Diana-Anhörung: Die Prinzessin, die Pille und die Schnürsenkel

Sechs Beamte des MI6 waren in Paris, als Diana und ihr Lover Dodi al-Fayed im Alma-Tunnel verunglückten. Der Vater des toten Playboys beharrt noch heute darauf: Der Geheimdienst steckte dahinter. Vor Gericht will Mohammed al-Fayed jetzt die Geschworenen von seiner Theorie überzeugen.

London - Anderthalb Tage brauchte Lord Justice Scott Baker, um sein 150 Seiten umfassendes Papier zu verlesen, das die Grundlage der gerichtlichen Untersuchung zum Fall Diana bildet. Wochenlang wird sich nun erneut ein Londoner Gericht mit Umständen, Hintergründen und Verschwörungstheorien zum Tod der Prinzessin befassen.

War der britische Geheimdienst MI6 daran ursächlich beteiligt? Lord Justice Baker berichtete, so schreibt die "Times", er habe Zugang zu den Aufzeichnungen des Nachrichtendienstes erhalten - nur um fast treuherzig hinzuzufügen, dass der MI6 einen schließlich "nur das sehen lasse, was er einen sehen lassen will".

Fest zu stehen scheint, dass sechs Beamte des MI6 im August in Paris waren. Sie seien, so teilte der Geheimdienst dem Lord Justice mit, mit Terrorabwehr befasst gewesen und hätten nicht einmal gewusst, dass die Prinzessin in der Stadt gewesen sei. Man hätte sich eben einfach um "wichtigere Dinge zu kümmern gehabt", als Diana und ihren Liebhaber im Visier zu behalten.

Das sieht der Mann, der als treibende Kraft die gerichtliche Untersuchung durchsetzte, ganz anders: Mohamed al-Fayed, Vater des bei dem Unfall getöteten Dodi. Obwohl ein ausführlicher Untersuchungsbericht der französischen Behörden, den der ehemalige britische Polizeichef Lord Stevens im vergangenen Jahr vorlegte, Fremdverschulden ausschloss und Verschwörungstheorien ins Reich der Märchen verwies, erreichte al-Fayed, dass Dianas Drama nun erneut aufgelegt wird.

Der Unternehmer trägt seit zehn Jahren seine Schilderungen zu Markte, wonach Diana und Dodi sterben mussten, weil sie heiraten wollten und Diana zudem von Dodi, einem Muslim, schwanger gewesen sei. Dies habe das britische Königshaus als untragbar empfunden, worauf Prinz Philip persönlich MI6 den Auftrag erteilt habe, Diana zu töten.

Der Pathologe, der die Leiche der Prinzessin nach der Überführung in London untersuchte, entdeckte jedoch keine Hinweise auf eine Schwangerschaft. Zudem erscheint es kaum glaubhaft, dass Diana dem Vater ihres Freundes Dodi, Mohammed al-Fayed selbst, davon erzählt haben soll, engsten Freundinnen gegenüber dies aber verschwieg. Zudem, so Lord Justice Baker, habe die Prinzessin die Anti-Baby-Pille genommen.

Im Focus standen zum Auftakt der Anhörung einmal mehr Bilder Dianas, der einst meist fotografierten Frau der Welt. Das bislang unveröffentlichte Material illustriert die letzten Stunden Dianas ausführlicher als zuvor bekannt.

Neue "intime Details aus dem Privatleben der Prinzessin"?

Die Prinzessin und ihr Geliebter Dodi al-Fayed im Fahrstuhl des Pariser Hotels "Ritz". Diana im Auto der Limousine, kurz bevor diese im Pariser Alma-Tunnel gegen einen Pfeiler krachte. Verfolgt und fotografiert von Paparazzi, wendet die Prinzessin das Gesicht ab. Ihr Bodyguard hebt die Hand schützend vors Gesicht. Blendet ihn das Blitzlicht? Der Chauffeur Henri Paul, der wenig später im Wagen sterben wird, reißt den Mund auf.

Henri Paul ist eine der Schlüsselfiguren im Verfahren. War der Chauffeur betrunken, als er sich ans Steuer des Mercedes setzte? Die Blutalkoholprobe scheint dies zu beweisen: Pauls Werte überstiegen den in Frankreich zulässigen Wert um das Dreifache.

Doch ausgerechnet der frühere Chefermittler Lord Stevens, dem dieses Ergebnis vorlag, versicherte den Eltern des Fahrers, ihr Sohn sei am fraglichen Abend nicht betrunken gewesen. Zudem filmten Sicherheitskameras des "Ritz" Henri Paul, wie er sich kurz vor der Todesfahrt im Hotel vornüberbeugt und sich die Schnürsenkel zubindet. Wäre ein Mann, der derart unter Alkoholeinfluss stand, wie es die Bluttests zeigen, dazu in der Lage gewesen?

Es scheint zweifelhaft, dass das neue Verfahren zehn Jahre nach dem Geschehen Antworten auf diese offenen Fragen geben kann.

Eine Totenruhe für Diana, die viele ihrer Bewunderer so dringend einfordern, scheint in weiter Ferne. Für die kommenden Wochen kündigte der Untersuchungsrichter weitere "intime Details aus dem Privatleben der Prinzessin" an.

pad

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