errichtete Schäfer ein rechtsgerichtetes autoritäres Regime.

Die Mitglieder leisteten schwere Arbeit nur für Kost und Logis und durften die abgelegene Siedlung nur mit Genehmigung von Schäfer verlassen. Während der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet wurden politische Häftlinge in seiner Siedlung gefoltert und ermordet.

Schäfer verging sich Zeugenaussagen zufolge über Jahre regelmäßig an Minderjährigen. Nach dem Ende der Pinochet-Diktatur 1990 dauerte es noch Jahre, bis die chilenische Justiz gegen die Sekte vorging. Schäfer tauchte 1996 unter, wurde später in Argentinien gefasst und in Chile verurteilt. Durch den Kinofilm "Colonia Dignidad" war auch das Interesse am Fall Hopp in diesem Jahr wieder aufgelebt.

Hopp hatte die Tatvorwürfe zurückgewiesen. Sie entbehrten jeder Grundlage. Der 72-Jährige lebt seit Jahren in Krefeld. Nach Einschätzung seines Anwalts wird dies auch so bleiben. Notfalls werde man den Rechtsweg bis zur Verfassungsbeschwerde ausschöpfen. "Das chilenische Urteil ist in einer Reihe von Punkten nach deutschen Strafprozess-Grundsätzen sehr bedenklich", sagte der Rechtsanwalt. Dies werde man nun dem Landgericht darlegen.

Das Europäische Center für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) in Berlin begrüßte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Krefeld. "Die deutsche Justiz muss jetzt endlich dafür sorgen, dass Hartmut Hopp seine Strafe wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch an Kindern verbüßt", sagte ECCHR-Generalsekretär Wolfgang Kaleck und wies auf die Gefahr einer Flucht Hopps hin.

Die Opfer der Verbrechen in der Colonia Dignidad warteten schon viel zu lange auf Gerechtigkeit aus Deutschland. Auch das Auswärtige Amt sei gefragt. "Die kürzlich freigegebenen Akten des Auswärtigen Amtes müssen jetzt mit Blick auf neue Beweismittel und Ermittlungsansätze ausgewertet werden."

cne/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.