Tödlicher Überfall an der A9 Geringere Haftstrafen für die Angeklagten

Vor knapp sechs Jahren misshandelte eine Gruppe von Männern einen Informatiker so schwer, dass er starb. Jetzt fielen in einem neu aufgerollten Prozess die Urteile gegen sie.

Einer der angeklagten im Landgericht Dessau-Roßlau (Archiv)
DPA

Einer der angeklagten im Landgericht Dessau-Roßlau (Archiv)


Das Landgericht Dessau-Roßlau hat vier Männer zu Haftstrafen verurteilt, weil sie den Informatiker Ulf M. im Jahr 2012 von einer Raststätte an der A9 verschleppten und so schwer verletzten, dass er in seinem Auto starb. Sie wurden unter anderem wegen versuchten Totschlags zu Strafen zwischen zwei Jahren und sechs Monaten und zehn Jahren und drei Monaten verurteilt.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die aus Litauen stammenden Männer den 39-Jährigen im Januar 2012 auf einem Parkplatz an der A9 in Sachsen-Anhalt überfallen, verschleppt und getötet haben, um an dessen Geldkarten und Geheimnummern zu kommen.

Mit seinen Schuldsprüchen blieb das Gericht unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Außerdem fielen die Strafen geringer aus als in einem ersten Prozess gegen die Männer. Im Jahr 2014 waren die Täter unter anderem wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge zu Gefängnisstrafen zwischen neuneinhalb Jahren und zwölf Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Im Januar 2016 entschied der Bundesgerichtshof (BGH), dass der Fall neu aufgerollt werden muss.

Der BGH rügte damals, dass das Landgericht nicht berücksichtigt habe, dass die Täter den Tod ihres Opfers in Kauf genommen haben könnten. Bei vier der fünf Angeklagten musste demnach zudem die genaue Tatbeteiligung neu geprüft werden. Bestand hatte das Urteil des Landgerichts nur im Fall eines Angeklagten, der nicht am Gewaltexzess beteiligt gewesen sein soll.

bbr/dpa

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