Debatte in Australien: "Scientology ist eine kriminelle Organisation"

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Zwangsabtreibungen, Folter, Freiheitsberaubungen: Ein australischer Senator hat schwere Vorwürfe gegen Scientology erhoben, Premierminister Kevin Rudd erwägt eine Untersuchung. Die umstrittene Organisation weist die Anschuldigungen zurück.

Scientology-Gebäude in Sydney: Senator Xenophone spricht von "krimineller Organisation" Zur Großansicht
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Scientology-Gebäude in Sydney: Senator Xenophone spricht von "krimineller Organisation"

Hamburg - In Australien wurden in dieser Woche Vorwürfe laut, die schockieren: Von Zwangsabtreibungen, Folter und Freiheitsentzug bei Scientology war die Rede. Senator Nick Xenophone aus Adelaide legte Dokumente vor, in denen Aussteiger solche Anschuldigungen erhoben hatten, und forderte eine Untersuchung. "Scientology ist keine religiöse, sondern eine kriminelle Organisation, die sich hinter ihren sogenannten religiösen Überzeugungen versteckt", so Xenophone.

Scientology wehrte sich in einer offiziellen Mitteilung: "Der Senator wird offensichtlich von früheren Mitgliedern unter Druck gesetzt, die Hassreden schwingen und Fakten verdrehen. Sie sind in etwa so zuverlässig wie geschiedene Eheleute, die über ihren Ex-Partner reden." Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu dem Thema ließen sowohl Scientology Australien als auch Scientology International in Los Angeles unbeantwortet.

Dabei drohen den Scientologen große Schwierigkeiten. Australiens Premierminister Kevin Rudd erwägt eine Untersuchung, die Anschuldigungen seien "ernst" und müssten "sorgsam angeschaut" werden. Erst Ende Oktober wurde Scientology in Paris wegen bandenmäßigen Betrugs zu einer Strafe von 600.000 Euro verurteilt.

Nicht überrascht

Die Hamburger Scientology-Expertin Ursula Caberta verfolgt die Entwicklungen gespannt: "Es ist wunderbar, dass das in Australien auf höchster politischer Ebene angekommen ist", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Caberta gehört zu den profiliertesten Scientology-Gegnern in Deutschland und zeigt sich von den Vorwürfen nicht überrascht.

"Zwangsabtreibungen gibt es vor allem in der Sea-Org, der Eliteorganisation innerhalb Scientologys", sagte Caberta. In Deutschland existiere die aber nicht, weshalb von derartigen Fällen in der Bundesrepublik nichts bekannt sei. In den USA berichteten Aussteiger dagegen seit Jahren immer wieder Ähnliches, so Caberta.

Nun sind die Horrorgeschichten aus der Scientology-Welt offensichtlich auch im australischen Parlament angekommen.

Freiheitsberaubung, Folter und Nötigung

Xenophone zitierte vor dem Senat aus einem Brief, in dem Scientology-Aussteiger Aaron Saxton aus Perth ein Geständnis abgelegt hatte: Er selbst sei an Freiheitsberaubung, Folter und der Nötigung schwangerer Frauen beteiligt gewesen. Letztere habe er gedrängt, ihre Kinder abzutreiben. So sollte laut Saxton erreicht werden, dass die Frauen ihre Arbeitskraft auch künftig vollständig in den Dienst Scientologys stellten.

In einem anderen Brief berichtete Carmel Underwood, eine frühere Scientology-Direktorin aus Sydney, dass sie als Schwangere extrem bedrängt worden sei, ihr Kind abzutreiben. 16-stündige Arbeitstage seien als Mutter schließlich nicht möglich - das sei der Hintergedanke ihrer Peiniger gewesen.

"Alles, was der Expansion von Scientology nützt", so Ursula Caberta, "kann gemacht werden."

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