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Angriff in Belgrad: Deutscher Homosexuellen-Aktivist lebensgefährlich verletzt

In Serbien ist ein deutscher Schwulen-Aktivist von Unbekannten angegriffen und zusammengeschlagen worden. Der 27-Jährige erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen und liegt auf der Intensivstation.

Belgrad - Unbekannte haben in Belgrad einen Homosexuellen-Aktivisten aus Deutschland zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Das bestätigte die Polizei. "Er wurde mit schweren Kopfverletzungen und Blutungen eingeliefert", sagte Dusan Jovanovic, stellvertretender Direktor des behandelnden Krankenhauses. Der Mann sei bereits operiert worden und liege nun auf der Intensivstation. Sein Zustand sei ernst.

"Wir müssen leider bestätigen, dass ein deutscher Staatsangehöriger Opfer eines gewalttätigen Übergriffs in Belgrad geworden ist", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. "Der deutsche Botschafter und die Botschaft stehen mit dem Betroffenen und den lokalen Behörden in engem Kontakt und bemühen sich um eine Aufklärung."

Der 27-Jährige hatte in der serbischen Hauptstadt an einer Konferenz zu den Rechten von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen (LGBT) teilgenommen. Die Tat ereignete sich in der Innenstadt. Eine Sprecherin der Bürgerrechtsorganisation Labris sagte, der Deutsche sei am frühen Morgen von einer Gruppe junger Männer angegriffen worden. Diese hätten mit einem gläsernen Aschenbecher auf ihn eingeschlagen und geschrien: "Wir wollen keine Fremden in Belgrad!"

"Neue, fremdenfeindliche Dimension"

Der deutsche Botschafter in Serbien, Heinz Georg Wilhelm, sprach von einer "neuen, fremdenfeindlichen Dimension" des Vorfalls, sollte die Schilderung des Angriffs der Wahrheit entsprechen. Bereits mehrfach gab es in dem Land Übergriffe von Rechtsradikalen auf Homosexuelle.

Serbiens Innenminister Nebojsa Stefanovic ordnete eine Untersuchung an. "Wir werden nicht erlauben, dass solche Dinge unbestraft bleiben", sagte er. Die Veranstalter der Konferenz organisierten einen Protestmarsch mit Hunderten Teilnehmern durch das Zentrum Belgrads; Polizisten in Kampfmontur schützten die Kundgebung.

In zwei Wochen soll eine Homosexuellenparade in Belgrad stattfinden. Bei der letzten Veranstaltung dieser Art wurden dort 2010 mehr als 150 Menschen verletzt, nachdem ultrarechte Gegner des Umzugs Krawalle provoziert hatten. Seitdem wurden solche Märsche aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt.

rls/AFP/AP

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