Todeskandidatin in Arizona Debra Milke hat Gefängnis verlassen

22 Jahre saß Debra Milke in Arizona in der Todeszelle, sie wurde ohne stichhaltige Beweise verurteilt. Nun ist die gebürtige Deutsche gegen Kaution freigekommen. Sie muss allerdings eine Fußfessel tragen und eine nächtliche Ausgangssperre einhalten.

Debra Milke (auf der Rückbank) im Auto mit ihrem Anwalt Michael Kimerer
AP

Debra Milke (auf der Rückbank) im Auto mit ihrem Anwalt Michael Kimerer


Phoenix - Nach mehr als zwei Jahrzehnten in einer US-Todeszelle ist die gebürtige Deutsche Debra Milke gegen Kaution freigekommen. Die 49-Jährige habe das Gefängnis Lower Buckeye Jail in Phoenix am Freitag um kurz nach 15 Uhr (Ortszeit) verlassen, bestätigte ein Polizeisprecher.

Ein Gericht im Bundesstaat Arizona hatte zuvor die Freilassung Milkes gegen eine Kaution in Höhe von 250.000 Dollar (190.000 Euro) genehmigt.

Der Prozess gegen Milke soll neu aufgerollt werden, nachdem ein US-Bundesgericht das umstrittene Todesurteil im Frühjahr gekippt hatte. Milke war 1990 verurteilt worden, weil sie zwei Bekannte zum Mord an ihrem vierjährigen Sohn angestiftet haben soll. Die Verurteilung stützte sich auf die Aussage eines Polizisten, dem Milke ihre Beteiligung angeblich gestanden hatte. Ein unterschriebenes Geständnis gibt es aber ebenso wenig wie Tonaufnahmen oder Zeugen. Und der Polizist hatte - was die Geschworenen nicht erfuhren - zuvor mehrfach unter Eid falsch ausgesagt. Milke beteuert ihre Unschuld.

Richterin Rosa Mroz am Maricopa County Gericht gab einem Antrag der Verteidigung statt, dass Milke während der Neuauflage des Prozesses gegen Kaution auf freien Fuß kommen dürfe. Mroz erklärte nach Angaben der Zeitung "The Arizona Republic", dass es "ernsthafte Zweifel an der Gültigkeit des angeblichen Geständnisses der Angeklagten" gebe. Milke muss eine elektronische Fußfessel tragen und eine nächtliche Ausgangssperre einhalten.

Unterstützer und Freunde sollen die 250.000 Dollar Kaution aufgebracht und Milke auch eine Wohnung im Großraum Phoenix besorgt haben.

hut/AFP/dpa



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