Datenaffäre Rechtsanwalt zeigt SchülerVZ-Mitarbeiter an

In der Datenaffäre bei SchülerVZ hat der Anwalt des verstorbenen mutmaßlichen Erpressers Strafanzeige gegen vier Mitarbeiter des Unternehmens erstattet. Es bestünden der Verdacht einer falschen uneidlichen Aussage und der falschen Verdächtigung, hieß es.


Hamburg - Der Rechtsanwalt Ulrich Dost hat bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige gegen SchülerVZ-Mitarbeiter erstattet. Es bestünden der Verdacht einer falschen uneidlichen Aussage und der falschen Verdächtigung, teilte der Jurist am Freitag mit. Die Behörde konnte am Nachmittag den Eingang der Anzeige noch nicht bestätigen.

Bereits Mitte Oktober hatte das Unternehmen, das die Seite SchülerVZ betreibt, gegen Dosts damaligen Mandanten, Matthias L., Strafanzeige wegen versuchter Erpressung und des Ausspähens von Daten erstattet. Knapp zwei Wochen später nahm sich der 20-jährige L. in einem Berliner Untersuchungsgefängnis das Leben.

Dost sagte nun SPIEGEL ONLINE: "Chat-Protokolle zwischen meinem ehemaligen Mandanten und dem beschuldigten Mitarbeiter belegen, dass das Unternehmen Matthias L. sehr wohl Geld für die Daten geboten hat." Einer der VZ-Mitarbeiter habe in seiner Vernehmung gesagt: "Angebote finanzieller Art haben wir nicht gemacht." Das sei gelogen, so Dost.

Außerdem habe es sich bei den von L. gesammelten Daten "ausschließlich um öffentliche Daten" gehandelt. "Das wusste auch das Unternehmen", sagte Dost. "Und wider besseres Wissen erstattete es dennoch Anzeige wegen des Ausspähens von Daten." Es handele sich deshalb um eine falschen Verdächtigung.

Die Betreiber des Netzwerks hatten in der Vergangenheit immer wieder beteuert, dass der Matthias L. für die Daten Geld verlangt habe. Zu Einzelheiten wolle man derzeit keine Stellung nehmen, teilte SchülerVZ SPIEGEL ONLINE mit.

Anm. d. Red.: Drei Monate nach Erscheinen dieses Artikels hat die Berliner Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die vier Mitarbeiter von VZnet mangels Tatverdachts eingestellt.

mas

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