Razzia bei deutschem Sektenführer Tödlicher Sturm auf die Guru-Bastion

Selbsternannter Wunderheiler, Hellseher, Beschwörer des Weltuntergangs: Sektenführer Peter B. scharte in der Dominikanischen Republik folgsame Jünger um sich. Als nun Polizei und Interpol mit einem Großaufgebot anrückten, kam es zu einem tödlichen Feuergefecht.

Szene aus TV-Bericht: Polizeieinsatz gegen Sekte in der Dominikanischen Republik
Ola TV

Szene aus TV-Bericht: Polizeieinsatz gegen Sekte in der Dominikanischen Republik

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Santo Domingo - Peter B. sprach oft vom Ende der Menschheit, 2012 sollte er kommen, der Weltuntergang. Der 61-Jährige aus Meisenheim in Rheinland-Pfalz lebt seit mehreren Jahren in der Dominikanischen Republik, arbeitet dort als Immobilienmakler und Leiter spiritueller Seminare der "Academy for the future health", einer von ihm gegründeten Sekte. Der selbsternannte Wunderheiler und seine folgsamen Anhänger bewohnen ein Anwesen im Villenviertel von Sosúa, einem Touristenzentrum an der Nordküste der Karibikinsel, das vor allem bei Deutschen beliebt ist.

Peter B.s Welt geht am 17. Oktober unter: Gegen 9 Uhr (Ortszeit) stürmt ein Großaufgebot von dominikanischen Polizisten, Vertretern der Justizbehörden und Interpol in das Anwesen. Seit Jahren steht die "Akademie für zukünftige Gesundheit" unter Beobachtung der Ermittler, jetzt wollen sie das Gelände oberhalb der Stadt nach illegalen Waffen durchsuchen.

Doch noch ehe die Razzia richtig begonnen hat, fallen Schüsse. Zwei Männer und eine Frau hätten aus einem Haus das Feuer auf die Polizisten eröffnet, sagt Polizeisprecher Diego Pesqueira. Sie liefern sich ein erbittertes Feuergefecht mit den Ermittlern, die Schießerei dauert etwa eine Stunde - und endet für einen der Beteiligten tödlich.

Der Getötete wird von der Polizei als Peter D. identifiziert, ebenfalls Deutscher und Mitglied der "gefährlichen religiösen Sekte". Videoaufnahmen des Senders OLA TV zeigen die Leiche des Mannes, die mit kugelsicherer Weste in einer Blutlache liegt. Neben dem Toten ist ein großkalibriges Gewehr zu sehen. Auf den Bildern von der Polizeiaktion ist außerdem zu erkennen, wie eine Frau in Handschellen abgeführt wird. Sie trägt ebenfalls eine schusssichere Weste, deren Taschen mit Patronen gefüllt sind, wie die Bilder zeigen. Laut Polizei ist auch die Festgenommene deutsche Staatsbürgerin, sie wirkt verwirrt, schreit immer wieder: "Warum? Was ist hier los?"

Auch Peter B. selbst wird festgenommen. Der Sektenchef sei bei der Schießerei ebenso verwundet worden wie mehrere Polizisten, so Polizeisprecher Pesqueira.

Wer ist Peter B.?

Der gelernte Orthopädie-Mechaniker B. bezeichnet sich selbst als "Doktor der Naturwissenschaft" und "Doktor der Religionswissenschaft". Beide Titel sollen laut dem deutschsprachigen "Domrep Magazin" gefälscht sein. B. führt seit mehreren Jahren die von ihm gegründete "Akademie für zukünftige Gesundheit". Der selbsternannte Wunderheiler und Hellseher hält spirituelle Vorträge, verbreitet krude Verschwörungstheorien und sieht offenbar eine "Vervollkommnung" der Erde nahen, wie auf der Website seiner dubiosen Organisation zu lesen ist. Der letzte Eintrag auf der Seite stammt aus dem Mai. Seither wartete die Sekte offenbar auf den von B. für 2012 prophezeiten Weltuntergang: "Unser Werk ist getan, nun darf jeder ernten, was er im Leben gesät hat."

B. habe sich nicht nur als "Kosmischer Lehrer" bezeichnet, sondern auch behauptet, in einem früheren Leben wahlweise ein Pharao, Paulus, Papst, Ulysses Grant oder Leonardo da Vinci gewesen zu sein, heißt es auf psiram.com, einem Wikipedia-ähnlichen Lexikon über Pseudowissenschaft, Esoterik und Verschwörungstheorien. "Es gibt 68 Sorten Aliens auf der Erde", behauptet B. demnach. Geld verdiene der Esoterik-Guru unter anderem mit seinen Vorträgen mit Titeln wie "Warum der Transfer jetzt sein muss und wie das Leben danach aussieht" sowie pseudomedizinischen Gerätschaften. Zudem müssten seine "Schüler" zehn Prozent ihres Einkommens an ihn abführen, heißt es auf der Website. Seine Villa wirkt luxuriös. Auf Bildern ist ein mehrstöckiges Gebäude in strahlendem Weiß und ein großer Pool zu erkennen.

Bei den vielen deutschen Nachbarn im Viertel La Mulata III von Sosúa machte sich der Sektenführer in der Vergangenheit offenbar häufig unbeliebt. Mehrere Beiträge des Sat.1-Magazins "Akte", das B. und seinen Machenschaften seit Jahren auf der Spur ist, dokumentieren die Streitigkeiten. Demnach ernannte er sich selbst zum "Präsidenten" der Siedlung, gab Passierscheine und ließ eigenmächtig Straßensperren mit bewaffneten Posten errichten. Auf den Fernsehbildern ist auch zu sehen, wie die Polizei eine dieser Straßensperren auflöst, gegen den Widerstand der Sektenmitglieder. Dabei fallen auch Schüsse.

Waffenarsenal sichergestellt

Auch in den vergangenen Wochen hätten Nachbarn immer wieder Schüsse gehört, die vom Anwesen der Sekte aus abgefeuert worden seien, berichtete das "Domrep Magazin". Die Razzia am Mittwoch sei von der Polizei als Präventiveinsatz bezeichnet worden. Offenbar gab es Befürchtungen, dass sich Sektenmitglieder aufgrund der Weltuntergangsprognosen selbst umbringen.

Der Chef der Nationalen Polizei, José A. Polanco Gómez, lobte die Vorsicht der Beamten und des Staatsanwalts. Ihnen sei zu verdanken, dass es nicht mehr Tote am Einsatzort gegeben habe. Die Ermittler durchsuchten das Anwesen der Gruppe und stellten zwei M-16-Sturmgewehre, vier Pistolen, fünf Gewehre, Munition, eine Maschine zur Herstellung von Patronen, mehrere Armbrüste mit Zielfernrohr und sieben kugelsichere Westen sicher. Zudem wurde ein gepanzerter Geländewagen beschlagnahmt.

mit Material von dpa



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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
hobbysechs00 18.10.2012
1. ioffensichtlich ein an Schizophrenie erkrankte Mensch
der jedoch und dass ist die Kehrseite von vielen schizophrenen Erkrankungen eine hohe seelische Energie aufbringen kann.in unserem BildungsSystem sollte das Fach Psychologie eingerichtet werden und Alle Jugendlichen ab dem 13Lebensjahr gründlich auf das leben verbereitet werden.dazu gehört auch dass Grundkenntnisse dieser Krankheiten vermittelt werden
andrea.stoerk 18.10.2012
2.
So ganz verstehe ich nicht, warum ein befürchteter Massen-Suizid von Sekten-Mitgliedern und ihrem "Rührer" einen Präventiv-Einsatz der Polizei erforder oder gar rechtfertigt..
unemployed50 18.10.2012
3. Nun!
Religiöse Verwirrtheit gehört in den Bereich der Psychatrie ob nun Amerikaner, Deutscher oder wer was auch immer. Fanatiker ( meißt Religiöse ) rüsten sich immer auf denn sie müssen gegen den Rest der Welt kämpfen ohne Waffen geht das nicht. Ich bin froh, dass die Dominikanischen Behörden mit Hilfe aus Deutschland, dafür gesorgt haben, dass das Ganze nicht in einem Blutbad endete. Gruß HP
taglöhner 18.10.2012
4. Geht schon in Ordnung
Zitat von hobbysechs00der jedoch und dass ist die Kehrseite von vielen schizophrenen Erkrankungen eine hohe seelische Energie aufbringen kann.in unserem BildungsSystem sollte das Fach Psychologie eingerichtet werden und Alle Jugendlichen ab dem 13Lebensjahr gründlich auf das leben verbereitet werden.dazu gehört auch dass Grundkenntnisse dieser Krankheiten vermittelt werden
Positivsymptome der Schizophrenie (http://de.wikipedia.org/wiki/Schizophrenie#Positivsymptome) sind doch sozusagen Grundvoraussetzung für Prophetentum. Kleiner Auszug (Wikipedia):
reuanmuc 18.10.2012
5.
Zitat von andrea.stoerkSo ganz verstehe ich nicht, warum ein befürchteter Massen-Suizid von Sekten-Mitgliedern und ihrem "Rührer" einen Präventiv-Einsatz der Polizei erforder oder gar rechtfertigt..
Das hat einen einfachen Grund. Es gab in den vergangenen Jahren mehrere Massenselbstmorde von solchen Sekten, teils mit mehreren hundert Toten, z.B. 1978 in Guyana (http://www.agpf.de/Jonestown.htm) mit 921 Toten.
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