Luftfahrtkatastrophe: Gericht verwirft Schuldspruch im Concorde-Prozess

Vor zwölf Jahren stürzte eine Concorde bei Paris ab und riss 113 Menschen in den Tod. Jetzt hob ein französisches Gericht den strafrechtlichen Schuldspruch gegen die US-Fluggesellschaft Continental im Berufungsverfahren überraschend auf. Trotzdem muss die Airline Schadensersatz zahlen.

AP / Toshihiko Sato

Paris - Zwölf Jahre nach dem Absturz des Überschallflugzeugs Concorde bei Paris ist die US-Fluggesellschaft Continental Airlines von der strafrechtlichen Verantwortung für die Katastrophe freigesprochen worden. Das hat ein Berufungsgericht in Versailles entschieden. Die Richter sahen es zwar als erwiesen an, dass die Katastrophe durch einen Defekt an einer zuvor gestarteten Continental-Maschine ausgelöst wurde. Dies rechtfertige jedoch keinen Schuldspruch.

Die mittlerweile zum Unternehmen United Continental fusionierte Airline muss demnach lediglich eine Million Euro Schadensersatz an die Concorde-Eigentümerin Air France zahlen. Die französische Gesellschaft hatte zivilrechtlich eine Entschädigung für den erlittenen Imageschaden gefordert. Zudem sprach das Gericht am Donnerstag zwei ehemalige Mitarbeiter der Airline sowie einen früheren Verantwortlichen der französischen Luftfahrtbehörde DGAC frei.

Der Anwalt von Continental zeigte sich zufrieden über den Freispruch. "Nach zwölf Jahren, in denen mit dem Finger auf Continental Airlines als Verantwortliche gezeigt wurde, äußert sich die Justiz endlich, um zu sagen, dass Continental nicht verantwortlich ist", sagte Olivier Metzer.

Bei dem Absturz des Jets am 25. Juli 2000 waren 113 Menschen ums Leben gekommen - darunter 97 Deutsche. Die Passagiere wollten nach New York fliegen und von dort aus zu einer Kreuzfahrt starten. Vier der 113 Opfer starben in einem Hotel, in das die Maschine kurz nach dem Start stürzte.

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Todesflug AF 4590: Das Ende der "Königin der Lüfte"
In erster Instanz hatte ein Gericht vor zwei Jahren der US-Fluggesellschaft Continental Airlines und einem ihrer Mitarbeiter die Hauptverantwortung für das Unglück zugeschrieben. Die französischen Richter bestätigten damals die These, dass die Concorde Feuer gefangen hatte, weil sie beim Start über eine Titan-Lamelle gerollt war, die von einer Continental-Maschine abgefallen war. Dabei platzte nach Einschätzung von Flugunfallermittlern ein Reifen der Concorde und Gummiteile beschädigten das Flugzeug. Rund zwei Minuten nach dem Abheben krachte die Air-France-Maschine in das Hotel am Flughafen.

"Der Fall ist von Anfang an schiefgelaufen"

Die Richter verurteilten Continental Airlines im Dezember 2010 zu einer Geldstrafe in Höhe von 200.000 Euro - und zu einer Million Euro Schadensersatz an Air France-KLM. In dem Prozess war ein Continental-Angestellter zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, der nun vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen wurde. Sein Vorgesetzter und der französische Behördenverantwortliche waren bereits im ersten Prozess freigesprochen worden, mussten sich aber im Berufungsverfahren erneut verantworten. Ihnen war vorgeworfen worden, nicht vor möglichen Risiken des Flugzeugs gewarnt zu haben.

Der Anwalt der US-Airline warf der Fluggesellschaft Air France im Berufungsprozess vor, die Concorde trotz bekannter Mängel am Treibstofftank in die Luft geschickt zu haben: "Der Fall ist von Anfang an schiefgelaufen." Continental beharrte darauf, dass die Concorde bereits vor dem Überfahren der Lamelle gebrannt haben könnte. Das Gericht dürfe sich nicht von Mutmaßungen, Gefühlen und Stimmungen leiten lassen, so Metzner. Die US-Fluggesellschaft versuche nur, die eigene Schuld auf Air France abzuwälzen, entgegnete der Anwalt der französischen Fluggesellschaft, Fernand Garnault. Die Staatsanwaltschaft forderte die Erhöhung der Geldstrafe auf den Maximalbetrag von 225.000 Euro.

Bis zu dem Absturz bei Paris galt die Concorde als "Königin der Lüfte" - elegant und technisch überlegen. Für die Strecke von Paris nach New York brauchte sie mit drei bis dreieinhalb Stunden nur gut die Hälfte der Zeit, die andere Passagierflugzeuge benötigten. Am 31. Mai 2003 landete zum letzten Mal eine Air-France-Concorde nach regulärem Flugplan in Paris. Fünf Monate später startete der letzte kommerzielle Flug von London nach New York. Danach stellte auch British Airways den Concorde-Flugbetrieb ein. Die Maschinen wurden aus Kostengründen ausgemustert.

wit/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Eilmeldung?
Kritischer_Geist 29.11.2012
Weshalb ist das eine Eilmeldung wert? Zumal noch mit einem schrecklichen historischen Bild untermauert.
2. ConcordE
mietiskelijä 29.11.2012
"Die französischen Richter bestätigten die These, daß die Concorde Feuer gefangen hatte, weil sie beim Start über eine Titan-Lamelle gerollt war, die von einer Continental-Maschine abgefallen war." Merkwürdig - wie kamen die Richter denn dann auf einen Freispruch für Continental, von deren DC-10 doch der Titaniumstreifen abgefallen war? Außerdem schriebt man Concorde mit E.
3. eilmeldung
martinheinze 29.11.2012
erbärmlich wie SPON mit dem Wort "Absturz", dem Titelfoto, und der gelb-bemalten "Eilmeldung" spielt, um hier Aufmerksamkeit und Klicks zu erlangen. Erbärmlich! Mich erschrak die Nachricht auf den ersten Blick, bevor mir der Zusammenhang klar wurde. Ganz tiefes Niveau. Was hat der +++Eilmeldung+++-Tag hier zu suchen?
4. Beide haben Schuld !
Surgeon_ 29.11.2012
Continental, und die schlecht abgesicherten Tanks der Concorde ! Bei besserer Bauart wäre nichts passiert !
5. Boulevardstil
SeL_ 29.11.2012
Warum ist diese Nachricht eine "Eilmeldung" wert? Doch wohl nur wegen des Themas Flugzeugunglück, das sich so schön dramatisch gibt und mit Flammenfotos "geschmückt" werden kann. Ich bin so enttäuscht vom Stil von Spiegel Online – wenn die Site nicht so eine große Bedeutung hätte, wäre ich schon längst weg.
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