Flughafen Brüssel: Diamantenklau nach Drehbuch

Der Coup war spektakulär: Minutiös nach Plan raubten acht Gangster 120 Päckchen auf dem Brüsseler Flughafen. Jetzt sind sie auf der Flucht, mit Diamanten aus Antwerpen im Wert von gut 37 Millionen Euro. Die Polizei steht vor einem Rätsel, die Diamantenstadt fürchtet um ihren Ruf.

AP

Brüssel - Es ist einer der größten Diamantendiebstähle der Geschichte: Acht Unbekannte haben bei einem Überfall am Brüsseler Flughafen Diamanten im Wert von rund 37 Millionen Euro erbeutet. Sie sind auf der Flucht.

Rund 24 Stunden nach dem Coup scheint klar: Hier waren Profis am Werk. Der Überfall war minutiös geplant, ergaben erste Ermittlungen der Brüsseler Staatsanwaltschaft. Die Gangster kamen in der Dunkelheit. Sie waren demnach zu acht, mit Maschinengewehren bewaffnet, maskiert und mit Polizeiuniformen bekleidet. Gegen 19.47 Uhr durchbrachen die Täter die Sicherheitsabsperrungen und fuhren mit zwei schwarzen Vans auf das Rollfeld. Einem Bericht der Zeitung "Het Laatste Nieuws" zufolge hatten die Räuber zwischen zwei Baustellen ein Loch in den Flughafenzaun geschnitten. Zur Tarnung hatten die Räuber sogar die Autos mit Blaulicht ausgestattet.

Offenbar hatte die Bande Diamanten aus Antwerpen im Visier, die gerade aus einem Werttransporter in ein Flugzeug Richtung Zürich verladen wurden. Die Maskierten hätten die Wachleute, die Piloten und Co-Piloten des Flugzeugs bedroht und 120 Päckchen mit Diamanten von der Ladefläche der Maschine gezogen, zitiert das Blatt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dann verschwanden die Täter in der Dunkelheit - unerkannt und unbemerkt von den Passagieren an Bord des Flugzeugs.

Fünf Minuten dauerte die ganze Aktion. Die Polizei steht vor einem Rätsel. "Wir haben noch keine Informationen über die Identität der Diebe", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Verbrecher waren schwerbewaffnet, doch es sei kein einziger Schuss gefallen und niemand sei verletzt worden, teilten Flughafen und Staatsanwaltschaft mit. Dies ist wohl auch dem besonnenen Handeln der Überfallenen zu verdanken, die sich vollkommen ruhig verhielten. Und vermutlich hatten die Diebe Hilfe: Der Zeitung "Het Laatste Nieuws" zufolge gehen die Ermittler davon aus, dass es Komplizen am Flughafen gab.

Laut Mitteilung des World Diamond Centre in Antwerpen (AWDC) stahlen die Unbekannten Edelsteine im Wert von 50 Millionen Dollar, umgerechnet 37,4 Millionen Euro. Der Diamantenraub sei "einer der größten der Geschichte", sagte AWDC-Sprecherin Caroline De Wolf.

Schaden für das Diamantenzentrum Antwerpen befürchtet

In dem Statement heißt es weiter, bei den erbeuteten Edelsteinen handele es sich sowohl um polierte als auch um Rohdiamanten. Zu den Lieferanten und den Käufern wollte die Sprecherin nichts sagen. Auch die Staatsanwaltschaft äußerte sich hierzu bislang nicht. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass die Ladung für mehrere Empfänger bestimmt war.

Der Transport wurde von dem Unternehmen Brink's durchgeführt, einem global operierenden Sicherheitsdienstleister aus den USA. Auf der Internetseite seiner deutschen Tochter wirbt das Unternehmen mit dem Slogan: "Denn seit 1859 hat keiner unserer Kunden auch nur einen uns anvertrauten Cent verloren." Aus Gründen der Sicherheit wollte sich die Firma nicht zu ihren Werttransporten äußern.

Die Sprecherin des World Diamond Centre äußerte sich sehr besorgt über die Sicherheitslücken am Brüsseler Flughafen. In Antwerpen sei man geschockt und fürchte einen "bedeutenden" Schaden für die Diamantenstadt. Sie hoffe, dass bei solchen Transporten künftig zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen würden. Flughafensprecher Jan Van Der Cruysse konnte nicht erklären, warum alle Sicherheitsvorkehrungen versagten. "Wir halten uns an die strengsten Regeln", wies er die Kritik zurück.

Während der Flugverkehr in Brüssel ungestört weiterging, fahnden Polizei und Staatsanwaltschaft nach den Räubern. Bis auf ein ausgebranntes Fluchtauto, das in Zellik in der Nähe von Brüssel gefunden wurde, fehlt von den Verbrechern jede Spur. Nach dem zweiten Wagen wird noch gefahndet. Genau wie nach der 37-Millionen-Euro-Beute.

gam/dpa/afp/AP

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Oceans's eight ?
Jonny_C 19.02.2013
Zitat von sysopDer Coup war spektakulär: Minutiös nach Plan raubten acht Gangster 120 Päckchen auf dem Brüsseler Flughafen. Jetzt sind sie auf der Flucht, mit Diamanten aus Antwerpen im Wert von gut 37 Millionen Euro. Die Polizei steht vor einem Rätsel, die Diamantenstadt fürchtet um ihren Ruf. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/diamanten-raub-in-bruessel-schockiert-antwerpener-a-884335.html
Oceans's eight ? Was macht man mit Diamanten im Wert von 37 Millionen Euro ? Verkaufen - klar, aber wo. Jedes größere Diamanten-Geschäft wird doch jetzt weltweit unter die Lupe genommen. Und tausende von den Glitzersteinchen einzeln zu verkaufen, ein mühsames Geschäft und für Bohrkronen sind die Dinger ja wohl doch zu kostbar. Also klärt mich bitte auf - Danke !
2.
Joinme66 20.02.2013
Zitat von Jonny_COceans's eight ? Was macht man mit Diamanten im Wert von 37 Millionen Euro ? Verkaufen - klar, aber wo. Jedes größere Diamanten-Geschäft wird doch jetzt weltweit unter die Lupe genommen. Und tausende von den Glitzersteinchen einzeln zu verkaufen, ein mühsames Geschäft und für Bohrkronen sind die Dinger ja wohl doch zu kostbar. Also klärt mich bitte auf - Danke !
Na ja wenn 8 Leute in 5 Minuten 37 Millionen klauen und keinen einzigen Schuß dazu abgeben müssen dann mach ich mir keine Sorgen, dass sie dafür nicht längst schon Abnehmer haben. Und um die Diamantenindustrie tuts mir am wenigsten leid. Die haben doch eh nur Angst das sie ihre Diamanten dann eine zeitlang billiger abgeben müssen. Dieses verstunken und verlogene Pack könnte von mir aus jeden Tag bestohlen werden...Ein Hoch auf die Diebe.
3. Sicherheitsvorkehrungen
globaltrottel2 20.02.2013
Das müsste doch die Exekutive zum Nachdenken bewegen. Statt die Passagiere in den Terminals mit immer stumpfsinnigeren Kontrollen zu überziehen, sollte man stattdessen besser die Zäune der Flughäfen sichern. Für Räuber und Terroristen bliebe dann als Zugang nur noch die teure Variante eines Hubschraubereinsatzes.
4. Herzlichen Glückwunsch.
Bernd_1961 20.02.2013
Super gemacht, absolut professionell und ohne jemanden zu verletzen. Außer vielleicht ein paar Bonzen, die aber eh gut genug versichert sind. Im übrigen braucht ihr euch keine Gedanken zu machen: Die hätten den Coup nicht gemacht, wenn sie nicht von vornherein Auftraggeber, bzw. Abnehmer gehabt hätten. Ich hoffe, die Jungs lassen sich nicht erwischen und machen sich von der Kohle ein schönes Leben!
5. Wenn keine MP-Schüsse gefallen sind - weil keiner DA WAR
Ulenvater2 22.02.2013
ist das wohl das armseligste Zeugnis für die Sicherheits-Chefs dieses Flughafens. Mir wäre das nicht passiert - selbst als ich nur 18 Monate zu dienen hatte und gerade der Überfall auf LENGENDE stattgefunden hatte. Ja, da staunte der General der schwedischen Streitkräfte, der gerade wegen der Nato-Tagung zusah, wie ich die Munitionsbunker auf Verschluß kontrollierte und wär' fast umgefallen, als ich ihn militärisch grüßte. Bei den Skandinaviern war es damals üblich, daß sich "ein Befehl HERUM-sprach" !.
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