Fall Cyntoia Brown US-Gouverneur begnadigt verurteilte Mörderin

Der Fall hatte in den USA für großes Aufsehen gesorgt: Cyntoia Brown erschoss als Jugendliche einen Mann, bei dem es sich um einen Freier gehandelt haben soll. Eine Jury verurteilte sie zu lebenslanger Haft. Nun kommt Brown frei.

Cyntoia Brown im Mai 2018
AP

Cyntoia Brown im Mai 2018


Der republikanische Gouverneur des US-Bundesstaats Tennessee hat die 30 Jahre alte Cyntoia Brown begnadigt: Bill Haslam begründete seine Entscheidung damit, dass die Strafe für die Frau "zu harsch" gewesen sei. Er nannte ihren Fall "tragisch und komplex".

Brown wurde eigenen Angaben zufolge als Jugendliche zur Prostitution gezwungen. Sie war von ihren Adoptiveltern weggelaufen und in einer Beziehung zu einem Mann, den sie als gewalttätig beschrieb. Er habe sie gezwungen, sich zu prostituieren. Im Jahr 2004 erschoss Brown einen 43 Jahre alten Mann, bei dem es sich um einen Freier gehandelt haben soll: Der frühere Scharfschütze bei der Armee soll die damals 16-Jährige in seine Wohnung gebracht, ihr seine Waffen gezeigt und ihr dann brutal zwischen die Beine gegriffen haben.

Eine Jury verurteilte Brown 2006 wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe mit der Auflage, dass sie frühestens nach 51 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden dürfe.

Browns Fall hatte in den USA große Aufmerksamkeit erregt. Ihre Unterstützer beschrieben die Frau als traumatisiertes Opfer des Menschenhandels. Zahlreiche Prominente - darunter die Schauspielerin Ashley Judd, Reality-Star Kim Kardashian und Popsängerin Rihanna - setzten sich für sie ein.

Bill Haslam
AFP

Bill Haslam

Brown soll nun am 7. August auf Bewährung aus der Haft entlassen werden, sie saß dann circa 15 Jahre in Haft. Zuvor soll sie noch ein Coaching für die Rückkehr in die Freiheit absolvieren. Ihre Bewährungszeit setzte Gouverneur Haslam auf zehn Jahre fest. Die Begnadigung begründete er auch damit, dass Brown in der Haft große Anstrengungen unternommen habe, um "ihr Leben neu zu gestalten". Haslam ist seit 2011 Gouverneur von Tennessee, seine Amtszeit endet in wenigen Tagen.

Brown dankte in einem von der Zeitung "The Tennessean" veröffentlichten Statement unter anderem dem Gouverneur und ihren Unterstützern. Sie versprach, "alles zu tun, was ich kann, um euren Glauben an mich zu rechtfertigen".

Zahlreiche Prominente bedankten sich via Twitter bei Haslam und begrüßten seine Entscheidung, darunter Jada Pinkett Smith, Alyssa Milano und Viola Davis. Die US-Organisation NWLC, die sich für Frauenrechte einsetzt, schrieb, man sei erleichtert über die Begnadigung. "Aber wir wissen auch, dass nichts ihr die Jahre der Inhaftierung zurückbringen kann. Schwarze Frauen haben Besseres verdient."

aar/AFP

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