Diskriminierung am Disco-Eingang: 18-Jähriger bekommt 900 Euro Entschädigung

Ein junger Mann wird vor einer Discothek mit der Begründung abgewiesen, es seien "schon genug Schwarze drin". Ein Richter erkannte die Diskriminierung, verwehrte aber eine Entschädigung. In zweiter Instanz entschied ein Gericht nun anders.

Stuttgart - David G. wollte im November 2010 einfach nur tanzen gehen. Doch vor der Tür der Reutlinger Discothek "M-Park" wurde der damals 17-Jährige gemeinsam mit einem 22 Jahre alten Begleiter abgewiesen. Es seien "schon genug Schwarze drin", soll die Begründung gelautet haben. Seitdem beschäftigt der fragliche Abend Gerichte in Baden-Württemberg.

Der in Deutschland geborene Sohn einer togoischen Mutter klagte vor Gericht und verlangte 5000 Euro Schmerzensgeld. Das Landgericht Tübingen verpflichtete die Discothek Ende Juli, den Mann künftig einzulassen, lehnte ein Schmerzensgeld jedoch ab. Es habe nur einen geringen Eingriff in die Rechte des Mannes gegeben. G. legte Berufung gegen dieses Urteil ein - und hatte nun in zweiter Instanz Erfolg.

Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart sah einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz und sprach dem heute 18-Jährigen am Montag 900 Euro zu. Das entspricht dem Gegenwert von 150 Eintrittskarten.

Zwar habe das OLG nicht feststellen können, ob es zu der betreffenden Äußerung tatsächlich kam. Ein Zeuge mit ebenfalls dunkler Hautfarbe habe jedoch bestätigt, dass er am selben Abend abgewiesen worden war, während zwei Begleiter mit weißer Hautfarbe eingelassen wurden. 5000 Euro Schmerzensgeld, wie von G. gefordert, seien aber überhöht.

Urteil mit abschreckender Wirkung

Der Rechtsanwalt von David G., Sebastian Busch, hält die Entscheidung des OLG Stuttgart für "nicht weitgehend genug". "Ich hätte mir mehr gewünscht", sagte er. Das Urteil werde nun geprüft.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, freute sich über die Entscheidung. Das Urteil korrigiere die Entscheidung des Landgerichts Tübingen, in der eine Entschädigung mit einer nicht nachvollziehbaren Begründung versagt worden sei, sagte sie. "Ich hoffe auf eine Signalwirkung der heutigen Entscheidung und verspreche mir davon, dass dieses Urteil auch abschreckende Wirkung auf andere Discothekenbetreiber haben wird."

aar/dpa/dapd/jur

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Sleeper_in_Metropolis 12.12.2011
Die einzige Wirkung dürfte sein, das Discothekenbetreiber ihr Türpersonal künftig anweisen werden, das Sortieren am Eingang den Abgewiesenen gegenüber nicht mehr zu begründen bzw. sich unverfänglichere Begründungen einfallen zu lassen.
2. .
quabah 12.12.2011
Ganz klar wurde der Junge wegen seiner Hautfarbe diskriminiert. ABer es ist üblich das Diskothekenbetreiber darauf achten, dass nicht zu viele Menschen mit Migrationshintergrund, Männer, U20iger und Ü30iger in der Disko sind. Man möchte Deutsche in den 20igern beiderlei Geschlechts als Hauptpublikum. Zu viele Migranten, Teenies oder Grufties führen dazu, dass diese Gäste abwandern. Ich glaub nicht dass der Diskothekenbetreiber oder Türsteher Rassist ist; die sind nur geldgierig. Hätte man deshalb auch eine höhere Strafe geben können!
3. Ist mir auch letztens passiert
Eckhard 12.12.2011
Mit Verweis auf das männliche Geschlecht. OT: "ihr seid die dritte reine Männergruppe hintereinander. Ich kann euch nicht reinlassen." Als dann Mädels kamen und wegen unserer rumstehenden Ratlosigkeit fragten ob es eine Warteschlange gäbe, sagte der Türsteher: "Nein, die dürfen nur nicht rein." Alle anderen durften rein. Darf ich den Club jetzt auch wegen Diskriminierung anzeigen, oder braucht man einen Migrationshintergrund? Schon schlimm diese doppelten Standarts, die sich an rassistischen Kriterien festmachen. Ich empfehle zum überkreuzlesen den SPON-Artikel vom Schwarzen Kanal und der SPD-MiHiGru-Quote. SPD: "Wir sind keine Rassisten bevorzugen aber bestimmte Rassen/Ethnien." Aha?!?! Nochmal zurück zum Türsteher. Der hat uns den Abend versaut. Wir sind dann unvorbereitet/ spontan in den erstbesten Club gegangen und es war schei..., aber ich werde sicher nicht lange darüber traurig sein. Das gehört halt zum Ausgehen.
4. Tja!
lenin2009 12.12.2011
Zitat von sysopEin*junger Mann*wird vor einer Discothek mit der Begründung abgewiesen,*es seien "schon genug Schwarze drin". Ein Richter erkannte die Diskriminierung, verwehrte aber eine Entschädigung. In zweiter Instanz entschied ein Gericht nun anders. Diskriminierung am Disco-Eingang: 18-Jähriger bekommt 900 Euro Entschädigung - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,803258,00.html)
Schon Personalchefs sind ja anscheinend manchmal zu blöd, ihre Ablehnung zu kaschieren. Was soll man da von Türstehern erwarten?
5. Es bringt nichts
Malshandir 12.12.2011
Das Ergebnis führt in Zukunft dazu, dass die Türsteher nur noch abweisen ohne etwas zu sagen. Was mir immer auffällt, es gibt nur Beschwerden von Migranten. Ich habe noch nie gelesen, Deutscher diskrimniert, obwohl dies oft genug vorkommt. Oder Männer diskriminiert, imemr werden nur Frauen diskriminiert. Grundsätzlich bin ich gegen jede Diskriminierung, aber man soll die Kirche im Dorf lassen. Ist es denn eine Diskriminierung, wenn der Diskobetreiber den Durchschnitt der Bevölkerung wiedergibt? Es heisst auch niemand darf bevorzugtwerden. Wenn man nun einer Minderheit, die nur 5% der Bevölkerung ausmacht plötzlich zu 30% in der Disco hat, dann wäre das keine Diskriminierung. Es gibt auch Diskotheken, die speziell osteuropäisches oder vorderasiatische Kundschaft haben, dort wird man als Deutscher auch abgewiesen und ist genauso eine Diskriminierung. Bei Diskos herrscht nunmal Willkür und es geht nur nach Nase. Wenn man das verhindern will, dann darf es zukünftig nur Automaten an solchen Diskos geben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS
alles zum Thema Fremdenfeindlichkeit
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 13 Kommentare