Döner-Morde Aufklärung scheitert an Justiz

Die Nürnberger Soko "Bosporus" stand womöglich kurz davor, die neun sogenannten Döner-Morde aufzuklären: Ein Informant forderte nach SPIEGEL-Informationen Geld und das Entgegenkommen der Justiz. Die Verhandlungen scheiterten jedoch.


Hamburg - Bei einer der bislang größten Mordserien in Deutschland starben seit 2000 acht Türken und ein Grieche in ihren Kleinbetrieben durch Schüsse ins Gesicht. Ein Informant aus der mafiösen Organisation türkischer Nationalisten, die für die Taten verantwortlich sein sollen, war nach SPIEGEL-Informationen nun bereit, die Ermittler zur Tatwaffe, einer Ceska Typ 83, zu führen. Die Pistole befindet sich angeblich in einer Villa in der Schweiz in der Nähe des Bodensees.

Für seine Hilfe bei der Aufklärung der Döner-Morde wollte der Mann Geld und das Entgegenkommen der Justiz. Der Informant war wegen eines gefälschten Führerscheins und einiger Vorstrafen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Da sich die Staatsanwaltschaft weigerte, die Haft zur Bewährung auszusetzen und nur die geforderte Summe von 40.000 Euro zahlen wollte, brach der Mann den Kontakt zur Soko ab.

Die Ermittler hatten ihn dazu überreden wollen, die Waffe selbst zu holen und über die Grenze nach Deutschland zu bringen. Sollte er bei zufälligen Kontrollen mit der Ceska erwischt werden, wolle man "nur zum Schein" gegen ihn ermitteln.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg bestätigte die Verhandlungen mit dem V-Mann, erklärte jedoch, eine Einflussnahme auf Gerichte käme nicht in Frage.

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