Berlin - Die Deutsche Bahn plant erhöhte Sicherheitsmaßnahmen an Bahnhöfen. Hintergrund für den Vorstoß von Bahn-Chef Rüdiger Grube ist der gescheiterte Terroranschlag auf den Bonner Hauptbahnhof. "Wir wollen mehr Videoaufzeichnungen und damit eine bessere Verfolgung von Straftaten auf Bahnhöfen", sagte Grube der "Bild am Sonntag". Für Februar wolle er Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, Vertreter der Länder und der Bundespolizei sowie Datenschützer zu einem sogenannten Sicherheitsgipfel einladen. "Ziel sind gemeinsame neue Konzepte für mehr Sicherheit an den Bahnhöfen", sagte Grube.
Es gehe auch darum, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden "noch besser" werde. Das offene Bahnsystem in Deutschland will Grube jedoch nicht grundsätzlich in Frage stellen: "Wir können und wollen auch nicht vor jedes Gleis einen Zaun stellen." Der Bahn-Chef verwies in diesem Zusammenhang auf die gestiegene Sicherheit in den deutschen Bahnhöfen: "Die Sicherheit an den Bahnhöfen ist außerdem inzwischen deutlich größer als außerhalb der Anlagen. Das kann man an der geringeren Zahl der Delikte auf Bahnhöfen im Vergleich zu anderen öffentlichen Plätzen in den Städten sehen. Die früheren Problemzonen in und an Bahnhöfen gibt es kaum noch."
Im Bonner Hauptbahnhof war am 10. Dezember eine Tasche mit einer Bombe entdeckt worden. Ein Sprengstoffkommando entschärfte die Konstruktion anschließend per Wasserstrahl - allerdings war der Zünder bereits aktiviert. Offenbar hatte er nur wegen technischer Mängel nicht funktioniert.
Der Tatort wurde nicht flächendeckend mit Videokameras überwacht, außerdem wurden die Aufnahmen nicht aufgezeichnet. Deshalb gibt es nur unzureichende Bilder der Tatverdächtigen aus einem Fast-Food-Restaurant. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Die Spuren führen ins salafistische Milieu.
Sicherheitschef warnt vor überzogenen Erwartungen
Seit einigen Tagen würden nun auch die Videobilder der Kameras im Bonner Hauptbahnhof aufgezeichnet, sagte Grube dem Blatt. Dies sei mit der Bundespolizei vereinbart worden. "Generell gilt, dass wir die Bahnhöfe mit Kameras bewachen, Aufzeichnungen muss die Bundespolizei beauftragen", so der Bahn-Chef.
Für eine Ausweitung der Videoüberwachung hatte sich zuletzt auch Innenminister Hans-Peter Friedrich ausgesprochen. "Wir brauchen eine effiziente Videoüberwachung und Videoaufzeichnung auf öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen", sagte der CSU-Politiker dem SPIEGEL. Mit "verstärkter und verbesserter Videotechnik auf öffentlichen Plätzen ließen sich "Gewalttäter abschrecken und Straftaten und geplante Anschläge aufklären". Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des ARD-Deutschlandtrends wünschen sich mehr als 80 Prozent der Bevölkerung mehr Kameras an Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen.
Der Sicherheitschef der Bahn, Gerd Neubeck, warnte indes vor zu hohen Erwartungen an die Ausweitung der Videoüberwachung. "Kameras können bei der Aufklärung helfen, aber sie sind kein geeignetes Mittel, Straftaten zu verhindern", sagte er der "Welt am Sonntag". "Betrunkene oder Menschen, die im Affekt handeln, achten nicht darauf, ob es eine Videoüberwachung gibt. Und vorsätzlich Kriminelle vermummen sich oder umgehen die Überwachungsinstrumente."
Bahn und Bundespolizei arbeiten dem Bericht zufolge an einer effizienteren Zusammenarbeit. Dabei soll auch die Arbeitsteilung bei der Videoüberwachung neu geregelt werden. Ende Januar wollen beide Seiten ein entsprechendes Abkommen unterzeichnen, hieß es. "Wir würden weitere Kapazitäten aufbauen. Und falls gewünscht, werden die Mitschnitte der Videokameras von allen deutschen Bahnhöfen auch gespeichert", sagte Neubeck. Technisch sei das möglich. "Ich fürchte nur, wie das Beispiel London zeigt, dass wir Fanatiker damit von ihren Plänen nicht abhalten können. Die freuen sich sogar, wenn Videobilder ihrer Taten in der ganzen Welt verbreitet werden."
wit/dapd/dpa
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