"Costa Concordia"-Unglück: Reederei sieht sich durch Gutachten entlastet

Wer trägt die Verantwortung für die Havarie der "Costa Concordia"? Die Reederei sieht die Schuld bei Kapitän Schettino - eine Experten-Analyse zeige: Das Krisenmanagement des Kreuzfahrtunternehmens habe "praktisch alles getan, was möglich war". Die Küstenwache sieht das anders.

Wrack der "Costa Concordia": Beweisaufnahme zur Havarie des Kreuzfahrtschiffes läuft noch Zur Großansicht
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Wrack der "Costa Concordia": Beweisaufnahme zur Havarie des Kreuzfahrtschiffes läuft noch

Grosseto - Die Beweisaufnahme läuft - und die Reederei der havarierten "Costa Concordia" sieht sich durch ein Sachverständigengutachten zu dem Schiffbruch im Januar entlastet. In einer Analyse hätten die Fachleute den Costa-Krisenmanagern bescheinigt, in der Unglücksnacht "praktisch alles getan zu haben, was ihnen möglich war". Das sagte der Anwalt der Genueser Reederei Costa Crociere, Marco De Luca, in Grosseto.

Bei der dort andauernden Beweisaufnahme zu dem Unglück hatten die von der Ermittlungsrichterin eingesetzten Gutachter am Montag erläutert, wie sich die Costa-Kriseneinheit verhalten hat. Diese hatte während der Havarie Kontakt zu der Kommandobrücke.

Das Kreuzfahrtschiff sei am 13. Januar so extrem schnell voll Wasser gelaufen und gekentert, "dass die Kriseneinheit dem Schiff keinerlei sinnvolle technische Hilfe geben konnte", sagte der Anwalt in einer Pause der nichtöffentlichen Anhörung. De Luca hob hervor, dass das 290-Meter-Schiff mit mehr als 4000 Menschen an Bord von der Besatzung dann in kurzer Zeit evakuiert worden sei.

Die italienische Küstenwache wirft der Reederei dagegen vor, die Schifffahrtsbehörden in der Nacht der Havarie nicht ausreichend informiert zu haben. Costa Crociere habe die irreführenden Informationen nicht korrigiert, die Kapitän Francesco Schettino dem Hafenamt in Livorno gegeben habe. 40 Minuten nach dem Unglück habe die Reederei auch gewusst, "dass das Schiff noch um keinerlei Hilfe gerufen hatte und auch nicht handelte."

Gegenseitige Schuldzuweisungen

An der Sitzung am Dienstag nahm wie schon am Vortag Unglückskapitän Schettino teil. Schettino und die Reederei schoben sich in der Vergangenheit wiederholt gegenseitig die Verantwortung zu. Mit der mehrtägigen Anhörung wird nun der Prozess zu dem Unglück vor der Insel Giglio mit 32 Toten vorbereitet.

Der Bericht von Experten gab Schettino im vergangenen Monat die Hauptschuld an der Kollision. Er wies aber auch darauf hin, dass nicht alle Besatzungsmitglieder Italienisch verstanden, nicht alle Sicherheitsmaßnahmen auf dem neuesten Stand waren und zudem nicht alle Passagiere an Notfallübungen hatten teilnehmen können.

"Wir haben den Eindruck, es war der Fehler des Unternehmens", sagte Anwalt Peter Ronai, der zehn Passagiere aus Ungarn vertritt. Costa Crociere mache Schettino zum "Sündenbock". Nach Ansicht des US-Anwalts John Arthur Eaves wäre die Katastrophe nicht geschehen, wenn der Schiffseigner die "nötigen Standards" aufgestellt und eingehalten hätte.

Die "Costa Concordia" war Mitte Januar zu nahe an die toskanische Insel herangefahren, hatte einen Felsen gestreift und war gekentert. Mit einem Prozess gegen Schettino und andere führende Mitglieder der Besatzung und der Reederei Costa Crociere ist frühestens 2013 zu rechnen. Die Anhörung in Grosseto dürfte mindestens bis Mittwoch dauern.

Rund neun Monate nach der Havarie haben unterdessen nach Angaben der Reederei zwei Drittel der Überlebenden die pauschale Entschädigung von 11.000 Euro angenommen. Rund zehn Prozent der 3050 Passagiere hätten hingegen Klagen angestrengt, teilte das Unternehmen mit.

wit/dpa/AFP

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1. Prima
ellenbetti 16.10.2012
dann ist ja alles in Ordnung so wie das Schiff gekentert ist.
2.
jujo 16.10.2012
Zitat von sysopAFPWer trägt die Verantwortung für die Havarie der "Costa Concordia"? Die Reederei sieht die Schuld bei Kapitän Schettino - eine Experten-Analyse zeige: Das Krisenmanagement des Kreuzfahrt-Unternehmens habe "praktisch alles getan, was möglich war". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/costa-concordia-reederei-sieht-sich-durch-gutachten-entlastet-a-861623.html
Jeder der mit einem Schiff dieser Art eine Kreuzfahrt macht muss wissen, das vieles, gerade im seemännischen Bereich, nicht einmal substandard Ansprüchen genügt! Unter den gegebenen Umständen der C.C. Havarie ist es ein Wunder und sehr positiv zu sehen, das es nur so wenige Opfer, unter 1%, gab! Das Krisenmanagement während des Unglücks war wohl o.k. (?) die Mitverantwortung der Reederei beginnt aber früher
3. Mich wundert´s,
Listerholm 16.10.2012
Zitat von sysopAFPWer trägt die Verantwortung für die Havarie der "Costa Concordia"? Die Reederei sieht die Schuld bei Kapitän Schettino - eine Experten-Analyse zeige: Das Krisenmanagement des Kreuzfahrt-Unternehmens habe "praktisch alles getan, was möglich war". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/costa-concordia-reederei-sieht-sich-durch-gutachten-entlastet-a-861623.html
dass die merkwürdige Gepflogenheit des "Grüßens" (eines Hafens, eines befreundeten Kapitäns), indem man den Riesenpott breitseits nahe an Land bringt, im Bericht keine Rolle spielt. Das war doch wohl nach Schettinos ersten Einlassungen überhaupt der Auslöser. (Es ist üblich...) Und was ist mit dem "girl auf der Brücke"? Ich hoffe, die RA der Opfer recherchieren anständig. Der SPON-Artikel klingt schon wieder danach, als habe die Reederei alles getan und überhaupt keine Schuld. Und Schettino wälzt alles ab. Lächerlich und erbärmlich. Niemand sollte mehr mit "CC" fahren. L.
4. Das schlimmste ist,
pefete 16.10.2012
dass es jetzt noch unnötig in die länge gezogern wird, dass keiner die E.. in der Hose hat, etwas zuzugeben. Als Betroffener, geretteter oder Angehöriger von Verstorbenen komme ich mir doch verscheissert vor. Das Berlöusconi-Syndrom. Alle haben Schuld - nur ich nicht!
5. Die Opferanwälte
spmc-12222573921399 16.10.2012
werden alles tun um die Schuld bei der Reederei feststellen zu lassen. Bei Schettino ist ja nicht s zu holen!
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