Deutschland Kriminalbeamte warnen vor hoher Zahl von Gewalttaten an Kindern

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter warnt davor, dass die Zahl der Kinder, die durch Vernachlässigung und Gewalt sterben, zu hoch ist - und fordert Veränderungen beim Datenschutz.


Berlin - 173 Jungen und Mädchen unter sechs Jahren wurden 2007 Opfer von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten. Auf diese Zahl in der Kriminalstatistik hat jetzt der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) erneut hingewiesen und das hohe Niveau der Straftaten kritisiert. Auch 2008 sei die Zahl getöteter Kinder nach bisherigen Erkenntnissen "auf hohem Niveau ziemlich gleich geblieben", wobei die vorhandene Dunkelziffer schwer abzuschätzen sei, sagte der stellvertretende BDK-Bundesvorsitzende Bernd Carstensen.

Der Kriminalistenverband fordert Veränderungen beim Datenschutz: Derzeit dürften Informationen über eine Kindesgefährdung nur bei Gefahr für Leib oder Leben an eine andere Institution weitergegeben werden - bei blauen Flecken wurden sich Ärzte oder Sozialarbeiter dagegen bei einer Meldung wegen der Schweigepflicht strafbar machen.

Der BDK-Vizechef sieht eine höhere Anzeigebereitschaft in der Bevölkerung: "Im vergangenen Jahr wurden bundesweit über 1700 Ermittlungsverfahren wegen möglicher Kindermisshandlungen bei der Polizei geführt, 200 Fälle mehr als 2006", sagte Carstensen. Die Mitbürger seien "sensibler geworden, schauen heute genauer hin und retten so wahrscheinlich Menschenleben".

Der Kriminalstatistik zufolge gingen die deutschen Ermittler 2007 in 20 Fällen von Mord aus, in 91 Fällen von Totschlag und in 62 von fahrlässiger Tötung.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurden Angaben der Nachrichtenagentur ddp, es gebe keine gesonderte offizielle Statistik für Gewalttaten an Kindern, ungeprüft übernommen. Außerdem war von einer Steigerung der Zahl der gewaltsam getöteten Kinder im vergangenen Jahrzehnt die Rede. Beide Angaben treffen so nicht zu: Die Gewalttaten werden statistisch erfasst, die Zahl der Fälle ist mehreren Quellen zufolge seit Jahren in der Tendenz stabil. Falsch war zudem die Angabe, 173 Kinder unter sechs Jahren seien 2007 durch Gewalttaten ums Leben gekommen - diese Zahl umfasst vielmehr auch alle nicht vollendeten Tötungsversuche. Wir haben die Passagen entfernt und bitten um Entschuldigung.

pad/ddp



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