Rechte Terrorgruppe Die Wiederbelebung von "Combat 18"

"Combat 18" gilt als weltweit bekannteste Neonazi-Terrororganisation. In Deutschland ist sie seit 2000 verboten - doch nun registrieren die Behörden neue Aktivitäten.


Sie sammelten Listen mit den Namen von Politikern und Polizisten, waren in illegale Waffengeschäfte und rechte Hetze verwickelt: Jahrelang galt die Neonazi-Organisation "Combat 18" als eine der bedeutendsten rechten Terrorzellen in Deutschland - bis sie vor 17 Jahren verboten wurde. Doch inzwischen machen die Sicherheitsbehörden neue Aktivitäten unter diesem Namen aus.

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung vom 21. Dezember auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht, gibt es bereits seit 2013 wieder ein Netzwerk mit dem Namen "Combat 18" - mit Mitgliedern in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Zudem habe es in der Vergangenheit "Einzelhinweise auf regionale 'Combat 18'-Strukturen" gegeben, von denen allerdings derzeit keine Aktivitäten ausgingen.

"Combat 18" gilt als bewaffneter Arm des Neonazi-Netzwerks "Blood & Honour" und zählt laut Bundesregierung zum subkulturell geprägten rechtsextremistischen Spektrum. Die 18 in dem Namen steht für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet - A und H - und damit als Chiffre für den Namen Adolf Hitler. Seit einigen Jahren galt die in Deutschland verbotene Organisation aus Sicht von Fachleuten als handlungsunfähig.

In eigenen Publikationen hatte "Combat 18" Anleitungen zum Bombenbau und Listen mit Namen, Adressen und Fotos politischer Gegner veröffentlicht. Vordenker und Führungskader der Terrortruppe aus Großbritannien trugen die Idee des bewaffneten Kampfes Mitte der Neunzigerjahre nach Deutschland.

Der Verfassungsschutz beobachtet die Gruppe

Unklar ist laut Bundesregierung, wie viele Menschen der neuen "Combat 18"-Gruppe angehören. Nach dem Verbot im Jahr 2000 hätten weder die Bundesanwaltschaft noch das Bundeskriminalamt Ermittlungsverfahren gegen Strukturen oder Aktive von "Combat 18" geführt. Auch aus den Ländern seien keine "konkreten Ermittlungsverfahren" bekannt - allerdings würde das Bundesamt für Verfassungsschutz die Gruppe beobachten.

Wie gut organisiert "Combat 18" ist, scheint nicht ganz klar zu sein - ebenso wie die Frage, ob es sich um Neonazis handelt, die schon vor dem Verbot aktiv waren. Es gebe keine Erkenntnisse über Unternehmen, Vereine oder Bands, die dem Umfeld der Gruppe angehören, heißt es in dem Dokument. Auch könne keine deutsche Homepage der Gruppe zugerechnet werden. Klar sei hingegen, dass es vereinzelte Kontakte bekannter Aktivisten von "Blood & Honour" und "Combat 18" ins europäische Ausland gegeben habe. Der NDR und die "Süddeutsche Zeitung" berichten, die Ermittlungsbehörden verfügten über zahlreiche konkrete Hinweise zu Aktivitäten der Gruppe.

Wie gefährlich "Combat 18"-Zellen hierzulande sein können, hatte sich in der Vergangenheit häufiger gezeigt. So verurteilte ein Gericht den zwischenzeitlichen NPD-Landeschef in Kiel, Peter B., zu einer mehrjährigen Haftstrafe, weil er die Neonazi-Zelle "Combat 18 Pinneberg" mit Waffen versorgt hatte. Die norddeutsche Gruppe, bei deren Mitgliedern Ermittler unter anderem Listen mit den Namen von Politikern und Polizisten fanden, soll die erste Zelle der Organisation in Deutschland gewesen sein.

Verbindungen zum NSU?

"Combat 18" spielte auch im Münchner Prozess gegen die mutmaßliche Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) eine Rolle. Im November 2014 nahmen sich die Opferanwälte die Dortmunder Neonazi-Szene vor, auf deren Unterstützung sich Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe offenbar verlassen konnten. In Dortmund gab es eine bewaffnete "Combat-18"-Zelle, die sich in Anlehnung an die "Turner Tagebücher" organisiert hatte.

Die "Turner Tagebücher" sind ein Roman des Amerikaner William L. Pierce aus dem Jahr 1978, der darin unter dem Pseudonym Andrew Macdonald rassistische Ideen propagiert. Es geht darin um einen Rassenkampf, in dessen Verlauf "die Organisation" Attentate und Sabotageakte verübt.

In Deutschland ist das Buch seit April 2006 verboten, in der "White Supremacy"-Bewegung in den USA gilt es als Standardwerk - und dient als Ideengeber für eine gewalttätige Übernahme des Staates. Eine zentrale Idee ist dabei das Konzept des führerlosen Widerstandes, das auf die Eskalation eines brutalen Rassenkrieges durch nationalistische Untergrundzellen abzielt. Kopien des Romans fanden sich auf den Computern von Verdächtigen, die später im NSU-Prozess angeklagt wurden.

mxw



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