Ex-Todeskandidatin in den USA Debra Milke ist endgültig frei

23 Jahre hatte die deutschstämmige Debra Milke in einer US-Todeszelle auf ihre Hinrichtung gewartet. Im vergangenen Jahr hob ein Gericht die Mordanklage auf - jetzt wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Ex-Todeskandidatin Milke bei einer Anhörung im August 2013
AP

Ex-Todeskandidatin Milke bei einer Anhörung im August 2013


Phoenix - Die ehemalige Todeskandidatin Debra Milke kommt endgültig frei. Ein Bundesgericht im US-Bundesstaat Arizona kündigte die Einstellung des Verfahrens gegen die 51-Jährige an. Schon seit 2013 war sie gegen Kaution und Auflagen auf freiem Fuß.

Die Tochter einer Deutschen und eines Amerikaners war 1990 zum Tode verurteilt worden, weil sie zwei Männer zum Mord an ihrem vierjährigen Sohn Christopher angestiftet haben soll. Statt wie versprochen zum Weihnachtsmann in ein Einkaufszentrum zu fahren, töteten sie den Jungen in einem trockenen Flusslauf mit mehreren Schüssen in den Hinterkopf.

Die Justiz ging davon aus, Milke habe ihren Sohn loswerden und eine Versicherungssumme einstreichen wollen. Milke selbst beteuerte stets ihre Unschuld. Die beiden verurteilten Mörder des Jungen sitzen in der Todeszelle und warten auf ihre Hinrichtung. Sie verweigern jede Aussage.

Im Herbst 2013 hatte ein Berufungsgericht das Urteil gegen Milke wegen mangelnder Beweise für ungültig erklärt. Sie kam auf Kaution und mit einigen Einschränkungen frei, nachdem sie 23 Jahre in der Todeszelle auf ihre Hinrichtung gewartet hatte.

Milke zeigte sich ihrem Verteidiger zufolge nach der Anhörung "erleichtert, dass ihr endlich Gerechtigkeit widerfährt". Es habe sich um einen "schrecklichen Justizirrtum" gehandelt. Nun streben die Verteidiger von Debra Milke eine Zivilklage gegen den Staat und die Polizei wegen ihrer Inhaftierung an. Bei einem Erfolg könnte Milke Schadenersatz in Millionenhöhe bekommen.

kis/dpa/AFP

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insgesamt 17 Beiträge
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barlog 23.03.2015
1.
Beste Nachricht des Tages.
Listerholm 23.03.2015
2. Gestohlene Jahre
Wie ist das eigentlich im amerikanischen Strafrecht? Wer ist vor Gericht für eine Beweiswürdigung zuständig? Oder wird das nur der Jury, bzw. dem Ankläger und dem Verteidiger überlassen? Wie konnte es dazu kommen, dass DM trotz mangelnder Beweise 23 Jahre lang einsitzen musste? Gilt in den USA nicht auch "in dubio pro reo"? (Das ist doch ein äußerst fragwürdiges System, zumal, wenn man bedenkt, wieviele Fehlurteile und daraus resultierende Hinrichtungen mittlerweile publik geworden sind.) Grausam. Steht DM nun eine Entschädigung zu? Ich wünsche Ihr sehr, dass sie die Kraft hat und Freunde genug, dieses Trauma zu verarbeiten. Möge sie noch lange leben.
oli h 23.03.2015
3. Höchststrafe...
Wenn es wirklich so war wie sie sagt dann ist das an Tragik kaum zu überbieten. Erst wird ihr Sohn umgebracht und dann sitzt sie dafür noch 23 Jahre in einer Todeszelle - schlimm was manche Leute zu ertragen haben.
SarahMue 23.03.2015
4. unglaublich
War es nicht möglich die Unschuld früher festzustellen? Etwa 23 Jahre früher? Eigentlich stünden ihr Millionen an Enschädigung und eine Entschuldigung aller Beteiligten zu. Stattdessen spuckt man ihr noch ins Gesicht indem eine Kaution für die Freilassung verlangt. Ein kaputtes Land mit einem kaputten Rechtssystem. Ich kann nicht begreifen wie man so mit Menschen umgehen kann. Ekeln sich die Strafverfolger nicht vor sich selbst?
tomblu 23.03.2015
5.
Zitat von ListerholmWie ist das eigentlich im amerikanischen Strafrecht? Wer ist vor Gericht für eine Beweiswürdigung zuständig? Oder wird das nur der Jury, bzw. dem Ankläger und dem Verteidiger überlassen? Wie konnte es dazu kommen, dass DM trotz mangelnder Beweise 23 Jahre lang einsitzen musste? Gilt in den USA nicht auch "in dubio pro reo"? (Das ist doch ein äußerst fragwürdiges System, zumal, wenn man bedenkt, wieviele Fehlurteile und daraus resultierende Hinrichtungen mittlerweile publik geworden sind.) Grausam. Steht DM nun eine Entschädigung zu? Ich wünsche Ihr sehr, dass sie die Kraft hat und Freunde genug, dieses Trauma zu verarbeiten. Möge sie noch lange leben.
Das kommt etwas darauf an ob es ein federal oder ein state trial ist. Sofern es ein state trial ist, haengt das im Detail meist auch noch vom jeweiligen Staat ab, da jeder Staat sein eigenes Strafrecht hat. Groesstenteils ist es in allen Staaten allerdings mehr oder minder gleich oder sehr aehnlich: Der Jury werden die Beweise fuer und gegen praesentiert, und die Jury muss dann entscheiden (in solchen Faellen meist einstimmig), ob jemand nun anhand der praesentierten Beweise und Gegenbweise schuldig ist oder nicht. Der Richter (glaube in wenigen Staaten u.a. auch die Jury) legt im Anschluss dann das Strafmass fest, und ist dabei an dem Schuldspruch der Jury gebunden. D.h. die Jury koennte einen des Mordes unschuldig sprechen, aber des Totschlags schuldig sprechen, dann kann das Strafmass stelbstverstaendlich nur im Rahmen des gesetzlichen fuer Totschlags liegen. Ob ihr eine Entschaedigung zuspricht, haengt davon ab, ob der jeweilige Staat so etwas gesetzlich festgelegt hat. Ich glaube in vielen Staaten gibt es keine Entschaedigungen. Ob sie evtl. Entschaedigung in einem Zivilverfahren einklagen koennte, kann ich nicht beurteilen. Das Problem ist meistens, dass wenn man einmal etwas schuldig gesprochen wurde, es unheimlich schwierig ist, diesen Schuldspruch ungueltig erklaeren lassen zu koennen, bzw ein neues Verfahren einfordern zu koennen. Egal ob nun die Todesstrafe im Spiel ist oder nicht. Das ruht vermutlich darin, dass wenn man einmal freigesprochen wurde, man nicht mehr wegen dem selben Tatbestand angeklagt werden kann (double jeopardy). Konkret in diesem Fall bedeutet das, dass wenn jetzt morgen neue Beweise auftauchen, dass diese Frau doch den Mord eindeutig doch begangen hatte (oder sie das selbst zugibt), ist es unmoeglich, ihr nochmal einen Prozess deswegen zu machen. Sie koennte also morgen ein volles Gestaendnis ablegen und man koennte sie nicht mehr fuer das Verbrechen belangen. Hoffen wir also, dass sie in der Tat unschuldig war, und das macht es natuerlich sehr traurig, dass sie so lange auf diesen Tag warten musste.
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