Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Mordvorwurf: Deutscher in China zum Tode verurteilt

Ein Mann aus Bayern ist in China wegen Doppelmordes zum Tode verurteilt worden - das hat sein Anwalt mitgeteilt. Ein Gerichtsmitarbeiter bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass ein Todesurteil gegen einen Mann mit westlichem Namen gefällt wurde.

Hamburg/München - Wegen Doppelmordes ist ein Mann aus dem oberbayerischen Teisendorf in der südostchinesischen Stadt Xiamen zum Tode verurteilt worden. Sein Anwalt berichtete am Mittwoch telefonisch der Nachrichtenagentur dpa in Peking, das Mittlere Volksgericht der Stadt habe am Vortag das Urteil in erster Instanz gefällt.

Der für den Fall zuständige Gerichtssekretär Chen Baoqing bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass ein Angeklagter namens "Fei li pu" (die chinesische Umschreibung des Namens Phillip/Philipp) am Dienstag um 10 Uhr Ortszeit zum Tode verurteilt wurde. Das Auswärtige Amt in Berlin nahm bislang keine Stellung zu dem Fall.

Der 36-jährige Ex-Student aus dem oberbayerischen Teisendorf im Chiemgau war angeklagt, im Juni 2010 seine ehemalige Freundin und deren Lebensgefährten auf offener Straße mit einem Hammer und einem Messer umgebracht zu haben. Der getötete Mann war auch Deutscher, während die Freundin in München studiert hatte, aber die venezolanische Staatsbürgerschaft besaß.

Das Gerichtsverfahren war vor drei Jahren schon abgeschlossen worden. Seither wartete der Angeklagte auf das Urteil.

Trennung angeblich nicht überwunden

Der Täter und seine Ex-Freundin hatten in München gemeinsam Sinologie studiert. Sie trennte sich im Sommer 2005 von ihm. Er soll das jedoch nicht überwunden haben und begann sie zu verfolgen, wie Freunde berichteten. 2006 ging die Frau zum Studium nach Xiamen. Dorthin soll ihr der Verurteilte nachgereist sein - angeblich um sie und ihren neuen Partner, mit dem sie in der Zwischenzeit ein Kind bekommen hatte, zu töten.

In Xiamen angekommen soll der Mann dann seine Ex-Freundin und deren Lebensgefährten in ein Luxushotel in Xiamen gelockt haben. Augenzeugen berichteten, er habe den beiden maskiert in schwarzer Montur aufgelauert. Demnach flehte die junge Frau noch auf den Knien um Gnade, bevor er sie umbrachte. Als Waise blieb ein inzwischen sechs Jahre altes Kind zurück, das heute bei Verwandten in Deutschland aufwächst.

Nach Auskunft einer Sprecherin der nächsthöheren Instanz, dem Fujian Provinicial High People's Court, gegenüber SPIEGEL ONLINE hat der Angeklagte zwei Wochen Zeit, Berufung einzulegen.

Ob das passieren wird, ist bislang unklar. "Wir wissen es noch nicht", sagte der Anwalt Chen Liqun der dpa. "Er hat selbst noch keine Entscheidung getroffen." Der Fall müsste ohnehin noch in höherer Instanz sowie am Ende vom Obersten Gericht Chinas in Peking bestätigt werden. Sollte das Todesurteil vollstreckt werden, wäre der 36-Jährige der erste Deutsche, der in China hingerichtet würde.

vks/fab/dpa, Mitarbeit: Bernhard Zand

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1367,820 Mio.

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia| China-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: