Spektakuläre Jagd Internationaler Auftragskiller-Ring ausgehoben

US-Fahnder haben einen internationalen Ring aus Auftragskillern gesprengt. Zu den Angeklagten gehören auch zwei deutsche Ex-Soldaten, die zu Scharfschützen ausgebildet wurden. Sie waren in eine Falle der Drogenfahndung getappt.

Mutmaßlicher Anführer der Auftragskiller: Joseph H. bei seiner Verhaftung
REUTERS

Mutmaßlicher Anführer der Auftragskiller: Joseph H. bei seiner Verhaftung


New York - Selbst New Yorks Staatsanwalt fühlte sich an einen Thriller erinnert: "Die schauderhaften Anschuldigungen in der Klageschrift lesen sich, als wären sie aus einem Roman von Tom Clancy", sagte Preet Bharara. Kurz zuvor hatte er nach einer filmreifen Jagd über vier Kontinente gegen fünf Ex-Soldaten Anklage erhoben. Angeblich wollten diese einen US-Drogenfahnder und dessen Informanten ermorden. Zwei von ihnen sind Deutsche.

Kopf der Gruppe soll Joseph H. gewesen sein, der sich Zeitungsberichten zufolge "Rambo", 48, nennen ließ. Nach über 20 Jahren bei der US Army begann der Ex-Ausbilder der Anklageschrift zufolge 2004 eine zweite Karriere - als Auftragskiller. Für mehrere Morde soll er verantwortlich sein. Für den jüngsten Auftrag holte er sich die Unterstützung von gleich vier Kameraden: einem US-Amerikaner, 42, einem Polen, 40, und zwei Deutschen, 27 und 29. Ihr Training hatten alle in den regulären Armeen ihrer Länder erhalten. Die beiden Deutschen Dennis G. und Michael F. waren demnach in der Bundeswehr zu Scharfschützen ausgebildet worden und trugen den Angaben zufolge bis vor wenigen Jahren noch Uniform.

Die fünf Männer arbeiteten laut Bharara als Leibwächter für Drogenbosse, doch jeder wollte "Bonusjobs". Das waren Morde, die extra bezahlt wurden. Für einen ganz speziellen - dem Auftragsmord an einem US-Drogenfahnder und dessen Informanten im westafrikanischen Liberia - sollte es für alle drei 700.000 Dollar geben, plus noch einmal 100.000 für "Rambo".

"Ich liebe diese Arbeit"

Mit ihren beiden Helfern reisten sie nach Angaben von Bharara um die Welt, schmuggelten Kokain, besorgten Maschinenpistolen ("Mac, MP5, MP7, irgendetwas Kleines") und kleinkalibrige Pistolen ("Schalldämpfer sind ein Muss!") und kundschafteten ihre Opfer aus.

Thailand, Mauritius, Liberia, Bahamas, New York - die Schauplätze könnten auch aus dem nächsten Bond-Film sein. Die Gangster beschafften sogar spezielle Gesichtsmasken, um den beiden Amerikanern und dem Deutschen dem Aussehen nach drei Afrikaner zu machen.

Jedoch: Der Auftraggeber war ein verdeckter Ermittler, und die fünf waren unter ständiger Beobachtung. Am vergangenen Mittwoch wurden sie festgenommen: "Rambo" in Thailand, der andere Amerikaner und der Deutsche in Liberia, die beiden Helfer aus Polen und Deutschland in Estland. In New York sollen die fünf demnächst wieder zusammentreffen - vor dem Haftrichter.

"Die Anklage gibt Auskunft über eine Szene gut ausgebildeter Scharfschützen, die sich als Söldner im Namen des Bösen anheuern lassen", sagte Bharara. "Drei der Angeklagten waren bereit, willens und geradezu begierig darauf, Geld für einen kaltblütigen Mord zu nehmen."

Wie kaltblütig, steht in den Ermittlungsakten: Demnach sagte der deutsche Scharfschütze, der den Mord in Liberia ausführen sollte, bei einem Treffen: "Das macht Spaß. Also, mir macht das Spaß. Ich liebe diese Arbeit."

hpi/dpa

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