Erschossener Austauschschüler Direns Todesschütze muss 70 Jahre in Haft

Markus Kaarma muss wegen vorsätzlicher Tötung des deutschen Austauschschülers Diren 70 Jahre ins Gefängnis. Das hat ein Gericht im US-Bundesstaat Montana entschieden. Kaarmas Forderung nach einem neuen Verfahren lehnte es ab.

Richter McLean (Archivfoto): "Sie sind wütend auf die Welt"
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Richter McLean (Archivfoto): "Sie sind wütend auf die Welt"


Missoula - Im Fall der tödlichen Schüsse auf den deutschen Austauschschüler Diren hat ein US-Gericht das Strafmaß für den Schützen verkündet: Markus Kaarma muss 70 Jahre ins Gefängnis, erklärte Richter Ed McLean im US-Bundesstaat Montana. Eine Freilassung auf Bewährung komme frühestens nach 20 Jahren in Betracht.

"Sie sind wütend auf die Welt, und das ist offensichtlich an ihrem Verhalten, an der Sprache, die Sie verwenden", sagte McLean. "Wir müssen eine Gesellschaft schaffen, in der Menschen wie Sie nicht überreagieren." Der Kaarma stelle eine zu große Bedrohung dar.

Der Angeklagte entschuldigte sich in einer kurzen Stellungnahme für seine Tat. "Ich habe getan, was ich für nötig hielt, um meine Familie und mich selbst zu schützen", sagte er. Seine Partnerin und seine Mutter hatten den Richter zuvor mit emotionalen Bemerkungen um Milde gebeten - vergeblich.

Der 30-jährige Angeklagte war kurz vor Weihnachten wegen vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen worden. Er hatte Diren im vergangenen April erschossen, als dieser nachts in seine Garage eingedrungen war. Der Fall fand in Deutschland große Beachtung, in den USA dagegen kaum.

Verteidigung will neuen Prozess

Direns Schwester Basak D. hatte vor der Verkündung des Strafmaßes gesagt, wichtig sei der Familie vor allem die Verurteilung gewesen. Ob der Täter "nun 10 oder 50 Jahre sitzt, das bringt mir meinen Bruder nicht zurück". Direns Vater Celal D. sagte, viele Bewohner Missoulas hätten ihm auf der Straße ihr Mitgefühl ausgedrückt. Sie glaubten auch nicht, dass der Täter typisch für die Kleinstadt sei.

"Ich bin nicht glücklich", sagte der Vater nach der Verkündung des Strafmaßes. "Er lebt. Er geht ins Gefängnis, aber er lebt. Mein Sohn ist tot." Er sei froh, dass das Gerichtsverfahren jetzt überstanden sei, sagte der Vater. "Wir müssen nach Hause gehen und weitermachen. Das Leben in der Zukunft ist entzwei."

Beim Schuldspruch waren die zwölf Geschworenen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Sie warf Kaarma vor, Diren in eine Falle gelockt und kaltblütig hingerichtet zu haben. Die Verteidigung hatte auf Notwehr plädiert.

Wie in vielen Staaten der USA ist in Montana der Besitz und das Tragen von Waffen erlaubt. Das eigene Haus darf notfalls auch mit tödlicher Gewalt verteidigt werden. Im Fall Diren greife die "Castle-Doctrine" aber nicht, hatte das Gericht befunden: Kaarma habe nicht aus Selbstschutz, sondern nach Plan gehandelt.

Kaarmas Anwälte hatten Ende Januar einen neuen Prozess für ihren Mandanten verlangt. Die Verteidigung will offenbar eine Verurteilung wegen eines minder schweren Tötungsdelikts erreichen. Ihre Argumentation: Wegen des massiven Medieninteresses an dem Verfahren habe Kaarma keine Chance auf ein faires Verfahren gehabt, die Geschworenen seien beeinflusst worden. Richter McLean lehnte die Forderung ab. Bereits vor dem Prozess hatten die Anwälte ähnliche Vorwürfe erhoben und deshalb eine Verlegung in eine andere Stadt verlangt - was der Richter auch damals abgelehnt hatte.

ulz/dpa/AP/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 118 Beiträge
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Seite 1
canizmirli 12.02.2015
1. mindestens...
ein wenig Genugtuung
gästeblock 12.02.2015
2.
Gut so!!!
rightinpark 12.02.2015
3. Gerechtigkeit!
danke US-Justiz
derbenjo 12.02.2015
4. Sehr Gut
Ein gerechtes Urteil, wenn man die überzogenen amerikanischen Maßstäbe hernimmt. Aber es war nunmal kaltblütiger Mord an einem unschuldigen Jugendlichen.
Mars82 12.02.2015
5.
Man bestraft einen Menschen mit 70 Jahren Haft (=Faktisch Lebenslänglich für den Mann) weil er sein Hab , Gut und Grundstück gegen einen Einbrecher verteidigt hat?
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