Attacke auf Polizisten in Darmstadt Ermittler gehen nicht von geplantem Angriff aus

Erst waren es wenige, dann sahen sich Polizisten in Darmstadt nach einem Musikfestival plötzlich mit mehr als hundert Angreifern konfrontiert. Einen politischen Hintergrund sehen die Ermittler bisher nicht.

Polizisten bewachen am frühen Morgen eine Gruppe festgesetzter junger Männer in Darmstadt
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Polizisten bewachen am frühen Morgen eine Gruppe festgesetzter junger Männer in Darmstadt


Die Bilanz der Polizei nach den Angriffen in der Nacht zum Sonntag: 15 verletzte Beamte und mehr als 80 festgenommene Tatverdächtige. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei handelte es sich nicht um eine spezielle Gruppierung. "Viele der festgenommenen Personen waren stark angetrunken", sagte ein Polizeisprecher.

Gegen 2.10 Uhr seien Einsatzkräfte im Darmstädter Herrngarten unvermittelt von mehreren kleinen Gruppen mit Flaschen und Steinen beworfen worden. Die Angreifer waren teilweise vermummt und riefen laut in der "Frankfurter Rundschau" zitierten Augenzeugen: "A-C-A-B" (All Cops are Bastards - alle Polizisten sind Bastarde). In der Stadt fand bis Sonntag das alljährliche Schlossgrabenfest statt, nach Angaben der Organisatoren Hessens größtes Musikfestival.

"Ersten Ermittlungen zufolge schlossen sich die kleinen Gruppen - womöglich aus Solidarität - zusammen und gingen gewaltsam gegen die Beamten vor", sagte der Sprecher. Hinter dem Gewaltausbruch habe man bislang keine "Strategie" feststellen können.

Deutsche und Ausländer

Bei den Angreifern habe es sich um Deutsche und um Ausländer aus unterschiedlichen Milieus gehandelt. "Einen politischen Hintergrund können wir bisher nicht erkennen", fügte der Sprecher hinzu. Die Beamten waren zunächst wegen Ruhestörung und einer mutmaßlichen Körperverletzung zu dem Park gerufen worden.

Mit Hilfe weiterer Kräfte aus Südhessen, aber auch aus Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden räumte die Polizei schließlich den Park. Bei den Festgenommenen handele es sich zumeist um junge Männer, es seien aber auch Frauen festgenommen worden. Die meisten der Festgenommenen wurden am Sonntag freigelassen. Gegen etliche von ihnen werde wegen Landfriedensbruchs ermittelt.

Darmstadts Polizeipräsident Bernhard Lammel sagte: "Solch ein Gewaltausbruch ist mit nichts zu rechtfertigen." Die Schadensbilanz stand zunächst nicht fest. Mehrere Einsatzwagen der Polizei wurden durch Flaschenwürfe beschädigt. Auch ein Altkleidercontainer wurde in Brand gesetzt, Randalierer warfen Scheiben rund um den Park ein.

Innenminister fordert harte Strafen

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) forderte harte Strafen. "Diese Tat stellt nicht nur einen ungeheuerlichen Angriff gegen die eingesetzten Beamtinnen und Beamten dar; es ist zugleich auch ein Angriff gegen unseren Rechtsstaat und unsere Gesellschaft", teilte der CDU-Politiker am Sonntag mit. Er wolle deshalb auf der kommenden Innenministerkonferenz (6. bis 8. Juni) erneut eine Verschärfung des Strafrechts für solche gezielten Angriffe einfordern.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte eine bessere Ausstattung der Beamten. "Leider werden derartige Feste von Chaoten und 'Trittbrettfahrern' missbraucht, um Gewalt gegen Personen und Gegenstände auszuüben. Folglich müssen die polizeilichen Maßnahmen sowohl personell als auch logistisch aufgerüstet werden", so der Landesvorsitzende Lars Maruhn.

Das Schlossgrabenfest endete am Sonntagabend nach vier Tagen. Zu dem Fest, bei dem mehr als 100 Bands auftreten, wurden im Vorfeld mehr als 400.000 Besucher erwartet.

löw/dpa



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