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Deutsche Urlauber als Retter in Norwegen: Die Helden von Utvika

Aus Utvika berichten und

85 Menschen hat der Attentäter auf der norwegischen Insel erschossen, doch Dutzende konnten ihm entkommen: Sie sprangen ins Wasser, schwammen um ihr Leben - und wurden von Urlaubern in Boote gezogen. Der Deutsche Marcel Gleffe hat mehr als 20 Jugendliche gerettet. Protokoll einer Heldentat.

Massaker von Utøya: Vom Urlauber zum Helden Fotos
SPIEGEL ONLINE

Der Lebensretter zapft sich ein Bier und zündet sich eine Zigarette an. Er hat in der Nacht nur ein oder zwei Stunden geschlafen, sein Gesicht sieht müde aus. Es ist der Tag nach dem Massaker in dem norwegischen Jugendcamp auf der Insel Utøya. 85 Menschen hat der Täter Anders Behring B. dort kaltblütig erschossen - aber Dutzende konnten fliehen, indem sie ins Wasser sprangen und Richtung Festland schwammen.

Rund 24 Stunden ist es her, dass Marcel Gleffe zu einer Schlüsselfigur bei der Rettung vieler dieser Jugendlicher wurde. Der 32-Jährige arbeitet seit zweieinhalb Jahren als Dachdecker in Norwegen, zurzeit verbringt er gemeinsam mit seinen Eltern Walter und Heidrun seinen Urlaub auf dem Campingplatz in Utvika - an dem Ufer gegenüber der Insel, die zum Schauplatz des Grauens wurde. Er nimmt einen Zug aus der Zigarette und erzählt.

Am späten Freitagnachmittag ist es kühl. Die Gleffes haben sich gerade an den Campingtisch vor ihrem Wohnmobil gesetzt und Kaffee in die Tassen gegossen. Sie sprechen über den Anschlag in Oslo kurz zuvor, mehrere Tote hat es dort gegeben, als eine Bombe im Regierungsviertel explodierte. Ein Nachbar auf dem Platz hat ihnen das erzählt, sie sind schockiert und besorgt.

"Sie schrie 'Help! Help!'"

Da hören sie es plötzlich dumpf knallen. Einmal, zweimal. "Dann eine ganze Salve", sagt Heidrun Gleffe, 53. Sie sehen dunklen Rauch aufsteigen. "Ich sagte zu meinem Mann: 'Komm, wir gehen runter zur Mole, wir müssen schauen, was passiert ist.'" Ein Feuerwerk vielleicht, denken die Gleffes, oder irgendwelche Übungen.

Die Mole ist nur 200 Meter vom Wohnmobil der Familie entfernt, es liegen Boote dort, die Insel Utøya liegt etwa 600 Meter entfernt. Man kann drüben die Felsen erkennen, die Fähre, die davor liegt, das Ufer.

Als sie an der Mole ankommen, sehen die Gleffes, wie ein Mann ein Mädchen aus dem Wasser fischt. 16, 17 Jahre alt sei die Jugendliche gewesen, nur in Unterwäsche. Direkt hinter ihr schwimmt schreiend ein anderes Mädchen. "Sie schrie 'Help! Help!', sie schrie 'Shooting!' und dass wir die Polizei rufen sollten", erzählt Heidrun Gleffe.

Es ist der Moment, in dem die Gleffes ahnen, dass etwas Unvorstellbares passiert sein muss, drüben auf der Insel. "Wir haben lauter Köpfe im Wasser gesehen", sagt Heidrun Gleffe.

Es sind die Köpfe von Jugendlichen, die von der Insel ins Wasser gesprungen sind. Dutzende andere Jugendliche sind zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon tot.

Die Gleffes handeln wie ferngesteuert, schnell, ohne eine Sekunde Zeit zu verlieren. Mutter Heidrun wickelt die Mädchen, die durchgefroren und geschockt am Ufer ankommen, in Decken und bringt sie ins Wohnmobil.

"In so einer Situation denkt man gar nicht nach", erzählt ihr Sohn Marcel. Er rennt los und holt den Schlüssel für den kleinen roten Kahn, den er für diese Woche gemietet hat und schmeißt den Motor an. "Ich habe gleich geahnt, dass das in einer Verbindung zu dem Anschlag in Oslo steht", sagt er.

"Es war unglaublich zu sehen, was für starke Menschen das sind"

Die Menschen, die im Wasser schwimmen, rufen: "Nicht dichter ran, nicht dichter ran!"

Doch Marcel Greffe handelt. "Ich habe einfach nur funktioniert", sagt er. Immer mehr Menschen sieht er von den Klippen auf der Insel ins Wasser springen, mit einem Fernrohr schaut er auf die Insel - und kann plötzlich den Attentäter sehen: Er hockt auf einem Felsen, die Waffe erhoben. Augenzeugen erzählen später, dass der Mörder auch auf jene Jugendlichen geschossen hat, die bereits ins Wasser gesprungen waren.

"Überall im Wasser schwammen Jugendliche. Ich warf ihnen Schwimmwesten zu und zog die, denen es am schlechtesten ging, ins Boot", sagt Marcel Gleffe. "Alle schrien, aber sie halfen sich gegenseitig." Sie schrien, sie weinten, in der großen Not machten sie sich gegenseitig Mut, umarmten sich. "Es war unglaublich zu sehen, was für starke Menschen das sind", sagt Marcel Gleffe.

Immer wieder fährt der 32-Jährige raus auf den See, immer mehr Jugendliche sammelt er ein und bringt sie zur Mole. Dort treffen unterdessen weitere Helfer ein, andere Camper mit ihren Booten. Marcel Gleffe schätzt, dass er allein mehr als 20 Jugendliche ans rettende Ufer gebracht hat.

So genau kann er das nicht mehr sagen - und so einfach ließen sich einige der Flüchtenden auch gar nicht retten. Auf dem Campingplatz erzählen sie sich noch am Tag danach, wie einige schrien: "Kommt uns bloß nicht zu nahe", oder "Wollt Ihr uns töten?" Den Grund erfuhren die Retter erst, als sie die Jugendlichen beruhigt und ihnen zugerufen hatten, dass sie selbst Kinder hätten: "Der Attentäter war so perfide, dass er den Jugendlichen zugerufen hatte: 'Kommt her, ich rette euch'!" So berichtet es einer der norwegischen Retter, der ebenfalls mit seinem Boot auf den See hinausfuhr.

"Es ist doch ganz selbstverständlich, was wir gemacht haben"

Psychologen, die nach dem Massaker auf den Zeltplatz gekommen sind, zeigen sich verblüfft von der guten Organisation der Camper: Als die Schießerei losging, brachten sie kleine Kinder sofort in ein Auto, sie sollten von den schrecklichen Szenen nichts mitbekommen. Ein Mann brachte die verzweifelten und zitternden Geretteten mit dem Auto zur Rezeption.

Insgesamt 150 Menschen haben die Urlauber von Utvika mit ihren Booten gerettet. "Trotzdem machen sich manche noch wahnsinnige Vorwürfe", sagt Psychiaterin Kirsti Oscarson. "Sie denken an die Menschen, die sie im Wasser lassen mussten, weil diese nicht mehr ins Boot passten - nicht an die anderen Menschen, die sie gerettet haben." Ihre Aufgabe sei es jetzt, so Oscarson, den Rettern das Gefühl zu geben, dass diese Gedanken in ihrer Situation ganz normal seien.

Auf dem Campingplatz bekommen die Retter nun psychologische Hilfe. Ein Drittel von ihnen wird wohl Probleme haben, das Erlebte zu verarbeiten, schätzen die Psychiater. "Wir dürfen keine Therapiesitzung abhalten", sagt Psychiaterin Oscarson. Vielmehr gehe es darum, die psychologischen Abwehrkräfte zu unterstützen.

Retter Marcel sagt: "Gestern ging es noch, heute wird einem schlecht, da wird einem einfach nur schlecht." Aber er habe nicht anders gekonnt als zu helfen. "Es ist doch ganz selbstverständlich, was wir gemacht haben."

Mitarbeit: Kadra Yusuf

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1. #Oslo – Fundamental bescheuert und reif für die Klappsmühle
alterknacker 24.07.2011
Medien und terroristische Anschläge, je mehr man nachlegt, um so mehr Exemplare verkaufen sich, ist legitim und auch nicht verwerflich, aber nicht besonders klug. Als ich meinen Beitrag (http://tinyurl.com/3fss9nf) verfasste, nutzte ich auch die etablierte Meinung, aber gab meinen eigenen Senf zum besten, ohne Spekulationen, allerhöchstens an Theorien anlehnend. "Ich habe wohl gestern von dem Anschlag gehört und auch die Bilder im TV gesehen, aber ich habe diesmal nicht sofort an Islamisten gedacht, denn auch wenn der allgemeine Tenor so lautete in den Medien, so konnte ich aus einem Bauchgefühl heraus nicht daran glauben, denn dafür war die Explosion zu gewaltig und ich musste sofort an Oklahoma denken."
2. Er sagte deutlich , es sei selbstverständlich
gorge11, 24.07.2011
Zitat von sysop85 Menschen hat der Attentäter auf der norwegischen Insel erschossen, doch Dutzende konnten ihm entkommen: Sie sprangen ins Wasser, schwammen um ihr Leben - und wurden von Urlaubern in Boote gezogen. Der Deutsche Marcel Gleffe hat mehr als 20 Jugendliche gerettet. Protokoll einer Heldentat. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,776265,00.html
wieso jetzt Heldentat?
3. Chapeau!
herrhoppenstedt 24.07.2011
!
4. @ Spiegel Online
socrateased 24.07.2011
Zitat von sysop85 Menschen hat der Attentäter auf der norwegischen Insel erschossen, doch Dutzende konnten ihm entkommen: Sie sprangen ins Wasser, schwammen um ihr Leben - und wurden von Urlaubern in Boote gezogen. Der Deutsche Marcel Gleffe hat mehr als 20 Jugendliche gerettet. Protokoll einer Heldentat. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,776265,00.html
Mal ganz abgesehen davon, daß das Handeln dieser 8auch deutschen) Retter zweifellos mehr als nur ein Bißchen respektabel - gescheige denn in heutigen Zeiten selbstverständlich - ist: gab es für den Artikel sowie dessen Titel irgendwie eine Art Pathoszuschlag? Überhöhende Formulierungen wie "Die Helden von..." und "Heldentat" sind nach meinem bescheidenen Dafürhalten absolut unnötig, genauso, wie es völlig unnötig ist, nach Flugzeugunglücken sofort die Frage "ja, und wieviele Deutsche kamen da ums Leben?" zu stellen. Überhöht man Menschen, die spontan menschlich und ethisch wünschenswert handeln, in dieser Art und Weise, dann entzieht man durch die sprachliche Überhöhung diese "normalen Menschen" - als zu denen gehörig diese Retter sich sicherlich selbst auch sehen dürften - gedanklich jedem weiteren Begriff, welcher z.B. in ähnlichen Situationen auch anderen "Normalbürgern" ähnlich ethisch wünschenswertes Handeln nahelegen könnte. Dies gebe ich zu bedenken, da in der deuschten Sprache sowieso immer noch viel zu viel mythischer Paternalismus vorhanden ist (z.B. in unsäglichen Wendungen wie "Vater Staat", "die Staatsmacht oder "mein Chef"). Den Rettern sei hiermit meinerseits aus tiefstem Herzen gedankt, und größter Respekt ausgedrückt.
5. Der Retter?
Dr.Schitzophren, 24.07.2011
Ich vermute:Der Killer "glaubt", seine Gedankenwelt,seine Religion sei die einzig Wahre.---Wieder tötet Religion unschuldige Menschen. Es ist der Absolutismus.... Sein "Auftrag" kommt wohl von seinem Gott...wobei er diesen Status ja selbst eingenommen hat und somit verantwortlich ist.
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"Abscheuliche Akte der Gewalt"

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Fläche: 323.787 km²

Bevölkerung: 5,166 Mio.

Hauptstadt: Oslo

Staatsoberhaupt:
König Harald V.

Regierungschefin:
Erna Solberg

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Waffen in Norwegen
Zahlen
Die Zahl der Schusswaffen, die sich in Privatbesitz befinden, wird auf rund 1,4 Millionen geschätzt, bei einer Bevölkerung von etwa fünf Millionen Menschen. Die hohe Zahl ist vor allem auf die Jagd zurückzuführen: Nach Angaben der Behörden besaß vor drei Jahren ungefähr jeder zehnte Norweger eine Jagdlizenz. Ähnlich beliebt ist das Sportschießen.
Waffengesetze
Die Waffengesetze Norwegens sind vergleichsweise strikt. Privater Waffenbesitz ist möglich, allerdings unter strengen Auflagen. Dass auch sie nicht vor grausamen Verbrechen schützen, beweist der Massenmord durch Anders Breivik: Er hatte seine Schusswaffen offenbar auf legalem Weg erworben.
Allgemeine Vorschriften
In Norwegen dürfen laut dem Waffengesetz "vernünftige und verantwortungsbewusste" Personen ab 18 Jahren Schrotflinten und Gewehre besitzen. Handfeuerwaffen sind ab 21 erlaubt. Wer einen Waffenschein haben möchte, muss seine Gründe darlegen. Meistens werden hier die Jagd oder Sportschießen genannt. Es darf keine Vorstrafe vorliegen. Dies traf auf Anders Breivik zu.
Waffenbesitz für die Jagd
Die meisten Waffenscheine werden in Norwegen für die Jagd vergeben. Für die Jagdlizenz müssen Anwärter einen 30-stündigen Kurs absolvieren. Zudem müssen sie einen Multiple-Choice-Test bestehen. Der Jagdschein muss jährlich erneuert werden, allerdings nur durch die Entrichtung einer Gebühr. Breivik erwarb die halbautomatische Schnellfeuerwaffe "Ruger Mini 14", die die Standardmunition westlicher Streitkräfte verschießt, offenbar auf diesem Weg. "Ich habe den einwöchigen Jagdkurs absolviert", schreibt er im September 2010 in sein Tagebuch. "Die Polizei hat keinen Grund, meinen Antrag abzuweisen."
Waffenbesitz für das Sportschießen
Wer als Sportschütze einen Waffenschein erwerben will, muss einen mindestens neunstündigen Sicherheitskurs absolvieren, der zu zwei Dritteln aus praktischen Übungen mit der Waffe besteht. Der Kurs endet mit einem schriftlichen Test, der allerdings kürzer ist als im Fall des Jagdscheins. Nach dem bestandenen Test müssen die Anwärter über einen Zeitraum von sechs Monaten mindestens 15 Mal an einem Training im Schützenverein teilnehmen. Erst danach darf man einen Waffenschein beantragen. Auch seine Pistole, eine halbautomatische "Glock 17" scheint Breivik auf diesem vorgeschriebenen Weg erworben zu haben: "15-mal Training im November, Dezember und Januar wurden abgeschlossen und dokumentiert. Der Antrag für eine Glock 17 wurde Mitte Januar abgeschickt", schreibt Breivik in seinem Tagebuch.
Unterbringung von Waffen
Waffen und Munition müssen in einem verschlossenen Schrank gelagert werden. Der Polizei ist es erlaubt, die Unterbringung zu überprüfen.

Transport von Waffen
Das Mitführen von Waffen an öffentlichen Plätzen ist streng geregelt. Der Besitzer darf nur aus bestimmten Gründen Waffen transportieren, etwa wenn sie zur Reparatur müssen oder er auf dem Weg zur Jagd ist. Die Waffen dürfen nicht geladen und nicht nach außen hin sichtbar sein. Es ist verboten, sie am Körper zu tragen. Selbst Polizisten tragen in Norwegen im Normalfall keine Pistolen bei sich. Die Waffen müssen im Polizeiwagen in einer verschlossenen Box gelagert werden. Die Beamten dürfen sie erst herausholen, wenn sie die Erlaubnis eingeholt haben. Insofern war schon das Auftreten Breviks ungewöhnlich, als er auf der Insel ankam: Er soll zwei Waffen offen getragen haben.

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