Nach Freilassung Debra Milke staunt über iPads und iPhones

Ein knappes Vierteljahrhundert saß Debra Milke in einem US-Gefängnis. Nach ihrer Freilassung auf Kaution staunt die gebürtige Berlinerin jetzt über den technischen Fortschritt: Ihrer Anwältin zufolge ist sie fasziniert von iPads, iPhones und dem Internet.

AP

Berlin/Phoenix - Nach 22 Jahren in der Todeszelle muss sich die deutschstämmige Debra Milke langsam an ihre neue Freiheit gewöhnen. "Erstmals ohne Ketten zu gehen, ihre eigenen Kleider zu tragen, das alles war völlig neu für sie", zitierte die "Bild"-Zeitung Milkes Anwältin, Lori Voepel. "Doch am faszinierendsten fand sie die heutige Technologie: Sie staunte über iPads, iPhones, Touchscreens, die Vernetzung der Geräte."

Milke war am Freitag gegen Zahlung einer Kaution von 250.000 Dollar aus einem Gefängnis in Phoenix (Arizona) entlassen worden. Jetzt wartet sie darauf, dass ihr Prozess neu aufgerollt wird. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, im Jahr 1989 zwei Männer zum Mord an ihrem vierjährigen Sohn angestiftet zu haben. In einem ersten Prozess war sie verurteilt worden, bis heute bestreitet sie aber die Tat.

Milke werde vorerst viel Zeit in der Wohnung verbringen, erklärte ihre Anwältin: "Wir wollen sie nicht überstimulieren: Die Wahl der Speisen, der Kleidung, das alles bleibt vorerst beschränkt. Es sind kleine Schritte."

Neuer Prozess am 30. September

Ein Berufungsgericht in San Francisco hatte das Todesurteil gegen Milke im März aufgehoben: Es gebe keine direkten Beweise oder Augenzeugen, die sie mit der Tat in Verbindung gebracht hätten. Die mögliche Freilassung gegen Kaution schließlich wurde am Donnerstag von einer Richterin verfügt. Der neue Prozess soll nach bisheriger Planung am 30. September beginnen, eine Verschiebung gilt aber als gut möglich.

Bis es so weit ist, bleibt die 49-Jährige auf freiem Fuß, allerdings unter Auflagen. So wurde ihr dem Sender 12News zufolge gleich nach der Freilassung in der Kanzlei ihres Anwalts eine Fußfessel mit Ortungsgerät angelegt.

Außerdem gelte für sie eine Ausgangssperre von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens. Milke dürfe auch keinen Alkohol trinken und müsse sich von ihrem Ex-Mann fernhalten, der sich überzeugt von ihrer Schuld geäußert hatte.

rls/dpa



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