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Exklusiv aus dem neuen SPIEGEL: Debbie Milke spricht über die Jahre im Todestrakt

Ex-US-Todeskandidatin Milke: "Elektrischer Stuhl oder Giftspritze?" Zur Großansicht
REUTERS

Ex-US-Todeskandidatin Milke: "Elektrischer Stuhl oder Giftspritze?"

Sie musste den "dry run" üben, den Testlauf für ihre Hinrichtung. Der Arzt tastete ihren Arm nach einer Vene ab, für die Giftinjektion: Die Deutsche Debbie Milke saß 22 Jahre unschuldig in US-Haft. Im SPIEGEL erzählt sie ihre Geschichte.

Nach ihrer Freilassung hat die ehemalige US-Todeskandidatin Debbie Milke im SPIEGEL erstmals die Torturen des Gefängnisses von Perryville in Arizona beschrieben. Dort saß die gebürtige Berlinerin rund 22 Jahre lang unschuldig in der Todeszelle. (Die ganze Geschichte lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.)

Milke war vorgeworfen worden, 1989 zwei Männer dazu angestiftet zu haben, ihren vierjährigen Sohn Christopher in der Wüste zu töten. Das Todesurteil gegen die heute 51 Jahre alte Frau wurde am Montag vergangener Woche endgültig gekippt, weil es nur auf der Aussage eines Polizisten beruhte, der ein gerichtsnotorischer Lügner war.

Milke beschreibt im SPIEGEL unter anderem, was passierte, nachdem die Justiz ihre Hinrichtung für den 29. Januar 1998 festgesetzt hatte:

"Sie nennen ihn den dry run, den Testlauf für den Tod. Elektrischer Stuhl oder Giftspritze? Wo soll meine Leiche hin? Wer soll meinen Besitz bekommen? Sobald ein Hinrichtungstermin feststeht, muss man viele Fragen beantworten. Sie allein machen Todesangst. Zunächst wurde jeden Abend meine Zelle durchsucht, damit ich nichts verstecken würde, womit ich mich hätte umbringen können.

Und dann war da plötzlich dieser Arzt. Er band mir mit einem Schlauch den Arm ab und tastete über meine Ellenbeuge. 'Was machen Sie denn da?', fragte ich ihn. 'Ich teste, wie gesund ihre Venen sind', antwortete er. Da wurde mir klar: Die meinen es ernst. Da bin ich zusammengebrochen."

Milke, deren Anwälte den Staat Arizona auf Schadensersatz verklagt haben, will im August nach Deutschland übersiedeln. "Dort soll mein Zuhause sein."

Sie hat mittlerweile Zivilklage gegen die verantwortlichen US-Behörden eingereicht und könnte einen hohen Schadenersatz erstreiten. Insgesamt war Milke 24 Jahre inhaftiert, vor zwei Jahren war sie gegen Kaution aus dem Gefängnis freigekommen. Die beiden Männer, die den Mord ausgeführt haben sollen, sind weiter im Todestrakt. Ein Termin für ihre Hinrichtung steht nicht fest.

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insgesamt 157 Beiträge
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1.
Sumerer 03.04.2015
Die Verhängung der Todesstrafe und Hinrichtung ist generell - wie an diesem Beispiel recht einfach erkannt werden kann - nicht zu legitimieren.
2. Folter
ccpppiwi 03.04.2015
Dry run ist nur eine andere Wortwahl für Folter. Die Vorstufe für eine Scheinhinrichtung. Weil man NIE ein Justizirrtum ausschließen kann, gehört ein Todesurteil verboten.
3. Die Hinrichtung eines Menschen
kael 03.04.2015
ist nun einmal der ultimativer Verwaltungsakt. Da müssen alle Abläufe penibel geplant, organisiert und überprüft werden, damit er am Ende (!) als mission accomplished abgehakt werden kann. Schaurig!
4. In diesen Dingen sind die USA der reine Wahnsinn !
JesusLukas 03.04.2015
Sitzt einer mehr als 10 Jahre unschuldig ein, ist sein Leben vor allem seine Psyche zerstört. Da helfen auch Millionen wenig ! Aber auch da sieht man wie in Deutschland: korrupte Justiz muss kontrollierbar werden, Richter und StAs müssen genauso haftbar gemacht werden wie jeder andere Mensch für seine Taten ! Das ist seit ewigen Zeiten überfällig ! Fehlurteile sind als Straftaten der Justiz zu werten. Nur allzu viele Studenten wählen Jura, um damit später Macht ausüben zu können ! Eine genaue Persönlichkeitsanalyse und ggf. Ausschluß vom Berufswunsch ist absolut vonnöten !
5. Unglaublich
ch3_94 03.04.2015
was in dem christlichen Amerika Menschen angetan wird. Nicht zu denken an die Zahl unschuldig hingerichteter Menschen. Jedenfalls ist jeder Fall ein Fall zu viel. Ich bin froh in Europa zu leben, denn Gott sei Dank haben wir dieses schreckliche Kapitel hoffentlich fuer immer abgeschlossen. Allein das reicht schon um fuer Europa zu sein.
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