Gutachten in Hessen Dutzende Schüler an Darmstädter Schule sexuell missbraucht

An einer Darmstädter Schule sind über Jahre zahlreiche Schüler sexuell missbraucht worden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht, der jetzt im hessischen Kultusministerium vorgestellt wurde.

Elly-Heuss-Knapp-Schule in Darmstadt
DPA

Elly-Heuss-Knapp-Schule in Darmstadt


An der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Darmstadt sind einem Gutachten zufolge in der Zeit von 1961 bis 1994 mindestens 35 Schüler von einem pädosexuellen Lehrer missbraucht worden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Untersuchungsbericht, der im hessischen Kultusministerium in Wiesbaden vorgestellt wurde.

Der Bericht sei "ein Dokument unsäglicher Taten und nicht wieder gut zumachenden Leids", sagte Staatssekretär Manuel Lösel. Er bat die Opfer für das "Versagen seitens der damaligen Lehrkräfte, der Schulleitung und der Schulverwaltung" um Entschuldigung.

Hohe Dunkelziffer

Im Bericht heißt es, die Dunkelziffer dürfte wahrscheinlich deutlich höher sein als die festgestellte Zahl der Opfer. Staatssekretär Lösel sagte, das Land wolle ein symbolisches Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro an jedes Opfer zahlen.

Mit dem Bericht beauftragt hatte das Ministerium Brigitte Tillmann, ehemalige Präsidentin des Oberlandesgerichts Frankfurt, und Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller.

Die beiden Juristinnen hatten bereits einen Bericht über die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule verfasst. In den Siebziger- und Achtzigerjahren wurden dort mindestens 132 Schüler sexuell missbraucht. Im März 2010 kamen die Fälle an die Öffentlichkeit.

Der beschuldigte Lehrer der Elly-Heuss-Knapp-Schule war 2005 lediglich wegen sexuellen Missbrauchs in 15 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er starb 2008.

jal/sms/dpa



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