Tödlicher Schlafwagenbrand Deutsche Bahn muss 160.000 Euro zahlen

In einem Schlafwagen der Deutschen Bahn erstickten vor zehn Jahren zwölf Menschen, weil der Zugbegleiter einen Brand auslöste und dann in Panik vergaß, die verriegelten Türen der Abteile zu öffnen. Dafür muss das Unternehmen 160.000 Euro zahlen, wie nun ein Gericht entschied.

Der ausgebrannte Schlafwagen im November 2002: Deutsche Bahn ist mitverantwortlich
DPA

Der ausgebrannte Schlafwagen im November 2002: Deutsche Bahn ist mitverantwortlich


Nancy - "Wir respektieren das Urteil", sagte ein Bahn-Sprecher, nachdem am Dienstag das Urteil gefallen war: Ein französisches Berufungsgericht hat entschieden, dass die Deutsche Bahn eine Geldstrafe in Höhe von 160.000 Euro zahlen muss. Die Richter in Nancy sahen es als erwiesen an, dass die DB AutoZug GmbH bei Sicherheitsvorkehrungen nachlässig war und damit für den Tod von zwölf Menschen mitverantwortlich ist.

In dem Prozess ging es um den tödlichen Brand in einem Schlafwagen der Deutschen Bahn von Paris nach München. Der Zugbegleiter hatte in der Nacht zum 6. November 2002 eine Tasche auf einer eingeschalteten Herdplatte in seinem Abteil abgestellt und damit ein Feuer ausgelöst. Der Mann war offenbar völlig überfordert von der Notsituation. Anstatt sofort die Fahrgäste zu alarmieren und die Notöffnung der Kabinen zu betätigen, lief er mit brennenden Haaren los, um seinen Chef zu finden.

In Panik schlugen Fahrgäste Fenster mit Nothämmern ein - neun von ihnen konnten sich ins Freie retten, zwölf starben, unter ihnen auch zwei Kinder im Alter von acht und zwölf Jahren. Damals war es noch üblich, die Schlafwagen zu verriegeln.

In erster Instanz war die Bahn noch freigesprochen worden. Im Mai 2011 verurteilte ein Gericht lediglich den deutschen Zugbegleiter wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung. Diese Verurteilung wurde nun bestätigt. Die Richter verdoppelten allerdings das Strafmaß auf zwei Jahre, sagte ein Gerichtssprecher in Nancy.

Mehrere Gutachten hatten erhebliche Sicherheitsmängel an dem Schlafwagen aufgedeckt. So soll zum Beispiel ein zweiter Feuerlöscher gefehlt haben und die Hinweise auf die Nothämmer zum Einschlagen der Scheiben nur mangelhaft gewesen sein. Die französische Bahn SNCF, die den Zug zusammen mit der Deutschen Bahn betrieb, wurde freigesprochen.

Konsequenzen bei der Deutschen Bahn

Nach dem Unglück hatten sowohl die Deutsche Bahn als auch die SNCF Vorwürfe der Schlamperei zurückgewiesen. Laut Bahn entsprach der Schlafwagen den gültigen Sicherheitsanforderungen. Der Wagen sei 1964 hergestellt und 1999 komplett umgebaut worden. Im Juni 2001 habe man ihn generalüberholt, die letzte technische Überprüfung habe zwei Tage vor dem Unglück stattgefunden. Zudem sei die SNCF nach internationalem Eisenbahnrecht für die Sicherheit des gesamten Zuges verantwortlich gewesen, betonte die Bahn.

Das deutsche Unternehmen hat schon seit langem Konsequenzen aus dem Unfall gezogen: Der betroffene Wagentyp werde nicht mehr eingesetzt, und als wichtigste Neuerung seien alle Nachtzüge der Deutschen Bahn mit Brandmeldeanlagen ausgestattet worden, teilte das Unternehmen 2011 mit.

aar/AFP/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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friedenspfeife 06.06.2012
1. Bisschen mehr als 10000 Euro ist also ein Menschenleben
wert. 4 Monatsgehaelter - ist schon den dolle Sache.
Heinz-und-Kunz 06.06.2012
2. fast alles falsch
Der Brand wurde nicht durch ein Kochplatte ausgelöst und Fahrgäste werden nicht in ihren Abteilen(!) eingesperrt. Deren Türen konnte man selbstverständlich schon immer von innen ver- und entriegeln.
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